Personalmangel in Gaststätten

Traditionslokal Speyereck in Offenbach schließt nach 34 Jahren: Verband schlägt Alarm

+
Ute und Klaus Ott schließen nach 34 Jahren das Speyereck in Offenbach. Zum Abschied haben ihnen Stammgäste ein ganz persönliches T-Shirt gestaltet.

Das Traditionslokal Speyereck nahe des Mainufers in Offenbach schließt. Die vergangenen 34 Jahre standen Ute und Klaus Ott hinter der Theke und in der Küche.

Offenbach –  Wer offenen Auges durch die Stadt Offenbach geht, findet überall noch Spuren ehemaliger Gastronomiebetriebe: Meist sind es Gründerzeitgebäude in Ecklage mit einem kleinen Vorgarten, der einst der Außenbewirtschaftung diente. Rund um die Waldstraße oder das Nordend sind einige solcher ehemaliger Gebäude zu finden, die alten Namen der Lokale sind hingegen oft längst vergessen.

Schon nächsten Dienstag (29.10.2019) gesellt sich ein weiteres Lokal hinzu: Das Speyereck nahe des Mainufers schließt. Um die Jahrhundertwende als „Restauration Bauer“ gegründet, trägt es seit Jahrzehnten den Namen Speyereck, seit nahezu 54 Jahren ist es in Familienbesitz. Die vergangenen 34 Jahre standen Ute und Klaus Ott hinter der Theke und in der Küche. „Im nächsten Mai hätten wir den 35. Jahrestag, dazu kommt’s nun nicht mehr“, sagt Ute Ott.

Offenbach: Speyereck nicht das einzige Traditionslokal mit Problemen

Das Speyereck ist längst nicht das einzige Traditionslokal in Offenbach, das schließt oder händeringend Nachfolger sucht. Nach Informationen der Offenbach-Post werden mehrere langjährige und bekannte Gastronomen im kommenden Jahr schließen, wie beispielsweise die Stars Lounge im alten Schlachthof. Allerdings: öffentlich sagen kaum keiner. Den Stammgästen der jeweiligen Lokale ist das Vorhaben bekannt, doch über diesen Kreis hinaus möchte man die Nachricht nicht verbreitet wissen. „Dann kommt am Ende keiner mehr“, sagt einer der betroffenen Wirte.

Eine Furcht, die Ute Ott nicht teilt. „Seit bekannt wurde, dass wir schließen, sind wir komplett ausgebucht.“ Die Entscheidung, aufzuhören, ist der Personalsituation geschuldet. „Wir finden seit Monaten keine Bedienungen oder Hilfsköche. In der Gastronomie möchte keiner mehr arbeiten“, sagt Klaus Ott.

Speyereck in Offenbach: Personalmangel in der Gastronomie

Eine Einschätzung, die auch andere Gastronomen teilen, mit ihren Erfahrungen aber nicht namentlich zitiert werden möchten. „Kellnern wird als zu stressig bezeichnet, andere möchten auf gar keinen Fall abends arbeiten“, ist da zu hören. „Wenn sich Köche auf Annoncen meldeten, wollten die am liebsten nur mittags für eine Kantine arbeiten, um abends freizuhaben“, sagt Klaus Ott.

Der Personalmangel führt häufig zu Schließungen, sagt Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Hessen. „Wir haben da massive Probleme“, gibt er unumwunden zu. Schlechtes Image, ungünstige Arbeitszeiten und die geringe Bezahlung würden immer wieder als Grund dafür angeführt.

Offenbach: Gastronomie mit Forderung nach einer Senkung der Mehrwertsteuer

„Gerade auf dem Land führt das zu Schließungen“, sagt Wagner, „aber natürlich sind die Städte auch davon betroffen.“ Allein durch die momentane Landflucht sei der Abwärtstrend in Großstädten noch nicht so ausgeprägt wie auf dem Land. Die Zahlen, die Wagner nennt, sind alarmierend: Gab es 2009 noch 3300 Gasthäuser und gut-bürgerliche Lokale mit deutscher Küche, sind es aktuell nur noch rund 1400 Betriebe. „Das ist ein gewaltiger Aderlass“, sagt er.

Der Verband möchte aktuell mit einer Initiative gegensteuern, die eine Senkung der Mehrwertsteuer für Gaststätten von 19 auf sieben Prozent fordert. „Damit bliebe mehr Geld für eine bessere Bezahlung übrig“, sagt Wagner.

Offenbach: Betreiber vom Speyereck fordern Veränderung in der Gastronomie

„Es muss sich dringend etwas ändern in der Gastronomie“, sagt Klaus Ott. An Image und Bezahlung müsse gearbeitet werden, um Nachwuchs zu finden. Im Speyereck sei der Betrieb zuletzt nur noch durch die Hilfe von Freunden aufrecht zu erhalten gewesen. „Die Weihnachtssaison würden wir so nicht mehr schaffen“, sagt Klaus Ott, „ich bin jetzt 58 und möchte gern noch meinen 60. Geburtstag erleben.“

Dass Gastronomie ein Knochenjob ist, bestreiten die Otts nicht. „Es ist ein harter Job, da gibt es nichts schön zu reden. Aber man lernt auch viele Leute kennen und es entstehen Freundschaften“, sagen sie. Gern denken sie zurück an die Zeit, als die Mitarbeiter des Musicals „Tommy“ allabendlich nach der Vorstellung das Speyereck aufsuchten. Oder an die „Chicken Dragons“, die Drachenbootmannschaft, die sich in ihrem Lokal gründete.

Offenbach: Gaststätte Speyereck wird verpachtet

Leer wird das Speyereck jedoch nicht stehen. Den Otts gehört das Haus, sie werden die Gaststätte an einen vietnamesischen Gastronomen aus Berlin verpachten. Ursprünglich wollten sie, da es in Offenbach kaum noch Gaststätten mit deutscher Küche gibt, an einen Gastronomen mit dieser Ausrichtung verpachten. „Wir haben über ein Jahr gesucht und niemanden gefunden, der uns überzeugt hat“, sagt Klaus Ott.

Nur ein professioneller Gastronom sollte es sein, darauf legen beide Wert. Der vietnamesische Pächter überzeugte die Otts. „Er nimmt Geld in die Hand und hat ein Konzept, das Hand und Fuß hat.“

VON FRANK SOMMER

Währenddessen gab es eine Großrazzia des Zolls im Baugewerbe, ein Schwerpunkt der Kontrollen lag dabei im Landkreis Offenbach.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare