Große Spendenbereitschaft

Tafel stellt auf Notversorgung um

Tafel-Chefin Christine Sparr freut ich über jede Spende, kann aktuell aber nur einen Notbetrieb anbieten. 
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Tafel-Chefin Christine Sparr freut ich über jede Spende, kann aktuell aber nur einen Notbetrieb anbieten. 

Die Tafel in Offenbach muss wegen der Corona-Krise kürzer treten. Doch die Bedürftigen ganz allein lassen, das wollen die Helfer nicht.

  • Auch die Tafel in Offenbach spürt den Einfluss der Corona-Krise
  • Viele Ehrenamtliche gehören der Risikogruppe an
  • Deswegen gibt es nur noch einen Notbetrieb

Offenbach – Um die 800 Haushalte wurden bisher von der Tafel versorgt, mehrmals die Woche öffnete die Lebensmittelausgabe an zwei Orten im Stadtgebiet – dann kam die Coronakrise. Seit Mitte vergangener Woche gibt es keine reguläre Lebensmittelverteilung mehr. „Wir haben sehr viele Ehrenamtliche, die der Risikogruppe angehören und müssen diese schützen“, begründete Tafel-Leiterin Christine Sparr diesen Schritt.

Doch die Bedürftigen gänzlich allein lassen, das können und wollen die Tafel-Helfer nicht. Und so gibt es einmal in der Woche eine Ausgabe für Notfälle, etwa für ältere Menschen. Am Mittwoch öffnete die Notversorgung in der Neusalzer Straße erstmals, 54 Bedürftige wurden mit Lebensmitteln versorgt. „Das sind natürlich sehr viel weniger Kunden als bisher - ich bin mir sicher, dass mehr Leute kommen wollten, aber von der Angst zurückgehalten wurden“, sagt Sparr. Tafel-Helfer brachten zudem Lebensmittel für 18 Menschen in die Teestube der Diakonie in der Gerberstraße und für 20 ältere Menschen in den Bewohnertreff in der Hans-Böckler-Siedlung.

Tafel in Offenbach: Abstand halten wegen Corona

Zwei Meter Abstand sollten die Kunden während der Ausgabe in der Neusalzer Straße voneinander halten, auch die fünf Helfer achteten noch mehr auf Hygiene als sonst. „Es war schon schwierig auf dem vorhandenen Platz“, sagt die Tafel-Leiterin. Dank einer Materialspende der Caritas-Straßenambulanz konnten die Ehrenamtlichen mehrfach ihre Handschuhe wechseln und Hände wie Tische desinfizieren – angesichts der Gefahr einer Ansteckung eine dringend notwendige Vorsichtsmaßnahme.

„Die Erfahrung hat uns aber gezeigt, dass wir für die Notausgabe ein anderes System brauchen“, sagt Sparr. Daher muss, wer ab kommender Woche die Tafel besuchen will, sich zuerst einen Termin geben lassen. „Eine Ehrenamtliche vergibt am Telefon die Termine für die Ausgabe - damit sorgen wir dafür, dass die Leute besser verteilt zu uns kommen und die Gefahr einer Ansteckung weiter reduziert wird.“

Tafel in Offenbach: Hilfsbereitschaft in Corona-Krise groß

Unter 0176 40704615 wird für kommenden Mittwoch ein Termin vergeben, die Anmeldung ist zwingend erforderlich. Lebensmittelspenden können jedoch weiterhin ohne Termin unter der Woche mit Ausnahme des Mittwochs von 9 bis 13 Uhr in der Neusalzer Straße 77 abgegeben werden.

Und die Hilfsbereitschaft ist groß, wie sich in den vergangenen Tagen zeigte: Viele Bürger kamen und brachten Lebensmittel mit, damit diese an Bedürftige verteilt werden. „Wir haben so tolle Sachen bekommen, manches hatten wir noch nie zur Verteilung“, sagt Christine Sparr. Besonders großzügig zeigte sich der aus Offenbach stammende Obertshausener Immobilien-Unternehmer Tobias Männche: Er spendete Einkaufsgutscheine für Supermärkte im Wert von 5000 Euro. Die Gutscheine werden nicht nur bei der Ausgabe verteilt, die Tafel arbeitet auch eng mit dem Freiwilligenzentrum Offenbach zusammen. Für Menschen, die nicht mehr selbst einkaufen gehen können und sich auch finanziell den Einkauf nicht leisten können, wird auf die Gutscheine zurückgegriffen. „Ich bin unglaublich dankbar für diese Spende, damit können wir sicher zwei oder drei Monate Leuten helfen“, sagt Sparr.

VON FRANK SOMMER

Alle Infos zum Coronavirus in Offenbach, Hanau, Darmstadt und der Region gibt es in unserem News-Ticker.

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