Immer bürgernah

Offenbach trauert um Alt-Oberbürgermeister Walter Buckpesch

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Walter Buckpesch wurde 93 Jahre alt.

Offenbach - Die Trauer zeigt sich an der Reaktion in allen politischen Lagern: Walter Buckpesch, Oberbürgermeister der Jahre 1974 bis 1980, ist verstorben. Von Lothar R. Braun 

Sein Leben endete in einem Offenbacher Seniorenheim, das er vor einigen Monaten pflegebedürftig mit Ehefrau Lilo bezogen hat. Der Blick auf sein Leben erfasst ein bemerkenswertes Stück Geschichte. Es gab Irritationen, als die Offenbacher SPD den Schuldezernenten Walter Buckpesch zum OB-Kandidaten kürte. Von Anfang an amtierte der jeweilige Oberbürgermeister auch als Präsident der Messegesellschaft. Das würde nun also dieser Buckpesch werden: der Sohn eines profilierten Führers der Gewerkschaft Leder. Auch der Sohn galt als Exponent des linken Flügels der SPD. Die Offenbach-Post analysierte sein Wirken unter der Schlagzeile „Wie links ist dieser Buckpesch?“. Eilends beschlossen die Messe-Gesellschafter, ihre Spitzenposition vom Amt des Oberbürgermeisters zu lösen. Sie wählten einen Präsidenten aus ihren Reihen. Buckpesch ertrug es gelassen. „Ich kann die Leute verstehen,“ sagte er. „Es liegt an meinem Namen.“

Buckpesch entstammte dem kargen Milieu einer sozialistisch geprägten Familie, die vom Hakenkreuz-Regime nie aus dem Auge gelassen wurde. In der man um den von der Gestapo verhafteten Vater bangte, während der Sohn das verhasste Regime als Soldat verteidigen musste. Den Krieg und US-Gefangenschaft überstand der junge Maschinenschlosser unversehrt. Als Heimkehrer näherte er sich den Kommunisten. Als er sie kennengelernt hatte, verließ er sie wieder und schloss sich den Sozialdemokraten an.

Bei Collet & Engelhard in Offenbach hatte er gelernt. Darauf baut er nach dem Krieg die Ausbildung zum Berufsschullehrer auf. Doch schon bald ruft ihn seine Partei in die kommunale Politik. 1956 wird er Stadtverordneter, 1961 hauptamtliches Magistratsmitglied. Zunächst das Ordnungsamt, dann der Sport und die Schulen werden seine wichtigsten Felder. Viele Schulbauten aus den Jahren einer stürmischen Stadtentwicklung entstehen in der Amtszeit des Dezernenten Buckpesch. Als Sportdezernent regt er das Sportfestival an, mit dem Offenbacher Bürger regelmäßig die Sieger des Jahres ehrten. Das Sportzentrum Rosenhöhe gilt als eines seiner Denkmäler.

1974 wird er Oberbürgermeister. 1977 hat er das Vergnügen, das Jubiläum „1000 Jahre Offenbach“ zu gestalten, und abermals bindet er die Bürger ein in die Organisation. Immer treibt ihn das Bestreben, Bürgersinn zu wecken und zu fördern. Aber 1977 wechseln auch die Mehrheitsverhältnisse. Für Oberbürgermeister gibt es noch nicht die Volkswahl, und im Stadtparlament haben die Sozialdemokraten die Mehrheit verloren. Dass Buckpesch wiedergewählt wird, ist auszuschließen. Es findet nicht immer die Billigung der eigenen Leute, dass er darauf als Demokrat reagiert und die Kommenden in das Geschäft einbezieht. Für seine Persönlichkeit mag es bezeichnend sein, dass sein Nachfolger Dr. Walter Suermann von der CDU später ein enger Freund wird.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Der Umgang mit Demokraten anderer Färbung hat Walter Buckpesch nie Probleme bereitet. Zu seinen Tugenden gehörte es, Andersdenkenden nicht nur zuzuhören, sondern ihre Argumente auch zu wägen. Für kurze Zeit konnte er das auch in der nationalen Politik erproben. Von 1983 bis 1987 gehörte er dem Bundestag an. Das Parlament machte ihn zum Sprecher für Fragen der Binnenschifffahrt. Es entsprach seinen Neigungen. Buckpesch hat jahrelang deutsche und internationale Gewässer mit einem Motorboot befahren.

Den Bürgersinn, für den er in seinen Ämtern stets geworben hat, pflegte Buckpesch auch als Ruheständler. Mit Freund Suermann stellte er sich dem EOSC zur Verfügung, als der in Bedrängnis geraten war. Er gehört zu den Gründern der Sportstiftung, engagierte sich für die HfG und gegen den Fluglärm. In der Naturfreunde-Bewegung wird sein Name mit Respekt genannt.

In Erinnerung ist er als ein ungewöhnlich populärer Oberbürgermeister. Seine Freunde schätzten ihn als einen, der sich stets um Verständnis bemühte, auch vor dem Unverständlichen. „Buckpesch verzeiht zu viel,“ meinten Kritiker. Das verdiene vielleicht Sympathie, schwäche jedoch in politischen Machtkämpfen. Da hat er in der Tat nicht oft obsiegt. Vielleicht hat er das einfühlende Verstehen verinnerlicht, als er in den frühen 1960ern in der Funktion des Offenbacher Schiedsmannes mit dem Menschlich-Allzumenschlichen befasst war. Wie auch immer, es schmerzt, diesen Freund verloren zu haben. Offenbach hat durch diesen Tod etwas verloren.

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