Knöllchen sind sprudelnde Einnahmequelle

Offenbach bei Verwarnungen ganz vorn

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Viele Städte haben erkannt, dass sich mit Strafzetteln gut Geld verdienen lässt.

Offenbach - 450 Millionen Euro an Verwarnungs- und Bußgeldern haben 116 deutsche Großstädte 2011 eingenommen. „Bei den reinen Verwarnungsgeldern - ohne Bußgeldbescheide - liegt Offenbach mit 45 Euro pro Kfz bundesweit an der Spitze, wie das Internetportal „Preisvergleich.de“ errechnet hat. Von Peter Schulte-Holtey

Nur unwesentlich „günstiger“ sei Gießen mit 44 Euro. Fulda findet sich mit 35 Euro je zugelassenem Vehikel auf Platz drei. Korrekte Autofahrer oder besonders kulante Politessen scheine es hingegen in Augsburg (14 Euro/Kfz), Essen (14 Euro/Kfz) und Neumünster (sechs Euro/Kfz) zu geben, heißt es.

In Ingolstadt geringste Sorgen

Während einige Kommunen ungeachtet von Parkraum oder Verkehrsaufkommen so richtig ungeniert hinlangen, bleiben andere Städte und Gemeinden geradezu bescheiden. Am konsequentesten geahndet werden demnach Verkehrssünden wie Falschparken oder Geschwindigkeitsübertretungen in Ulm. Pro zugelassenem Kfz verteilten Polizei und Politessen Knöllchen im Gegenwert von 65 Euro. Knapp dahinter folgen mit 63 Euro Schwerin und Bielefeld. Auch Köln, Aachen, Tübingen, Mannheim, Stuttgart, Leipzig und Duisburg kassieren mit Beträgen zwischen 41 Euro und 61 Euro deutlich mehr als die deutsche Durchschnitts-Kommune. Bundesweit gesehen fallen pro Jahr 26 Euro Verwarn- und Bußgelder pro Auto an. Die geringsten Sorgen vor Strafzettel müssen sich übrigens Autofahrer in Ingolstadt machen - pro Auto fallen dort im Jahr nur sechs Euro an.

  • Ulm 65 Euro
  • Schwerin 63 Euro
  • Bielefeld 63 Euro
  • Köln 61 Euro
  • Aachen 53 Euro
  • Tübingen 52 Euro
  • Mannheim 51 Euro
  • Stuttgart 49 Euro
  • Leipzig 47 Euro
  • Duisburg 41 Euro
  • Erlangen 32 Euro
  • Ingolstadt 6 Euro

Die Untersuchung bestätigt auch die alte Regel: Verkehrssünder sind eine Gefahr auf der Straße - und ein Segen für den Stadtsäckel. So haben zahlreiche Städte in Deutschland Bußgelder als sprudelnde Einnahmequelle in Zeiten knapper Kassen entdeckt. Die Stadt Chemnitz steigerte ihre „Erträge“ aus Verkehrssünden um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,6 Millionen Euro. Auch Mainz und Nürnberg haben Steigerungsraten von rund 40 Prozent. Die höchsten Einnahmen haben aber die Millionenstädte. Köln und Hamburg etwa kassieren rund 30 Millionen Euro pro Jahr.

Beispiele aus dem Rhein-Main-Gebiet: So nimmt Offenbach bei Verkehrsverstößen (bis 35 Euro) jedes Jahr etwa 2,4 Millionen Euro ein; die Stadt Dreieich kann jährlich mit rund 400.000 Euro Verwarnungs- und Bußgeldern im Straßenverkehr rechnen. Die Stadt Langen nahm 2011 aus der Verkehrsüberwachung knapp 220.000 Euro ein. Erster Stadtrat Klaus-Dieter Schneider warnte aber vor voreiligen Schlüssen: „Die Einnahmen decken noch nicht einmal die Personal- und Wartungskosten.“ Laut „Preisvergleich.de“ waren von den 116 befragten Kommunen nur 48 bereit, über die Einnahmen aus Verwarnungen und Bußgeldern Rede und Antwort zu stehen. 68 verweigerten die Auskunft oder verfügen angeblich über keine Statistiken. Für diese Städtegruppe hat die Studie die Einnahmen statistisch hochgerechnet.

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