Mit Bewährungsstrafe davongekommen

Tunesischer Drogendealer darf hierbleiben

Offenbach - Ein abgelehnter Asylbeweber aus Tunesien, der als Straftäter verurteilt wird und trotzdem nicht abgeschoben werden kann – in einem Prozess vorm Amtsgericht bündelte sich so ziemlich alles, was derzeit in der Bundespolitik für Zündstoff sorgt.

Der 27-Jährige Angeklagte, der sich vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck verantworten musste, ging den Offenbacher Drogenfahndern im Februar 2015 ins Netz. Sie wollten am Mainufer eine Gruppe von vier Nordafrikanern kontrollieren. Wobei der Angeklagte zunächst flüchtete – und dabei ein Päckchen mit 90 Gramm Haschisch wegwarf. Die Beamten stellten den 27-Jährigen in einem Hinterhof, wo er sich widerstandslos festnehmen ließ. Den Zivilfahndern sagte er, er habe nichts weggeworfen. Er sei nur weggelaufen, weil er gedacht habe, die Polizei wolle ihn nach Tunesien zurückbringen. In der Hauptverhandlung vor Richter Beck räumte der Mann dann aber ein, das Haschisch besessen zu haben. Es gehöre jedoch einem anderen aus der Gruppe, der abgetaucht sei.

Der Angeklagte hatte in einem Ferienclub als Animateur gearbeitet, wo er eine in Deutschland lebende Italienerin kennen und lieben lernte, die ihn zunächst nach Deutschland einlud und später heiratete. Die Ehe hielt nur wenige Monate, ein Asylantrag, den der Angeklagte daraufhin stellte, wurde abgelehnt. Dennoch wurde er bislang nicht abgeschoben. Warum dies so ist, war vor Gericht nicht zu klären. Möglicherweise verweigere Tunesien die Rücknahme, oder es komme nicht zur Abschiebung, weil der 27-Jährige mit seiner Ex-Frau ein Kind habe, so Beck.

Unter anderem weil der Angeklagte bei seiner Festnahme zwei Handys und eine Teppichmesserklinge bei sich hatte, ging das Gericht davon aus, dass er Dealer ist. Typisch für deren Arbeitsweise seien ein „Arbeitshandy“ und eins für Privatgespräche. Kleine Messer würden benötigt, um für Kunden die Droge zu portionieren. Erschwerend ins Gewicht fiel, dass der Angeklagte wegen Körperverletzung vorbestraft ist. Am Ende schien es dem Gericht unglaubwürdig, dass er als Vorbestrafter mit unsicherem Aufenthaltsstatus bereit war, einem Freund durch das Ansichnehmen der Drogen einen Gefallen zu tun. Das Schöffengericht verurteilte den Mann deshalb zu 14 Monaten auf Bewährung. Er muss sich regelmäßig bei seinem Bewährungshelfer melden und hat 80 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten. 

mad

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion