Verschiedene Wand-Varianten

Transparenter Schallschutz gegen Bahn-Lärm

An der Bahnbrücke Waldstraße ist statt Lärmschutzwand passiver Schallschutz für die Anwohner geplant. Foto: yfi
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Am Hauptbahnhof sind transparente, zwei Meter hohe Wände vorgesehen, welche die Sicht auf die Stadt erhalten.

Offenbach – In Sachen Lärmschutz entlang der Bahn hat die Stadt ihre Hausaufgaben gemacht. Eine Arbeitsgruppe beim Stadtplanungsamt hat detailliert festgelegt, welcher Schallschutz zwischen der westlichen Gemarkungsgrenze über den Hauptbahnhof bis hin zu Offenbach-Ost umgesetzt werden sollte.

In diese Vorgaben seien auch die Wünsche und Hinweise der Anwohner eingeflossen, betont Marion Rüber-Steins, Referatskoordinatorin für Stadtentwicklung und Städtebau. Um den Wünschen der Anwohner nachzukommen, aber auch um der unterschiedlichen Umgebung der Bahnstrecke Rechnung zu tragen, wurde die Bahnstrecke in unterschiedliche Abschnitte unterteilt. „Es gibt Teilstrecken, an denen es denkmalgeschützte Bereiche wie die Viaduktbögen am Anlagenring oder denkmalgeschützte Gebäude wie den Hauptbahnhof gibt“, erläutert Rüber-Steins.

Das ist vorgesehen: Im westlichsten Teil der Bahnstrecke – von der Gemarkungsgrenze bis etwa zum Dreieichring – soll eine drei Meter hohe Lärmschutzwand installiert werden. Ab dem Anlagenring bis zur Bahnbrücke an der Waldstraße sind dagegen zwei Meter hohe Wände mit transparenten Elementen vorgesehen. Damit bleiben zum Beispiel im Bereich des Anlagenringes die Sichtachsen bestehen, dennoch wird der Lärmschutz für die Leibnizschule gewährleistet.

An der Bahnbrücke Waldstraße ist statt Lärmschutzwand passiver Schallschutz für die Anwohner geplant.

Am Hauptbahnhof sollen transparente Module den Reisenden die Sicht auf den Eingang zur Stadt erhalten, die Höhe von zwei Metern wiederum ist mit dem Denkmalschutz vereinbar. An der Bahnbrücke Waldstraße ist keine Lärmschutzwand geplant. Zum einen soll die stadtbildprägende Sichtachse bewahrt bleiben, zum anderen ist die Lärmbelastung durch den Straßenverkehr dort sehr hoch. Aus Sicht der Stadtplaner ist dort ein passiver Lärmschutz sinnvoller. Mit Schallschutzfenstern, deren Kosten zu 75 Prozent von der Deutschen Bahn gefördert werden, können die Anwohner dort künftig sowohl den Bahn- als auch den Straßenlärm reduzieren.

Östlich der Waldstraße sollen wieder drei Meter hohe Wände die Anwohner schützen. Um Sichtachsen zu erhalten, aber auch, um die städtebauliche Trennwirkung des Bahndamms zu reduzieren, haben die Stadtplaner in den Abschnitten Tempelsee-/Karlstraße, Bach-/ Kurze Straße sowie im östlichsten Teil der Strecke (Bieberer Straße) nur zwei Meter hohe Wände mit transparenten Modulen vorgesehen.

So könnte es in Offenbach aussehen. Das Foto zeigt eine Lärmschutzwand in Kuchen, Baden-Württemberg.

In einer Bürgerveranstaltung hatten Bahn und Stadt im vergangenen Jahr über Lärmschutzmöglichkeiten informiert und deren Anliegen erfragt. „Natürlich gab es auch widersprüchliche Aussagen“, sagt Marion Rüber-Steins. „Einige Bürger wollen zum Beispiel keine Lärmschutzwände, weil sie ihnen die Sicht versperren oder sie befürchten, dass sie die Umgebung verdunkeln.“ Bei der Veranstaltung im vergangenen November, an der rund 80 Offenbacher teilnahmen, ging es auch darum, Kompromisse zu finden. Wichtig war den Bürgern auch, dass das Grün des Bahndamms so weit wie möglich erhalten bleibt und der Vogelschlag bei transparenten Wänden vermieden wird. „Das ist möglich, indem transparente Module mit perforierten Rillen angebracht werden“, erklärt der Projektleiter Christian Homburg vom Stadtplanungsamt.

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Der vom Stadtplanungsamt erstellte Maßnahmenkatalog fließt jetzt in die Planungen der Deutschen Bahn ein, die das Planfeststellungsverfahren vorbereitet. Da der Bund die Bahnstrecke von Frankfurt nach Hanau in das Lärmschutzprogramm aufgenommen hat, übernimmt er beziehungsweise die Bahn auch die bislang noch nicht feststehenden Kosten für den Schallschutz. Unklar ist laut Rüber-Steins, ob auch die Kosten für die vorgesehenen transparenten Elemente in Gänze übernommen werden. Möglicherweise müsse die Stadt einen Teil davon selbst finanzieren.

„Das Planfeststellungsverfahren wird etwa zwei Jahre dauern“, schätzt Stadtplaner Homburg. „Die Bahn prüft in dieser Zeit, wie die Vorgaben umgesetzt werden können - in Bezug auf Gestaltung und Statik, aber auch in Bezug auf die Verträglichkeit mit dem Tier- und Naturschutz sowie dem Denkmalschutz“, ergänzt Rüber-Steins. Sobald die vertieften Planungen fertig seien, würden sie erneut der Öffentlichkeit vorgelegt. Bürger, Verbände, aber auch Kommunikations- und Energieversorger können dann ihre Belange einbringen. „Bei günstigen Verlauf kann die bauliche Umsetzung des Lärmschutz Ende 2021 starten“, so Homburg (mad)

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