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Parkplatz-Not in Offenbach: Bei der Verkehrswende verschätzt?

Kaiserlei-Promenade in Offenbach: Viele Autos und zu wenig Stellplätze. 
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Kaiserlei-Promenade in Offenbach: Viele Autos und zu wenig Stellplätze. 

In Offenbach fehlt es an Parkplätzen. Es sind mehr Autos denn je unterwegs. Eine 2013 getroffene Entscheidung könnte als Fehler erweisen. 

Offenbach –  Die Zahlen sind zwiespältig: Bei nahezu 140. 000 Einwohnern sind in Offenbach rund 56. 000 PKW angemeldet (Stand 1. Januar 2019). Inklusive Krafträdern und Nutzfahrzeugen kommt man auf etwa 64 .000 Kraftfahrzeuge. 

Zugleich ist Offenbach mit 4,4 Wagen pro zehn Einwohner nach Gießen (4,2) die Stadt mit der geringsten Auto-Dichte in Hessen. Erstmals seit Jahren ist diese Zahl leicht zurückgegangen. Das liegt aber nur daran, dass Offenbachs Bevölkerung etwas schneller gewachsen als der Pkw-Bestand. In absoluten Zahlen drängen sich auf den Straßen der Stadt mehr Autos als je zuvor.

Überlegungen, wie das Problem und die damit verbundene Parkplatznot in den Griff zu bekommen ist, gibt es viele: Sie reichen von neuen – und teuren – Mobilitätskonzepten über den Bau von Quartiersparkhäusern bis hin zu Feinjustierungen bei der Stellplatzsatzung.

Parkplatznot in Offenbach: So will die Stadt die Stellplatz-Problematik lösen

Letztere wird nun gemäß eines Beschlusses des Stadtparlaments bis Ende 2020 einer Überprüfung unterzogen, ein Jahr früher als zunächst vorgesehen. Bei Einführung der Satzung 2013 war man noch optimistisch davon ausgegangen, dass sich die Verkehrswende bald im Straßenbild bemerkbar macht und der Bürger dank neuer Mobilitätsangebote auf seinen eigenen fahrbahren Untersatz mehr und mehr verzichtet. Deshalb – und als Anreiz für Bauherrn – wurden in der Satzung Sonderzonen definiert.

Es handelt sich um Gebiete, die im Einzugsbereich von Bahn- und S-Bahn-Haltestellen liegen sowie verkehrlich hoch belastet und städtebaulich bedeutsam sind. In diesen Sonderzonen (Kaiserlei, Hafen, erweiterte Innenstadt, Bieber) gilt ein anderer Stellplatzschlüssel, dort müssen von Investoren weniger Flächen nachgewiesen werden.

Parkplätze in Offenbach: Ist die Satzung von 2013 noch aktuell? 

Die der 2013er-Satzung zugrunde liegenden Annahmen müssten an der Realität gemessen werden, findet der SPD-Stadtverordnete Holger Hinkel. Angesichts des Bevölkerungswachstums gelte es, Tempo zu machen bei der Evaluierung. Möglicherweise müsse man bei der Regelung, wonach in einigen Bereichen ein geringerer Stellplatzschlüssel gilt, nachjustieren.

Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß weist darauf hin, der Grundgedanke der Reduzierung habe sich 2013 darauf bezogen, dass entlang des innerstädtischen S-Bahn-Strangs große Wohnbauprojekte wie das Goethequartier, die Kappus-Höfe oder Vitopia (ehemaliges KWU-Areal) entstünden. Weil diese Vorhaben aber noch nicht fertiggestellt seien, könne man auch noch nicht abschließend sagen, ob die Bewohner dort tatsächlich vom Auto auf die Bahn umsteigen.

Der Stadtrat rät zugleich, das Thema nicht überzubewerten. Verkehrs- und Parkprobleme sollte man nicht allein auf die Stellplatzsatzung kaprizieren. „Der öffentliche Raum bleibt eng, eine einfache Antwort wird es nicht geben“, so Weiß.

VON MATTHIAS DAHMER

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