Von Zeichnerin Christina Plaka

Offenbach als Vorlage für neue Manga-Reihe

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Auf die Bürgeler Uhlandschule ging Christina Plaka als Kind selbst. In ihrem Manga besuchen die Figuren eine Schule, die über dieselbe charakteristische Hofansicht verfügt (oben rechts).

Offenbach - Sie ist berühmt für ihre handlungsreichen Comics nach japanischem Vorbild: Christina Plaka gilt als Urgestein der Manga-Szene und studierte die Kunst als erste Deutsche in Japan. Am wohlsten fühlt sich die 32-Jährige zuhause in Offenbach. Ihrer Heimat hat sie sogar in ihrem neuestem Werk ein Denkmal gesetzt. Von Julia Radgen 

„Kyoto ist ein bisschen wie Offenbach“, sagt Christina Plaka lächelnd. In der japanischen Stadt gebe es Natur, in die man sich zurückziehen könne, dennoch sei man schnell im Zentrum. Genau wie im Stadtteil Bürgel, in dem die 32-Jährige zuhause ist. In der japanischen Stadt – in der aber fast 1,5 Millionen Menschen leben – hat Plaka zwei Jahre verbracht. „Das war die beste Zeit meines Lebens.“ Von 2010 bis 2012 absolvierte sie an der Seika-Universität Kyoto als erste Deutsche Manga-Studien. Ein prägender Aufenthalt für die gebürtige Offenbacherin mit griechischen Wurzeln. Schon als Grundschülerin zeichnete Plaka Superhelden. Mit elf Jahren fand sie zum Manga-Stil. Sie war begeistert von Mila Superstar, einer japanischen Manga-Reihe, die in den 90ern als Anime-Serie im deutschen Fernsehen bekannt wurde. „Das hat mich angesteckt – und zum Volleyballspielen gebracht.“

Auch in ihrem neuesten Werk „Go For It“ (Carlsen) geht es um ihren Lieblingssport, den die junge Frau immer noch beim Verein FC Wacker 1974 ausübt. „Ich wollte immer schon gerne ein Sport-Manga zeichnen“, sagt Plaka, für die autobiographische Bezüge in ihren Bücher typisch sind. Die zweiteilige Reihe – der erste Band erschien bereits, der zweite soll im Juli veröffentlicht werden – ist Christina Plakas erster Manga mit Offenbach-Bezug. „Warum sollte ich mir für ein deutsches Publikum fremde Orte ausdenken, wenn ich bekannte Vorlagen nutzen kann“, sagt die 32-Jährige. So entdecken Offenbacher in den Zeichnungen allerhand Referenzen an die Lederstadt.

„Go For It“ ist der erste Manga, also ein Comic nach traditionell japanischer Art, mit direktem Bezug zu Offenbach. Die Bürgelerin ließ sich für die Orte von diversen Schauplätzen inspirieren.

Plakas Geschichte um Anike, genannt Nike, und den neuen brasilianische Austauschschüler Jona, beide leidenschaftliche Volleyballspieler, spielt an einem Gymnasium namens Uhlandschule. Angelehnt an „unsere Grundschule in Bürgel“, wie Plaka sagt. Die Fassade der Schule, auf die Plaka als Kind selbst ging, stand offensichtlich Pate für ihr fiktives Gebäude. Auch die Sporthalle, in der Nike, Jona und die anderen trainieren hat ihr Vorbild in jener, die sich Rudolf-Koch-Schule und die Gewerblich-Technischen-Schulen teilen; in einer anderen Szene trainiert Protagonistin Nike auf einem Sportplatz, der Ortskundige stark an den der DJK Sparta Bürgel erinnert. Aus der Erinnerung und nach Fotos zeichnete Plaka die Orte, an dem ihre Geschichte spielt. Auch namentlich gibt es eine direkte Anspielung: Der Volleyballmannschaft gab die Zeichnerin den Namen FC Sparta.

Früher wären solche Referenzen für die Manga-Zeichnerin undenkbar gewesen. „Mit Anfang 20 fand ich es merkwürdig, die Handlung in Deutschland zu verorten“, sagt Plaka. Einen Charakter für das deutsche Publikum Hans oder Jürgen zu nennen, hätte die japanische Zeichenkunst ad absurdum geführt. „Irgendwann fragt man sich, warum man etwas Fremdes erfinden sollte“, sagt Plaka heute. Mit bekannten Vorlagen könne man viel authentischer erzählen, findet die junge Frau.

Solche Freiheiten hingen aber auch mit einem Wandel in der Manga-Szene zusammen, findet Plaka: „Der große Boom ist vorbei.“ Sie sei eine der wenigen Zeichner, die aus der Hochzeit noch übrig geblieben seien, sagt sie. Sie wurde in den Nullerjahren durch die Reihe „Yonen Buzz“ berühmt, in der eine Punkband die Musikszene Tokios zu erobern versucht.

Weil sie von ihrer Kunst nicht leben kann, setzt Plaka auf verschiedene berufliche Standbeine: Neben den Manga-Aufträgen vom Verlag gibt sie Zeichen-Workshops und hat noch einen „Brotberuf“. Plaka sucht gerade einen Teilzeitjob in Offenbach, hat von Vollzeit heruntergestuft. „So habe ich mehr Zeit zum Zeichnen.“ Was ihr nächstes Werk sein wird, weiß sie noch nicht. „Vielleicht mal ein anderes Format.“

Am liebsten würde sich Plaka gänzlich der Manga-Kunst widmen. „Aber hallo, das wäre ein Traum“, sagt sie lächelnd. Doch in der überschaubaren deutschen Szene sei das kaum denkbar. In den Buchhandlungen schrumpften die Manga-Ecken. „In Japan ist der Markt gigantisch“, schwärmt Christina Plaka.

Auszuwandern und in Asien zu arbeiten, kommt für sie dennoch nicht in Frage. Dafür gefällt es ihr in der Heimat Bürgel zu gut. „Ich lebe im Paradies“, sagt Plaka und schwärmt von den Fachwerkhäusern und Feldern. „Es ist ein sehr schönes Gebiet“, sagt sie über die Umgebung ihres Elternhauses, wo alle bisherigen Bücher entstanden. Im Gegensatz zum Trubel in der Innenstadt könne sie in Bürgel die Natur genießen. Nun ist sie in ihre erste eigene Wohnung, an die Westseite des Stadtteils, gezogen. Nur ein Wunsch hängt mit dem asiatischen Inselstaat zusammen: „Mein Traum ist es, einmal in Japan zu veröffentlichen.“

Lebende Comicfiguren bevölkern Tokio

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