Aktionstag sensibilisiert

Umweltproblem Zigarettenstummel: 7000 Kippen nur am Kulturgleis

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Umweltproblem Zigarettenstummel: Aktionstag in Offenbach sensibilisiert

7000 Kippen gesammelt, 35.000 Liter Wasser gerettet. Das ist die Bilanz des Kippen-Sammelwettbewerbs in Offenbach.

Offenbach – Der Offenbacher Verein Stadtmenschen hatte am Aktionstag „Wohin mit der Kippe?“ dazu aufgerufen. Mit Handschuhen und kleinen Papiertüten ausgestattet entfernten etwa 30 Wettstreiter rund um den Waggon am Kulturgleis so viele Zigarettenstummel wie möglich vom Boden und der Wiese. Jeder Teilnehmer hatte fünf Minuten Zeit – genug für die Erstplatzierte Boriana, die mit 261 Kippenstummeln gewann und sich über zwei Dinnergutscheine im Lokal Heimathafen und zwei Tickets für das Hafenkino freute. Auch die witeren Plätze lockten mit attraktiven Preisen von am Mainufer ansässigen Gastronomen und Betrieben.

Die Handschuhe jedoch hatten ihren Sinn, schließlich werden beim Rauchvorgang 2000 Giftstoffe freigesetzt und verbleiben danach in der Kippe. Liegt diese am Mainufer, werden die Gifte durch Regen in den Fluss und ins Grundwasser gespült, der Zigarettenfilter zersetzt sich irgendwann zu Plastik. Eine Kippe kann so 40 Liter Wasser verunreinigen. Deshalb übergaben die fleißigen Sammler den Problemabfall an Mario Merella von Tobacycle n.e.V., der einen Infostand rund um die Kippe betreute. „Achtzig Prozent der jährlich weltweit anfallenden 4 300 Milliarden Zigarettenkippen landen in der Umwelt, 20 Prozent im Restmüll“, so Merella. Doch auch im Restmüll seien sie eigentlich nicht richtig...

"Sammelsystem für Zigarettenkippen entwickelt"

„Deshalb haben wir ein Sammelsystem für Zigarettenkippen entwickelt, das den Abfall einer rückstandlosen stofflichen Verwertung zuführt“, erklärte Merella. Heißt: Zigarettenstummel werden separat gesammelt, Tobacycle recycelt sie vollständig. Im Spritzgussverfahren verwandeln kunststoffverarbeitende Unternehmen Altplastik aus Meeres-Strand-Land Clean-Ups, Kunststoffe aus dem gelben Sack und fünf Prozent Kippen als Füllstoff in Taschen-Aschenbecher und Sammeleimer. Das Verfahren entferne daher die komplette Kippe mit allen Giftstoffen aus der Umwelt. „Natürlich ist das aufwendig und kostspielig, aber es löst das Problem“, so Merella.

Die recycelten Sammelbehälter werden gegen Pfand an Privatpersonen und Unternehmen ausgegeben, um weiteren Kippenmüll zu separieren. Solange die Zigarettenreste in solchen luftdichte Behältern aufbewahrt werden, lassen sie sich auch problemlos lagern. Raucher will Merella übrigens nicht an den Pranger stellen – er ist selbst Tabakkonsument und setzt vielmehr auf Sensibilisierung für das Umweltproblem. „Das ist kein Problem rund um den Kirchturm, sondern ein globales“, betont er, und hofft, dass sich sein Konzept weiterverbreitet und regional nachgemacht wird.

Abstimmen statt Wegwerfen: Der von Frankfurter entworfene „Meinungsfilter“ soll Raucher am Mainufer in Zukunft zum umweltgerechten Entsorgen ihrer Kippen animieren.

Wer seine Kippe nicht bei Merella abgab, konnte sie im „Meinungsfilter“ entsorgen. Der kleine orange Kasten wurde am Sonntag installiert und eingeweiht. Direkt am Mainufer, vor der Dammunterführung am Waggon, kann man nun per Kippe abstimmen: Senf oder Ketchup? Die austauschbaren Fragen sollen die Raucher am Mainufer in Zukunft zum umweltgerechten Entsorgen ihrer Kippen animieren. Studenten der Goethe-Uni hatten den Kasten entworfen und von einem Kronberger Metallbauer herstellen lassen. Wegen der hohen Produktionskosten von etwa 500 Euro hatten die Stadtmenschen den Meinungsfilter mit Unterstützung der Kampagne Besser leben in Offenbach gekauft, in Zukunft sind aber auch Mietkonzepte geplant.

Projekt in Offenbach dringend erforderlich

Der Aktionstag sensibilisierte viele Passanten, sicher mehr als 100 Menschen hätten sie angesprochen, schätzt Organisatorin Meike Weber von Stadtmenschen. Ina Beyer und Dirk Hutschreuther verschenkten selbstgebastelte Upcycling-Taschenaschenbecher an die Spaziergänger zwischen Backschaft und Bembelboot. „Es war eine rundum erfolgreiche Aktion, die richtig Spaß gemacht hat“, findet Weber. „Alle Passanten waren begeistert und fanden das Projekt dringend erforderlich. Mache wussten schon Bescheid, aber sehr viele Menschen waren überrascht“. Wenn es mit der sprachlichen Verständigung nicht so funktionierte, erklärte Weber mit Pantomimen. „Das hat meistens geklappt“, meint sie augenzwinkernd. „Sonst haben wir einfach um die Leute herum gesammelt und dann haben sie von allein mitgemacht.“

Für den Meinungsfilter sammelte ihre Vereinskollegin Lisa Wagner weitere Fragen: Schulti oder Rosenhöhe? Eintracht oder Kickers? Das sollen die Raucher am Mainufer in Zukunft mit ihrer Kippe entscheiden, anstatt sie achtlos wegzuwerfen.

Infos im Internet: tobacycle.de

VON ANNA KIRSCHNER

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