Händlerin möchte eigentlich gar nicht aufhören

Tee- und Kaffeehaus Nummer 15 macht dicht - wegen eines Schaufensters

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Im Tee- und Kaffeehaus Nummer 15 verkauft Regina Noe-Peters seit mehr als 15 Jahren Teemischungen. Ab dem 17. März ist damit Schluss.

Offenbach – Ein weiteres Traditionsgeschäft in Offenbach schließt: Regina Noe-Peters verkauft in ihrem Tee- und Kaffeehaus Nummer 15 am 16. März zum letzten Mal Teemischungen und Kaffeebohnen. Von Yvonne Fitzenberger 

Im Tee- und Kaffeehaus Nummer 15 im Kleinen Biergrund ist kaum Platz zum Umdrehen. Kunde neben Kundin steht vor dem Tresen und wählt die Lieblingsteesorte aus. „Ich muss mir einen Vorrat anlegen“, sagt eine ältere Dame, die seit Jahren dem inhabergeführten Geschäft die Treue hält. Die traurige Neuigkeit hat sich bereits herumgesprochen: Das gemütliche Lädchen an der Ecke zum Salzgässchen schließt am 16. März. „Damit gibt es in Offenbachs Innenstadt gar kein spezielles Teegeschäft mehr“, seufzt eine weitere Kundin und lässt ihren Blick betrübt über die Regale mit den Metalldosen schweifen. Für sie ist es kein Trost, dass wenigstens die Funktion als Paketannahme ans Stop-and-go-Café in der Hausnummer 17 über geht.

Teehändlerin Regina Noe-Peters möchte eigentlich gar nicht aufhören, das vermittelt sie auch ihren Stammkunden. Die Regale füllt sie weiter auf. „Und wir haben auch noch einmal Trüffel bestellt“, erzählt Noe-Peters einer Kundin. „Aber dann ist Schluss.“ Auslöser für den Abschied ist ein Umbau, den schon der frühere und nun auch der neue Hausbesitzer umsetzen wollten: Ein viertes Schaufenster auf der Hausseite Richtung Salzgässchen soll außen Schmierereien verhindern. Aber innen stehen genau an dieser Wand Essige, Öle und gegenüber die Kaffeebohnen. „Wenn die Mauer durch Glas ersetzt wird, müssen die Sachen woanders im Laden platziert werden“, erläutert die 50-Jährige. Dafür ist in dem kleinen Geschäft aber kein Platz.

Neues Café in Offenbach entsteht

Ein Ausweichen in den leer stehenden Schuh-Trost nebenan – ein weiteres geschlossenes Traditionsgeschäft – ist nicht drin. „Das Gebäude gehört dem gleichen Besitzer“, berichtet Noe-Peters. Nachdem klar war, dass die Teehändlerin den Laden schließen werde, beschloss laut ihren Angaben der neue Eigentümer, aus beiden Geschäften ein Café zu machen.

Ein Umzug in ein anderes Ladenlokal kommt für Noe-Peters aber nicht in Frage: „Ich müsste bei null anfangen.“ Die Stadt habe Alternativen angeboten. „Da wäre zu viel verloren gegangen“, sagt sie. Das Moderne der möglichen Verkaufsflächen passe nicht zu dem Krämerladen-Charme des jetzigen Interieurs, meint die zweifache Mutter. „Ich bräuchte eine komplett neue Einrichtung.“

Kräuter für den Tee wachsen draußen und drinnen

Konkurrenz in Frankfurt und im Internet

„Es gibt immer weniger Geschäfte hier“, sagt die 50-Jährige. Das fällt auch ihren Kunden auf. Die Konkurrenz in Frankfurt und im Internet sei stark. Die heranwachsende Generation kaufe anders ein, sei es gewohnt zuerst online nach Waren zu schauen. Noe-Peters aus der Erfahrung der Betreiberin einer Paketfiliale: Im Teehaus stapeln sich Sendungen, die auf Abholung warten. „In den vergangenen zwei bis drei Jahren sind das immer mehr geworden.“

Auch der Zusammenhalt sei nicht mehr toll. Am Biergrund-Straßenfest, das von der Interessensgemeinschaft unter anderem bestehend aus Noe-Peters und Café-Betreiber Osman Göverim organisiert wurde, habe zuletzt kaum noch ein Geschäftsinhaber Interesse gehabt. Der Einsatz fehle. „Auch das stirbt alles nach und nach.“ Regina Noe-Peters wird Mitte März endgültig mit dem Kapitel „Tee“ abschließen. Sie freut sich bereits auf ihre Arbeit in einem Offenbacher Büro: „Dank Freunden und Bekannten, die ich durch die Arbeit hier kenne, bin ich zu der Stelle bei einem Versicherungsunternehmen gekommen.“

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