Vorstoß

Offenbach: Bürgermeister will Verkehr in Frankfurter Straße und am Wilhelmsplatz einschränken

Offenbach: Bürgermeister will Verkehr in Frankfurter Straße einschränken
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Ordnungsdezernent Peter Freier will das rege Befahren der Fußgängerzone nicht mehr dulden. Auch am Wilhelmsplatz (links) kann er sich bauliche Maßnahmen vorstellen. 

Um den Verkehr in der Fußgängerzone und am Wilhelmsplatz in Offenbach zu minimieren, möchte Bürgermeister Peter Freier (CDU) zukünftig auf E-Poller setzen.

Offenbach – Die zentrale Einkaufsmeile der Stadt muss einen Ruf verlieren – den der vielleicht am stärksten motorisiert befahrenen Fußgängerzone der Republik. Der Kfz-Verkehr in der östlichen Frankfurter Straße ist ganztätig rege. Paketboten und Geldtransporteure, die beschränkte Anlieferungszeiten ignorieren, begegnen Pkw-Lenkern, die im autofreien Abschnitt nur mal schnell was zu erledigen haben.

Unsere Zeitung hat den fast anarchistischen Zustand häufig beschrieben. Bürgermeister Peter Freier (CDU) würde dem Störverkehr gern massive Riegel vorschieben. Buchstäblich: Offenbachs Ordnungsdezernent kann sich vorstellen, an der Zufahrt der Frankfurter von der Kaiserstraße her chipgesteuerte Elektro-Poller installieren zu lassen. „Was dort abgeht, ist der Aufenthaltsqualität der Innenstadt nicht zuträglich“, sagt Freier.

Offenbach: Bürgermeister möchte Verkehr in Frankfurter Straße und am Wilhelmsplatz minimieren

Nur bis 10 Uhr dürften Pakete und Sonstiges direkt vor die Türen der Geschäfte gefahren werden (Offenbachs Problem: Es ist kaum eine Anlieferung von rückwärtigen Straßen her möglich.) Daran hält sich aber nicht jeder, der zu spät kommt. Die Stadtpolizei und auch die wieder städtischen Verkehrsüberwacher des Ordnungsamts sollen darauf ein scharfes Auge haben und Verstöße ahnden. Wie Freier berichtet, werden Sondergenehmigungen nur noch ganz restriktiv erteilt, etliche bestehende sind bereits wieder eingezogen: „Da erreichen mich ganz herzerweichende Briefe.“

Ordnungsamtschef Peter Weigand hatte in der Vergangenheit eine Zwickmühle beschrieben: Da die einst staatliche Post beziehungsweise deren Tochter DHL die Fußgängerzone unbeschränkt befahren durfte, war das anderen konkurrierenden Kurierdiensten kaum zu verwehren. Aber da ist nicht nur der gewerbliche Verkehr, der den Fußgängern – und mittlerweile auch Radlern – ihren Raum streitig macht. Nicht alle der Pkw, die in der Frankfurter Straße unterwegs sind, haben legale Parkplätze in Hinterhöfen zum Ziel. 

Offenbach: Bürgermeister möchte Zugangsbeschränkungen, um den Verkehr zu minimieren

Der Bürgermeister zählt auf, wen er alles schon auf vier Rädern angetroffen und angesprochen hat: den Mann, der seine Frau direkt zum Arzt fahren musste, die Dame mit einer Sendung fürs Postamt auf dem Aliceplatz, den Frankfurter, der nur mal kurz was beim ADAC auf dem Stadthof zu erledigen hatte. „Den hab’ ich gefragt, ob er bei sich daheim auch mal kurz auf dem Römerberg parkt“, erzählt Freier.

Um den Verkehr in der Fußgängerzone und am Wilhelmsplatz in Offenbach zu minimieren, möchte Bürgermeister Peter Freier zukünftig auf E-Poller setzen.

Doch mit bürgermeisterlicher oder stadtpolizeilicher Ansprache allein wird es nicht getan sein, selbst Verwarnungen dürften das grundsätzliche Probleme nicht lösen. Deshalb will Peter Freier auf die handfeste Zugangsregelung setzen. Versenkbare Absperrpoller bewähren sich schon seit langem in vielen europäischen Städten; in Offenbach verhindern neuerdings welche, dass die Besucherwege – wie es ein Friedhofsgärtner beklagte – mit Autos voll sind wie die A3.

Sollte der Bürgermeister die anderen örtlichen Entscheidungsträger mit seinem Vorstoß überzeugen, würde künftig ein Chipsystem die Einfahrt zur Fußgängerzone regeln. Ausgestattet mit programmierten Sendern wären etwa Anwohner und Mieter von festen Stellplätzen und regelmäßige Anlieferer wie Paket- und Kurierdienste – letztgenannte aber nur zu den erlaubten Zeiten. Nicht autorisierter Verkehr bliebe somit draußen.

Offenbach: Verkehr in Frankfurter Straße und am Wilhelmsplatz - Bürgermeister hat Zeitpunkt für Maßnahme im Auge

Peter Freier kündigt Gespräche auch mit dem Einzelhandel und dem Gewerbeverein Treffpunkt an. Einen günstigen Zeitpunkt für eine Installation von E-Pollern hat der Bürgermeister schon im Auge: Wenn die beiden Großbaustellen in der Frankfurter Straße – „Rathaus-Plaza“ und Woolworth – erledigt sind, muss in der City einiges wieder hergerichtet werden.

Denkbar, dass elektrisch absenkbare und steuerbare Pfosten nicht nur an der Fußgängerzone Verwendung finden. Freier kann auch der Idee etwas abgewinnen, die längsseitigen Straßen am Wilhelmsplatz temporär abzuriegeln. Zumindest an Markttagen und bei abendlichem Außengastronomie-Betrieb könnte so lästiges Umrunden unterbunden werden. Er befürworte das, sagt Freier, allerdings müsse ein solcher „grundlegender Wechsel“ noch intern politisch besprochen werden.

Von Thomas Kirstein

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