Kritik

Eltern sehen Gehweg an Schule als Gefahrenzone: Stadt nimmt Stellung

Was dem Fußgänger-Komfort dienen soll, bereitet Eichendorff-Eltern Sorge
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Was dem Fußgänger-Komfort dienen soll, bereitet Eichendorff-Eltern Sorge

Die Verkehrssituation an einer Grundschule in Offenbach treibt Eltern die Sorgenfalten auf die Stirn. Die Stadt lässt die Kritik aber kalt.

Offenbach - Eigentlich findet Henry die Eichendorffschule ganz gut. Bis auf die Hausaufgaben, da war’s im Kindergarten angenehmer. Seit vergangenem Sommer besucht der Sechsjährige die erste Klasse. Von der Schule an sich ist auch sein Vater Jürgen Heinki begeistert. Trotzdem gibt es da eine Sache, die ihm von Anfang an Unbehagen bereitet: der Schulweg.

Denn den empfindet er als so gar nicht sicher. „Das ist auch der Grund, warum wir unseren Sohn noch immer nicht alleine zur Schule laufen lassen“, sagt er. Gemeinsam mit anderen Familien haben sich die Heinkis zu einer Laufgruppe zusammengeschlossen, abwechselnd begleiten die Eltern die sechs Grundschulkinder jeden Tag auf dem Weg zur Eichendorffschule: durch die Fußgängerzone in der Innenstadt, vorbei am KOMM-Einkaufscenter durch die Kleine Marktstraße, über Geleits- und Groß-Hasenbach-Straße bis zur Grundschule an der Bleichstraße. „Wenn wir ein besseres Gefühl hätten, dann würde Henry sicher schon alleine gehen“, betont der besorgte Vater. Er zeigt an Ort und Stelle, worum es ihm geht.

Offenbach: Eltern sehen Gehwege an Eichendorffschule als Gefahr

Zwei Stellen, gleiches Problem: die Gehwege. Denn genau die sind es, die es den Kindern in den Augen der Eltern erschweren, die Groß-Hasenbach-Straße, dort wo sie auf Geleits- und Bleichstraße trifft, sicher zu überqueren. Denn an beiden Punkten verläuft der Bürgersteig durchgehend, keine bauliche oder farbliche Unterscheidung weist an den Einmündungen zur Groß-Hasenbach-Straße darauf hin, dass dort auf Autos zu achten ist. Auch eine Beschilderung gibt es nicht, weder für Verkehr noch für Fußgänger.

Einen sicheren Schulweg für Sohn Henry und dessen Schulkameraden wünscht sich Jürgen Heinki. Darum hat er bereits auf eigene Kosten ein Banner drucken lassen, das nun am Zaun der Grundschule hängt. Abgesehen davon hofft der Vater aber auf Unterstützung der Stadt.

All denen, die einmal eine Fahrschule besucht haben, sollte zwar dennoch klar sein, was hier Phase ist: nämlich, dass Fußgänger Vorrang haben. Für Jürgen Heinki ist die Verkehrssituation trotzdem ein rotes Tuch. Dadurch, dass er regelmäßig mit den Kindern ebendiese kritische Stelle passiert, weiß er, dass bei weitem nicht alle Autofahrer diese Regel beachten. „Die rasen hier teilweise durch“, sagt er. Es sei reines Glück, dass es dort noch nicht zu schlimmen Unfällen mit Kindern gekommen sei. Der sechsjährige Henry bestätigt die Sorgen seines Vaters: „Man sieht ja gar keinen Unterschied und weiß nicht, dass auch Autos kommen.“

Offenbach: Stadt sieht an Eichendorffschule keinen Anlass für Veränderung der Verkehrssituation

Bei der Verkehrssicherheitswoche, die kürzlich in Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt an den Offenbacher Grundschulen stattfand, bestätigten laut Jürgen Heinki auch die Mitarbeiter der Stadtpolizei, dass beide beschriebenen Stellen tatsächlich zur Gefahr werden könnten. Daraufhin ließ Heinki auf eigene Kosten ein Banner drucken, das nun am Zaun hängt, der den Schulhof einrahmt. Ein zweites hat er in Auftrag gegeben. Es ist ein Versuch des Vaters, bei den Autofahrern um mehr Rücksicht auf die Grundschüler zu werben. Aber eigentlich wünscht er sich Unterstützung vonseiten der Stadt, wenn schon nicht durch entsprechende bauliche Anpassungen, dann doch wenigstens durch eine Beschilderung, die auf die Situation aufmerksam macht.

Bei der Stadt allerdings sieht man dazu keinerlei Anlass. Die städtische Verkehrsplanung erläutert auf Anfrage: „Bei den beiden besagten Stellen handelt es sich um Gehwegüberfahrten, wie sie auch bei Grundstückszu- oder -ausfahrten zu finden sind.“ Sie sollen es Fußgängern ermöglichen, sich durchgängig auf einem Niveau zu bewegen. Heißt: „Hier müssen also nicht die Kinder die Groß-Hasenbach-Straße überqueren, sondern der fahrende Verkehr kreuzt den straßenbegleitenden Gehweg der Geleitsstraße und Bleichstraße.“ Autos seien also wartepflichtig.

Einen sicheren Schulweg für Sohn Henry und dessen Schulkameraden wünscht sich Jürgen Heinki. Darum hat er bereits auf eigene Kosten ein Banner drucken lassen, das nun am Zaun der Grundschule hängt. Abgesehen davon hofft der Vater aber auf Unterstützung der Stadt.

Eichendorffschule in Offenbach: Stadtplaner argumentieren mit geringem Verkehrsaufkommen

Einräumen müssen die Verkehrsplaner allerdings: Tatsächlich sei es untypisch, dass es sich bei den genannten Gehwegüberfahrten um den Anschluss einer öffentlichen Straße handele, im Regelfall fände sich diese Situation vor allem an Grundstückszufahrten. Handlungsbedarf sieht man dennoch nicht, immerhin ist laut Stadtverwaltung das Verkehrsaufkommen auf der Groß-Hasenbach-Straße recht gering und durchaus vergleichbar mit stark frequentierten Grundstückszufahrten, etwa auf Supermarktparkplätze.

Beschilderungen und Markierungen, auf die Jürgen Heinki und andere Eltern zur Sicherheit ihrer Kinder hoffen, wird es darum wohl kaum geben. „Eine Kennzeichnung von Gehwegüberfahrten sieht der Gesetzgeber aufgrund der oben genannten allgemeinen Rechtslage jedoch nicht vor und ist daher auch in diesem Fall nicht möglich“, heißt es dazu so nüchtern wie lapidar aus dem Rathaus. Die Sorge der Eltern nimmt man dort offenkundig nicht allzu ernst. Immerhin, auch das betont die Abteilung Verkehrsplanung, gebe es bislang keine Informationen von Polizei oder anderen Stellen, dass es sich „tatsächlich um gefährliche Örtlichkeiten oder gar um konkrete Unfallpunkte handeln würde“.

Jürgen Heinki und den übrigen Eltern der Eichendorffschule bleibt nun also zu hoffen, dass möglicherweise die neuen Banner Wirkung zeigen, damit das auch künftig so bleibt. (Lena Jochum)

Auch um die Maskenpflicht an Schulen in Offenbach wegen der Corona-Pandemie gab es Ärger.

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