Umweltschutzpreis von der Stadt

„Strom-Checker“ sparen bares Geld

+
Bei der Übergabe des Umweltschutzpreises (von links): Heike Hollerbach (Leiterin Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz), Stromsparhelfer Stefan Kahler, CariJob-Leiterin Anette Bacher, CariJob-Mitarbeiterin Elif Tekelioglu, Stromsparhelfer Bilal Achouri, Bürgermeister Peter Schneider.

Offenbach - Der Fernsehbildschirm ist dunkel. Nur das kleine Standby-Licht leuchtet. Kaum einer macht sich dabei Gedanken um Stromverbrauch. Von Veronika Schade 

Das können doch höchstens Centbeträge sein, oder? „Zwischen zehn und 20 Euro verschlingt pro Jahr allein ein Fernseher im Standby-Betrieb“, weiß Stefan Kahler. Unnötig rausgeschmissenes Geld – erst recht für Menschen, die auf Hartz-IV oder Sozialhilfe angewiesen sind. Kahler selbst ist Langzeitarbeitsloser. In seinem Haushalt hat er bereits alle Stromfresser beseitigt. Und hilft anderen Beziehern, es ihm gleichzutun. Seit vier Jahren ist er als Stromsparhelfer für das Caritas-Projekt Stromspar-Check unterwegs. Mehr als 250 Beratungen absolvieren er und seine fünf Kollegen in Offenbach jährlich. Das Projekt gibt es bundesweit an 144 Standorten. „Voriges Jahr gab es insgesamt 130.000 Checks, dabei konnten fast 250.000 Tonnen CO2 eingespart werden“, erzählt er nicht ohne Stolz.

2009 hat die CariJob der Caritas gemeinsam mit der Mainarbeit und der EVO den Stromspar-Check nach Offenbach geholt. Seitdem besuchen die Stromsparhelfer, liebevoll als „Checker“ bezeichnet, fast täglich einkommensschwache Haushalte in Stadt und Kreis Offenbach. Sie sind selbst Hilfsempfänger, verdienen sich auf diese Weise ein Zubrot. „Sie haben dafür eigens über 100 Stunden Ausbildung absolviert und eine richtige Dienstleistermentalität entwickelt“, lobt Anette Bacher, Leiterin von CariJob. „Gute Voraussetzungen, um am ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.“ Den Menschen, die sie beraten, begegnen die Stromsparhelfer auf Augenhöhe. „Es ist ein Angebot von Beziehern für Bezieher, wir sitzen im selben Boot“, sagt Bilal Achouri, der seit einer Woche frisch im Team ist.

Die Arbeit macht ihm Freude. „Man trifft immer andere Menschen. Es ist schön, ihnen helfen zu können.“ Zwei Besuche stehen jeweils auf dem Programm. Beim ersten spüren die „Checker“ alle Energiefallen in der Wohnung auf und erstellen einen persönlichen Energiesparplan. Beim zweiten Besuch bringen sie gratis Energiespargeräte mit und bauen sie ein – etwa wassersparende Duschköpfe, Energiesparbirnen oder Steckerleisten mit Kippschalter. Diese sind die einfache Lösung für das Standby-Problem.

„Oft rufen die Leute an und bedanken sich bei uns, weil ihre Stromkosten tatsächlich runter gegangen sind“, berichtet CariJob-Mitarbeiterin Elif Tekelioglu. Hilfsempfänger müssen ihren Strom selbst bezahlen, Miet- und Heizkosten bekommen sie erstattet. Da sich nach dem Stromspar-Check oft auch die Heizkosten reduzieren, entlastet dies auch die Mainarbeit. Sie wirbt gemeinsam mit der Caritas für das Projekt. Bacher: „Wir legen Flyer aus, sprechen die Menschen auf das Angebot an. Wir haben ja dieselben Kunden.“ So profitieren alle Beteiligten – die Haushalte ebenso wie die „Checker“ und die Ämter. Vor allem auch die Umwelt. Deshalb wurde der Stromspar-Check der CariJob mit dem den Klima- und Umweltschutzpreis der Stadt Offenbach 2013 ausgezeichnet. „Das Projekt ist eine Win-Win-Situation“, lobt Bürgermeister Peter Schneider gestern bei der Übergabe des mit 1000 Euro dotierten Preises.

Licht aus! Vorher-Nachher-Fotos der "Earth Hour"

Licht aus! Vorher-Nachher-Fotos der "Earth Hour"

Die Stadt verleiht ihn seit dem Jahr 2010. Bewerben kann sich grundsätzlich jeder: Personen oder Gruppen, Arbeitsgemeinschaften, Institutionen (Schulen, Kindertagesstätten), Verbände, Vereine, Firmen oder Betriebe, die im Bereich des Umwelt- beziehungsweise Klimaschutzes in der Stadt Offenbach herausragendes Engagement bewiesen haben. Der Preisträger wird von der Kommission für Umweltschutz ermittelt. Sie setzt sich aus Mitgliedern von Umweltverbänden, Stadtverordneten und fachkundigen Bürgern zusammen. „Die Entscheidung ist mit großer Mehrheit gefallen“, berichtet Schneider. Weitere Infos unter www.stromspar-check.de sowie www.carijob.de.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare