Lebensmittelausgabe schließt die reguläre Verteilung

Tafel auf Notbetrieb: Coronavirus legt karitative Einrichtung lahm

Bereits im vergangenen Jahr musste die Tafel einen Notbetrieb einrichten, damals wegen eines Wasserschadens. 
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Bereits im vergangenen Jahr musste die Tafel einen Notbetrieb einrichten, damals wegen eines Wasserschadens. 

Das Corona-Virus legt das öffentliche Leben lahm – ebenso die karitativen Einrichtungen: Die Offenbacher Tafel bietet am heutigen Mittwoch (18.03.2020) bis auf weiteres letztmalig ihre Lebensmittelausgabe an.

  • Die Tafel in Offenbach stellt bis auf weiteres ihre Lebensmittelausgabe ein.
  • Grund dafür ist die Ausbreitung des Coronavirus.
  • Tafel-Chefin appelliert, in der Corona-Krise nicht die Schwächsten zu vergessen.

Offenbach - „Dieser Schritt ist uns alles andere als leicht gefallen“, sagt Tafel-Chefin Christine Sparr. Allerdings sei er nötig gewesen: Gut 80 Prozent der Ehrenamtlichen, die während der Woche in der Neusalzer Straße und der Krafftstraße Lebensmittel verteilen, sind Senioren, gehören also der sogenannten Risikogruppe für eine Corona-Infektion an. Auch ein Großteil der Tafelkunden sind Senioren. „Wir haben in den vergangenen Wochen zwar bei allen Ausgaben gesagt, dass die Leute bitte mehr Abstand halten sollten, aber das wurde in der Warteschlange nicht wirklich umgesetzt“, sagt Sparr. In die Ausgaberäume durften zuletzt die Kunden nur noch paarweise, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren.

Wegen Coronavirus: Tafel in Offenbach schließt bis auf weiteres die Lebensmittelausgabe

Dennoch haben sich die Tafel-Verantwortlichen nun zu dem drastischen Schritt entschlossen, gerade auch, um die Helfer zu schützen. Deren Engagement sei zwar vorbildlich, doch gerade dies berge Gefahren. Dass die Helfer ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen, um anderen zu helfen, könne man nicht verantworten, sagt Tafel-Sprecher Wolfgang Stoppel.

Dass diese Maßnahme die Schwächsten der Gesellschaft treffe, ist allen Beteiligten bewusst. Daher hat sich Tafel-Gründerin Sparr dazu entschlossen, einen Notdienst anzubieten, um wenigstens die härtesten Fälle abzumildern. „Eine jüngere Ehrenamtliche und ich werden mittwochs eine Notausgabe in der Neusalzer Straße anbieten“, sagt sie.

Hamsterkäufe wegen Coronavirus wirken sich auf Tafel in Offenbach aus

Zumindest solange, wie die Vorräte reichen – denn die Hamsterkäufe in den Geschäften wirken sich inzwischen auch auf die Tafelspenden aus. „Gerade die Grundlebensmittel fehlen in den Märkten, und die können uns dann wiederrum nichts spenden“, sagt sie. Gelangen sonst etwa 80 Vorratskisten pro Woche in das Tafel-Lager, so waren es nun lediglich 13.

Da außerdem nun auch die ehrenamtlichen Fahrer des Vereins wegfallen, können in der nächsten Zeit keine Märkte, Bäckereien oder Tankstellen angesteuert werden, um dort Nahrungsmittel abzuholen.

„Noch ist unser Lager recht gut gefüllt, aber das wird in zwei Wochen ganz anders aussehen“, sagt Sparr. Zumal gegen Monatsende erfahrungsgemäß mehr Menschen in Not geraten und um Hilfe bitten. Daher sei die Tafel mehr denn je auf Spenden angewiesen.

In der Corona-Krise die Schwächsten nicht vergessen: Tafel in Offenbach freut sich über Spenden

Das Tafel-Büro in der Neusalzer Straße wird täglich zwischen 9 und 13 Uhr besetzt sein, um Lebensmittelspenden von Privatleuten oder Firmen entgegenzunehmen. „Auch über Geldspenden freuen wir uns – diese Woche wurden uns etwa von einem Unternehmen 500 Euro gespendet, um durch Einkäufe im Großmarkt noch einmal unser Lager aufzustocken“, sagt sie. Auch das Engagement einer Schule erfreut die Ehrenamtlichen: Da diese für den Unterricht geschlossen ist, wurden alle Lebensmittel, die sonst in der Mensa verwendet worden wären, der Tafel gespendet.

Eindringlich appelliert Sparr an die Bürger, in der Corona-Krise nicht die Schwächsten zu vergessen. „Es gibt so viel Armut in Offenbach – diese Menschen sind auf unsere Hilfe angewiesen“, sagt sie und bittet um Spenden. Gerade für kranke Menschen oder Mitbürger in Notsituation möchte sie daher zumindest den Notbetrieb aufrechterhalten. Wie lange, dazu kann sie keine Angaben machen.

Von Frank Sommer

Viele gehen zur Tafel: Alte und bedürftige Menschen sind von den Folgen des Coronavirus Sars-CoV-2 besonders betroffen.

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