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Hip-Hop-Zentrum Kaiserlei: Rap-Größen gehen ein und aus

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Nils Karrer verhilft den Musikern zu ihrem individuellen Sound. Fotos: mei
Nils Karrer verhilft den Musikern zu ihrem individuellen Sound. © mei

Offenbach – Rapmusik erfreut sich bundesweit ungebrochener Beliebtheit. Was nur wenige wissen: Unweit vom Kaiserlei-Kreisel, in einem Hinterhof an der Strahlenbergerstraße, verbirgt sich ein kleines Tonstudio, das gerade dabei ist, sich in der deutschen Hip-Hop-Szene einen großen Namen zu machen. Nils Karrer, der Inhaber von „FRS Audio“, hat bereits am jüngsten Album von Rapgröße Haftbefehl mitgearbeitet, in seiner Gesangskabine nehmen Szene-Bekanntheiten wie Azad oder D-Flame ihren Sprechgesang auf.  Von Marian Meidel

„Wir sind ein reines Recording- und Mixingstudio“, so Karrer. Das bedeutet, dass Karrer die Musik nicht selbst komponiert oder produziert, sondern ausschließlich aufzeichnet und abmischt, ihr den finalen Klang verpasst. Sein Spezialgebiet: Gesangs- und Sprachaufnahmen. Eigentlich will der 35-Jährige sich dabei nicht auf eine Musikrichtung festlegen. „Wobei wir schon zu 90 Prozent im Rapmarkt drin sind.“

Dass er und sein kreativer Mitstreiter Matthias Müller ihre Sache sehr gut machen, hat sich in der Szene inzwischen so weit herumgesprochen, dass bereits größere Frankfurter Studios, wenn sie ausgebucht sind, junge Rapper an die Kollegen von FRS Audio verweisen. Dabei hatte Karrer bislang nicht nur Nachwuchsmusiker in seiner Gesangskabine zu Gast, sondern auch internationale Größen.

Von außen nicht zu ahnen: In diesem Bau sind zahlreiche Kreativbüros ansässig, auch das Studio „FRS Audio“.
Von außen nicht zu ahnen: In diesem Bau sind zahlreiche Kreativbüros ansässig, auch das Studio „FRS Audio“. © mei

„Einer der beeindruckendsten Künstler, die ich hier hatte, war letztes Jahr Anderson .Paak aus Los Angeles“, berichtet der Tonmann. „Er hat bereits Bruno Mars auf dessen Europa-Tournee begleitet und suchte hier in der Gegend ein Studio.“ Nach seinem Auftritt in Frankfurt kam der amerikanische R&B-Sänger mit Bassist und eigenem Tontechniker in Karrers Studio vorbei und nahm dort in einer Nacht zwei neue Songs auf. „Eigentlich wollte ich alles nur so weit einstellen, dass sein Tontechniker übernehmen kann.“ Anderson.Paak zeigte sich von Karrers Fähigkeiten aber so angetan, dass er ihn selbst alles mischen ließ. „Leider sind die Songs nicht auf dem Album gelandet, das hätte mich gefreut.“ Vor allem, da es aktuell für einen „Grammy“ – also den Oscar der US-amerikanischen Musikindustrie – nominiert ist. Allüren oder Pöbeleien kennt der Hip-Hop-Macher von den Klienten nicht – nicht einmal von den fiesesten Gangster-Rappern. „Hier ist einfach Arbeit. Konzentration statt Herumalbern.“

Aus seinen zahllosen Aufnahme-Sessions hat er vor allem eins gelernt: „Je bekannter der Künstler, umso professioneller.“ Show-Gehabe bleibt vor der Tür. „Hier wird fokussiert gearbeitet.“

Vor knapp sechs Jahren, im Mai 2013, gründete Nils Karrer FRS Audio zusammen mit seinem Geschäftspartner Günther Schill. „Durch Zufall hatten wir gesehen, dass die Räume zur Miete inseriert waren. Also haben wir alles auf eine Karte gesetzt.“ Für Karrer, der damals an der SAE („School of Audio Engineering“) in Frankfurt Tontechnik studierte, war es ein gewagter Schritt. „Wir mussten viel Geld investieren, um Geräte und Equipment zu kaufen“, berichtet er.

Das Wagnis war zudem ein doppeltes: Da Karrer ursprünglich aus Freiburg stammt und eigentlich nur zum Studieren ins Rhein-Main-Gebiet gezogen war, kannte er hier zunächst kaum Künstler, denen er seine Dienste anbieten konnte. „Aber Kontakte und Weiterempfehlungen sind in diesem Business das Wichtigste“, so Karrer. Die Folge: Unermüdliches Klinkenputzen. Über Flugblätter, Werbung in sozialen Mediennetzwerken und daraus resultierenden Weiterempfehlungen gelang es ihm schließlich, sich den Ruf zu erarbeiten, den er heute genießt.

Seine Wünsche für die Zukunft sind bescheiden. „Klar hätte ich gerne auch eine goldene Platte“, räumt Karrer ein. Aber hauptsächlich möchte er einen größeren Studio-Raum, damit er auch ganze Bands aufzeichnen kann.

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