Rechnung korrigiert

Verkehrsbetriebe wehren sich gegen Kritik an Kosten für E-Busse

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In den Fahrzeughallen der OVB in der Hebestraße sind umfangreich Umbauten erforderlich.

Zu hohe Kosten, zu wenig über Alternativen nachgedacht, falsch kalkuliert – die Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) mussten sich in jüngster Vergangenheit jede Menge Kritik bezüglich ihres Kurses bei der Elektromobilität anhören.

Offenbach – Für OVB-Sprecher Jörg Muthorst werden in der Diskussion nicht immer die Fakten berücksichtigt.

Das fängt für ihn bei den Kosten an: „Die geplante Elektrifizierung von 36 der insgesamt 87 OVB-Busse samt Aufbau der Ladeinfrastruktur kostet keine 40 Millionen Euro, wie leider immer wieder fälschlich berichtet wird“, so Muthorst. Zwar seien nach der jüngsten Kostenschätzung 39,27 Millionen Euro bis 2022 vorgesehen. Doch das sei die Investition in die gesamte Mobilität. Schließlich müssten ja auch ohne Elektrifizierung Ausgaben für Fahrzeugbeschaffung oder Instandhaltungen des Betriebshofes getätigt werden.

Muthorst rechnet vor: Von den 39,27 Millionen Euro seien abzuziehen: 13,23 Millionen Euro Fördergeld, das sich aus zwölf Millionen bewilligten Mittel und etwa 1,2 Millionen Euro „Mehrmittel-Anmeldung“, also erhoffter Förderung zusammensetze; 9,1 Millionen Euro wären beim Verzicht auf die Stromer in die Anschaffung von Dieselbusse geflossen, 2,06 Millionen Euro verschlinge – unabhängig von der Anschaffung der E-Busse – die Instandhaltung des OVB-Betriebshofs und 2,64 Millionen Euro die des Betriebshofs in der Daimlerstraße, wo aus Platzgründen ebenfalls Busse stehen würden. „Damit verbleiben als unser Eigenanteil bei den Investitionen in die Elektrifizierung der Busflotte 12,22 Millionen Euro“, rechnet der OVB-Sprecher vor.

Offenbach: Passen die neuen Busse durch den Bieberer Schlupf?

Die Anschaffung der Ladeinfrastruktur für das Betriebsgelände und die beiden Wendeschleifen An den Eichen und im Kaiserlei kostet laut Muthorst zusammen 2,3 Millionen Euro, abzüglich der Förderung. Der Bau der externen Ladestationen erfolge weniger aus „Sicherheitsgründen“ als aus Kostengründen. Die OVB benötigten dank der Zwischenladung an den Außenstandorten weniger Fahrzeuge und Personal gegenüber einer reinen Nachtladung im Depot. „Bieter, die versicherten, die Linien-Umläufe ohne Zwischenladung ihrer Fahrzeuge zu schaffen, waren bereits in der ersten Phase des Verfahrens ausgeschieden, weil sie bestimmte Anforderungen nicht erfüllen konnten“, berichtet Muthorst.

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Unklar ist seinen Angaben zufolge noch, ob die neuen Busse durch den Bieberer Schlupf passen. Durch die Bahnüberführung werde vorerst nicht mit Elektrobussen gefahren. Ob die ersten sieben E-Busse des Herstellers Solaris hindurch passen, werde man testen. Muthorst: „Sichere Erkenntnisse dazu wird es erst geben, wenn die Fahrzeuge mit einem Ladestrom-Abnehmer auf dem Dach ausgestattet sind.“

Offenbach: Irritationen um Ausschreibung

Die Irritationen um die mittlerweile abgeschlossene Ausschreibung erklärt der OVB-Sprecher damit, dass aufgrund des Fehlers eines Bieters, der während des Verfahrens die Rechtsform gewechselt hatte, das Verfahren aufgehoben und einen Schritt zurückgesetzt werden musste. Die notwendige Wiederaufnahme sei nicht mit einer inhaltlichen Änderung der Ausschreibung verbunden gewesen. „Die Gründe für die Zurücksetzung durften wir während des laufenden Verfahrens nicht kommunizieren“, sagt Muthorst.

VON MATTHIAS DAHMER

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