Zeugin Strafgeld aufgebrummt

Untreue-Prozess gegen Verwalter von Bahn-Immobilien

Offenbach - In die zweite Runde ging der Prozess um einen Immobilienverwalter, der 900 Wohnungen des Bundeseisenbahnvermögens (BEV) treuhänderisch verwaltete.  Von Veronika Schade 

Unter anderem durch fingierte Rechnungen soll er der Behörde erheblichen Schaden zugefügt haben. Allein 100.000 Euro sollen an eine angebliche Ex-Prostituierte geflossen sein.

Doch ausgerechnet diese wichtige Zeugin erscheint gestern nicht zur Verhandlung vor dem Amtsgericht. Die Berlinerin hat dafür im Vorfeld gesundheitliche Gründe angegeben. Da aber bis zum Ende des Verhandlungstags kein Attest kommt, verhängt Richter Manfred Beck ein Ordnungsgeld von 400 Euro gegen sie.

Dafür sagen vier weitere Mitarbeiter des BEV sowie die ermittelnde Polizeibeamtin und der Insolvenzverwalter als Gutachter aus. Der Angeklagte vertritt nach wie vor die Position, nicht genügend Mittel zur Verfügung gestellt bekommen zu haben für Betriebskosten und Dienstleistungen, weshalb er in Vorleistung habe gehen müssen. Mit zwölf Euro im Monat pro Wohnung sei die Verwaltung nicht zu stemmen gewesen.

Ende 2011 hat die Consultingfirma des 46-Jährigen ihren Betrieb eingestellt. Das BEV hatte den Vertrag fristlos gekündigt, nachdem die „Unplausibilitäten“ in den Rechnungen überhand genommen und die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen aufgenommen hatte. „Die Verwaltung der BEV-Wohnungen machte 98 Prozent des Firmenumsatzes aus“, erklärt der Gutachter.

Beim Insolvenzverfahren habe er festgestellt, dass viele der von der Firma des Angeklagten gestellten Rechnungen vom BEV nicht bezahlt worden seien. „Es handelt sich meist um kleine Beträge, 70 Euro für Dachrinnenreinigungen und ähnliches. In der Summe ergeben sie fast 155.000 Euro.“ Das sei aber wenig im Vergleich zu den offenen Forderungen das BEV. „Diese liegen bei etwa 1,4 Millionen Euro.“

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Der Nachweis darüber, ob die Leistungen einzelner Rechnungen wirklich erbracht wurden, sei dem Angeklagten nicht immer zweifelsfrei gelungen, obwohl er sich kooperativ gezeigt habe. Offen geblieben sei die Rolle der besagten Dame. „Briefe hat sie nicht beantwortet“, sagt der Insolvenzverwalter. Die Polizistin kann dazu ebenfalls nichts sagen. „Die Kollegen in Berlin haben sie vernommen“, verweist sie auf die Akte.

Die Rolle von Schönheitsreparaturen im Treuhandvertrag lässt schließlich Emotionen beim Angeklagten hochkochen: Er bezichtigt einen BEV-Mitarbeiter der Lüge. Der Prozess wird am 11. Februar fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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