Hilfe vom Land und vom RKI

Medizinstudenten sollen Gesundheitsamt während Corona-Pandemie unterstützen

Medizinstudenten sollen Gesundheitsämter während Corona unterstützen.
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Das Gesundheitsamt in Offenbach ist seit Beginn der Corona-Pandemie überfordert. (Symbolbild)

Seit Beginn der Corona-Pandemie ist ein Amt in jeder Kommune besonders gefordert: das Gesundheitsamt. Nicht anders in Offenbach, zumal die Stadt über Wochen den höchsten Wert an Neuinfektionen verzeichnete.

Offenbach - Immer wieder berichtete Amtsleiter Dr. Bernhard Bornhofen, dass seine Mitarbeiter am Rande der Belastungsgrenze arbeiteten – seit März wird an sieben Tagen in der Woche gearbeitet, denn vor allem bei der Betreuung der in Quarantäne überstellten Personen und bei der Rückverfolgung von deren Kontaktpersonen ist rasches Handeln gefragt.

Medizinstudenten in Offenbach als Hilfe für Gesundheitsämter

Das Land Hessen hatte als Reaktion auf die Pandemie-Lage eine Anordnung erlassen, dass die Gesundheitsämter mehr Personal einstellen müssen: pro 20 000 Einwohner muss mindestens ein Team von fünf Mitarbeitern zur Verfügung stehen, so die Regel. „Wir haben inzwischen 14 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt“, sagt Gesundheitsdezernentin Sabine Groß.

Als Offenbach am 21. August innerhalb von zwei Tagen die dritte und vierte Warnstufe des Corona-Eskalationskonzeptes des Landes überschritt, hat die Stadt das Land um Unterstützung gebeten: Noch an diesem Tag sagte Gesundheitsminister Kai Klose zu, dass zehn Medizinstudenten als Helfer dem Gesundheitsamt für die Telefon-Befragungen zugeteilt würden.

Das Land hatte schon einige Wochen zuvor einen Aufruf unter Medizinstudenten gestartet, sich als freiwillige Helfer zu engagieren. Inzwischen ist in Offenbach jedoch nicht mehr die Rede von zehn Medizinstudenten, sondern nur noch von acht - wobei lediglich zwei vom Land gestellt werden.

Die übrigen sechs sind sogenannte „Containment Scouts“, die das Robert-Koch-Institut (RKI) entsendet. Hinter dem sperrigen Begriff verstecken sich jedoch auch Studenten der Gesundheitswissenschaften, die vom RKI als Helfer für die Gesundheitsämter ausgebildet wurden. Von knapp 500 „mobilen Scouts“, die seit Ende Mai bundesweit im Einsatz sind, spricht das Institut. Sechs der Helfer werden nun nach Offenbach kommen. „Wir haben parallel zum Land auch beim RKI um Hilfe angefragt“, sagt Groß, „woher die Hilfe kommt, ob vom Land oder vom RKI, kann uns egal sein.“ Dass die „Containment Scouts“ nur in besonderen Corona-Krisengebieten im Einsatz sind, zeigt sich auch daran, dass einer der Helfer zuvor in Gütersloh tätig war.

Allerdings bleiben die vom RKI Entsandten jedoch nur relativ kurze Zeit, um die entstandenen Spitzen in den Ämtern abzuarbeiten – so werden die sechs Helfer lediglich drei Wochen in Offenbach einspringen.

Gesundheitsämter bekommen während Corona Hilfe von Medizinstudenten

Dass das Land nur noch zwei Personen stellt, gehe auf eine Bitte des Gesundheitsamtes zurück, betont Groß. „Da die Einweisung der Helfer sehr zeitaufwendig ist, bat Dr. Bornhofen darum, dass wir lediglich zwei zusätzliche geschickt bekommen.“ Es würde zu viel Arbeitskraft binden, mehrere Personen einzuweisen und anzulernen. Aufwand und Nutzen würden sonst in keinem Verhältnis stehen. Die beiden Studenten, die dem Aufruf des Landes gefolgt sind, sollen jedoch länger in der Stadt aushelfen, mindestens bis Ende September.

Bornhofen betont, dass man mit Studenten bereits zu Beginn der Pandemie gute Erfahrungen gemacht habe: Im März und April unterstützten zwei Medizinstudentinnen das Amt. „Anschließend begann ihre Prüfungsvorbereitung und dann standen sie uns verständlicherweise nicht mehr zur Verfügung“, sagt er.

Wie sehr die Arbeitsbelastung beim Gesundheitsamt in Sachen Telefonnachverfolgung gestiegen ist, verdeutlicht Bornhofen mit einer Zahl: Während im Frühjahr, als sich die Bürger weitgehend an die Beschränkungen hielten und somit ihre Kontakte reduzierten, ein Infizierter lediglich durchschnittlich drei Personen als mögliche Kontakte angab, sind es nun durchschnittlich 80. Eine große Personengruppe, die weitere Personen anstecken kann – für die Mitarbeiter, die die Infektionsketten nachverfolgen müssen, ist somit viel zu tun. (Von Frank Sommer)

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