Kaum Unterschiede zum Benziner

Testfahrt mit Elektrobus: Nur auf glatter Straße surrt’s

Sieht aus wie ein normaler Bus, fährt aber elektrisch. Auf der Linie 104 ist für drei Tage ein abgasfreies Fahrzeug der Firma Ebusco testweise unterwegs. Eine Probefahrt unternahmen auch Wolfgang Hackauf (Ebusco), Olaf Ortmann (OVB), Mobilitätsdezernentin Sabine Groß und OVB-Geschäftsführerin Anja Georgi.

Offenbach - Die Zeit rennt! Ende 2019 sollen die ersten sieben Elektrobusse auf Offenbachs Straßen unterwegs sein. Damit es wie geplant losgehen kann, gibt es seit gestern Testfahrten mit den E-Bussen. Von Steffen Müller 

Das Ergebnis: Die Fahrgäste haben die Umstellung kaum gemerkt, auch die Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) sind zufrieden. „Was, der fährt elektrisch?! Das fällt ja überhaupt nicht auf.“ Die Rentnerin kann kaum glauben, dass sie sich in einem E-Bus befindet, der seit gestern für drei Tage auf der Linie 104 eingesetzt wird. Zwar wird dieses Nichtbemerken bei E-Mobil-Experten, die von einem besonderen Fahrspaß sprechen, nicht gut ankommen, doch das ist nebensächlich. Denn das Fahrgefühl steht bei den Tests auf Offenbachs Straßen ohnehin nicht im Zentrum; schließlich geht es nicht darum, als Buspassagier durch die Straßen zu rasen.

1080 dieser Zellen bilden die Batterie des E-Busses von Ebusco, den Wolfgang Hackauf in Offenbach präsentierte.  

Mit der schrittweisen Umstellung von einer Diesel- auf eine E-Flotte wollen die OVB vielmehr erreichen, dass die Luft in Offenbach sauberer wird. Außerdem soll es durch die neuen Busse leiser in der Stadt werden. Und an diesem Punkt bemerkt man doch einen Unterschied im Vergleich zu den jetzigen OVB-Fahrzeugen. Denn wenn man an den Haltestellen genau hinhört, hört man – nichts. Die Elektrobusse fahren nahezu geräuschlos. Statt lautem Motorenknattern ist nur ein leises, monotones Surren zu vernehmen. Zumindest, wenn der Bus auf einer neuen oder frisch asphaltierten Straße unterwegs ist.

Denn auch ein Elektromotor verhindert nicht, dass es im Bus ordentlich wackelt und ruckelt, wenn er über die mit Schlaglöchern und Unebenheiten übersäten Offenbacher Straßen rollt. Sobald das E-Fahrzeug aber über eine ebene Fläche gleitet, etwa über die neue Kaiserleipromenade, wird der Unterschied zum Verbrennungsmotor auch im Fahrzeuginneren deutlich und es surrt angenehm ruhig.

Für die neue Mobilitätsdezernentin Sabine Groß (Grüne) ist diese Lautstärkereduzierung einer der großen Vorteile der Elektrofahrzeuge. „Ich habe früher direkt neben einer Haltestelle gewohnt und weiß daher aus Erfahrung, wie laut es sein kann, wenn ein normaler Bus an- und abfährt.“ Doch die geräuschlose Fortbewegung ist nicht der Hauptgrund für die Umstellung der Flotte auf E-Mobilität. „So können wir einen Beitrag zur Luftreinhaltung leisten“, sagt OVB-Geschäftsführerin Anja Georgi. Die Stadt müsse aktiv werden, damit die Luft sauberer werde und drohende Dieselfahrverbote wie in Frankfurt vermieden würden.

Seit 2011 arbeiten die OVB deshalb an einer Umrüstung. Wie berichtet, sollen bis 2023 36 Elektrobusse im Offenbacher Einsatz sein, das entspricht 45 Prozent der gesamten Flotte. Hinzu kommt, dass die OVB die Taktungen verkürzen, um mehr Fahrten anzubieten, und dadurch mehr Busse benötigt werden. „Der verstärkte Einsatz der Elektromobilität ermöglicht es uns, unser Angebot um ein Drittel auszubauen und dennoch in den nächsten Jahren den Schadstoffausstoß unserer Busflotte zu senken“, erläutert Georgi.

Frankfurt plant Einführung von Elektrobussen: Bilder

Die Stadt Frankfurt plant die Einführung von Elektrobussen ab Dezember 2018.

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Mit dem dreitägigen Test sollen nun weitere Erfahrungen mit Elektrobussen direkt in der Praxis gesammelt werden. Diesmal im Einsatz ist ein Fahrzeug des niederländischen Unternehmens Ebusco. Dabei müssen die Busse nicht nur aufgrund der Reichweite getestet werden, sondern auch wegen technischer Unterschiede. Beispielsweise öffnen die Türen des Ebusco-Fahrzeugs im Gegensatz zu den derzeitigen Dieselmodellen nach außen statt nach innen. Mit Erleichterung stellt OVB-Betriebsleiter Olaf Ortmann fest, dass auch dieses System funktioniert und die Türen beim Öffnen an den Haltestellen nicht an den Bürgersteigen hängen bleiben.

Kaum erwarten können die Umstellung auf den E-Antrieb die Busfahrer, die den Unterschied zum Benziner im Gegensatz zu den Fahrgästen deutlich merken. „Er ist viel ruhiger zu fahren. Das spüre ich besonders beim Anfahren“, strahlt Adnan Brnicanin, der gestern auf der Linie 104 am Lenker sitzt.

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