Legionellen im Trinkwasser

Unterschätzte Belastung

Offenbach - Werden in einem Mietshaus Legionellen entdeckt, wird’s für den Eigentümer stressig. Das Gesundheitsamt lässt beim Maßnahmenkatalog nicht mit sich reden. Von Matthias Dahmer 

Der Grund für Aufregung und Ärger bei Walter K. ist mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen: Legionellen – winzige Bakterien, die sich in den Warmwasseranlagen von Mietshäusern tummeln und im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein können.

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K., der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist Vermieter zweier Häuser mit insgesamt zehn Wohnungen in Offenbach. Bei der gesetzlich vorgeschriebenen und von ihm selbst zu veranlassenden Überprüfung seiner beiden Objekte wurden vor kurzem an jeweils einer von vier Entnahmestellen die zulässigen Grenzwerte überschritten. Und Walter K. trifft mit voller Wucht eine Bürokratie, in der für Einzelfallenscheidungen kein Platz ist. Sicher: Auch K. weiß um die die Gefahr durch Legionellen, will sich vor der Verantwortung, also der mit Kosten verbundenen Beseitigung der Bakterien, nicht drücken.

Was ihn indes wurmt, ist der Ton, der ihm im städtischen Gesundheitsamt entgegenschlug. Seine Bitte um schrittweises Vorgehen sei dort schlicht abgebügelt worden. „In dem einen Fall wurden die Grenzwerte überschritten, weil der Mieter zweieinhalb Monate nicht in seiner Wohnung war, dort also kein Wasser durch die Leitungen floss. Im anderen Fall handelte es sich um eine defekte Zirkulationspumpe“, beschreibt K. die Situation.

Mit dem gründlichen Durchspülen der Leitungen in der fraglichen Wohnung beziehungsweise dem Auswechseln der Pumpe, wie K. es als erste Maßnahmen vorschlägt, ist es für das Gesundheitsamt nicht getan. „Wir müssen klären, ob es sich nur um eine punktuelle oder um eine systemische Kontamination handelt. Dazu muss eine weitergehende Untersuchung erfolgen, die Messergebnisse nicht nur an einigen Stellen, sondern an allen Leitungssträngen und sensiblen Teilen der Technikanlagen erbringt“, erläutert die Behörde auf Anfrage.

„Viele gehen zu leichtfertig mit der Gefahr um“

Theoretisch könne nach intensivem Spülen und Desinfektion die Belastung beseitigt sein. Dies sei in der Praxis aber häufig nicht oder nur vorübergehend der Fall – eine Verkeimung trete später oft wieder auf. Letzlich sei es Sache des Inhabers der Liegenschaft, wie er den Mangel dauerhaft abstelle. Das Gesundheitsamt, dessen primäre Aufgabe es sei, die hygienische Sicherheit zu überwachen, berate nur.

Grundsätzlich, heißt es aus dem Rathaus, seien Legionellen ein großes Problem in Offenbach. Grund: Alte und schlecht gepflegte Leitungen, die 40 Jahre und älter seien und damit nicht mehr dem Stand der Technik entsprächen. Zwischen 5.000 und 7.000 Miethäuser ab drei Wohneinheiten gibt es in Offenbach. Sie fallen als sogenannte gewerbliche Großanlagen unter die Trinkwasserverordnung.

„Viele Vermieter und Mieter gehen mit der Gefahr durch Legionellen leichtfertig um, es kommt jedes Jahr zu Todesfällen, wobei die Dunkelziffer hoch ist“, sagen die Fachleute aus dem Gesundheitsamt. Würden Anlagen richtig betrieben, sei die Kontrolle mit relativ geringem Aufwand verbunden. Eine Untersuchung koste 30 bis 40 Euro pro Mietpartei und sei alle drei Jahre fällig.

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