Endlich wieder tanzen

Mit Kontakteinschränkungen und Abstand bereiten sich Tanzschulen auf Öffnung vor

Die Tanzlehrer Emanuel Austin und Larissa Bertsch unterrichten bald wieder, wenn auch einzeln. Foto: PRIVAT
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Die Tanzlehrer Emanuel Austin und Larissa Bertsch unterrichten bald wieder, wenn auch einzeln. 

Mit dem Tanz in den Mai startet für viele Tanzschulen üblicherweise die Sommersaison. Solche Veranstaltungen werden wohl auch noch in den nächsten Monaten vermutlich ausfallen. Doch für Tanzkurse darf seit dem vergangenen Samstag wieder geöffnet werden.

Offenbach – Die Verordnung kam allerdings so kurzfristig, dass die Kurse erst langsam wieder starten. Die kommende Woche mutiert so zu einer echten Probewoche.

In der Locomotion Tanzbühne lernen normalerweise um die 300 Kinder, sich zu Musik zu bewegen. Es ist aber auch eine Theaterschule mit einem eigenen Theater in den weitläufigen Räumlichkeiten. Bis zu fünf Aufführungen präsentieren die Theatergruppen pro Jahr, bis auf Weiteres fallen alle geplanten Veranstaltungen aus. Daran hat die neue Verordnung nichts geändert. Die Bühne sei nicht groß genug und unter Berücksichtigung der Abstandsregeln dürften gerade einmal sechs Zuschauer in dem Theater Platz nehmen, sagt Sandra Sedlaczek.

Trotz des vielseitigen Online-Programms, das die Inhaberin der Tanzbühne während der Schließung für ihre Kinder zusammengestellt hat, bekommt sie Kündigungen – etwa 50 im April. Sandra Sedlaczek beschreibt ihre Situation: „Die Eltern, die es sich leisten können, weiterhin den Beitrag zu zahlen, bleiben uns treu und ab nächster Woche wird es auch wieder Kurse geben. Wir freuen uns natürlich, wieder öffnen zu können. Wir sind alle auf Kinderentzug“, sagt sie und lacht. Trotzdem macht sie sich weiter Sorgen um die Zukunft, denn eine wirtschaftliche Entlastung ist die Wiedereröffnung nicht.

Die Kurse werden je nach Raumgröße, in dem sie stattfinden, verkleinert. In den größten Tanzsaal dürfen sechs bis acht Kinder. Zusammen gibt es drei Säle, in den die Tanzlehrer unterrichten. Die Lehrer verlassen die Räume nicht, um möglichst wenig Kontakt untereinander zu haben. Bei mehr Kursen werden mehr Lehrer benötigt, die bezahlt werden müssen. Zusätzlich muss eine Aufsichtsperson – wahrscheinlich Sandra Sedlaczek selbst – die Kinder einzeln vor der Tür abholen, zum Händewaschen und dann in den Tanzsaal führen und sie nach dem Kurs wieder zu ihren Eltern bringen. Denn die Eltern dürfen nicht in die Tanzschule. Das sei ein Fulltime-Job, sodass sie einen weiteren Tanzlehrer bezahlen muss, der Kurse leitet.

So wie vor der Corona-Pandemie werden die Kurse nicht sein. Die Kursinhalte werden angepasst. Die Tanzlehrer dürfen die Kinder nicht berühren, anstrengende Konditionsübungen sind gestrichen und Partnerübungen auch. Die Kinder haben einen abgeklebten Bereich, in dem sie sich nur allein aufhalten dürfen. Wenn sich herausstellen sollte, dass die Kinder sich nicht an den Abstand halten können, muss eventuell eine Altersgrenze für die Kurse eingeführt werden oder die Gruppen weiter verkleinert werden. „Es ist unser Ziel, dass alle, die wollen, wieder bei uns tanzen können. Aber wir müssen flexibel sein und in der nächsten Woche gucken, wie es funktioniert“, sagt die Tanzlehrerin.

Auch die Tanzschule Weiss bereitet sich auf die Wiedereröffnung vor. Hier wird hauptsächlich Paartanz unterrichtet. Wegen des Kontaktverbots dürfen daher ab dem 18. Mai nur Paare aus einer Hausgemeinschaft und Solotänzer zu den Kursen kommen. Danach sollen schrittweise wieder Kurse für Jugendliche und Kinder angeboten werden. „Wir sind positiv gestimmt, aber warten erst mal ab, wie unser Konzept in der Praxis funktioniert“, sagt die Besitzerin Larissa Bertsch.

Einen Normalzustand wird es auch hier noch länger nicht geben. Die Kursgrößen wurden reduziert und die Paare sollen einzeln eingelassen werden. Neue Kurse wird es nicht geben, keine Tanzpartys, keine Workshops. Heißt: keine neuen Kunden. Die bestehenden Kurse werden von einem Tanzlehrer ohne Partnerin geführt, der die Figuren sowohl aus der Perspektive des Führenden wie des Folgenden zeigen muss. „Es könnten nur mein Mann und ich zusammen einen Kurs geben, aber wir haben zeitgleich unterschiedliche Kurse“, bedauert Bertsch. Aber das Kontaktverbot gilt auch für die Tanzlehrer.

Auf einem Youtube-Kanal kann man sehen, wie die Tanzschule Paaren mit Lernvideos und Live-Kursen das Tanzen zu Hause ermöglichen: youtube.com/c/WLEof

VON THERESA RICKE

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