Konjunkturindex sinkt deutlich

In Offenbach wächst Skepsis

Offenbach - Binnen weniger Wochen ist die Stimmung bei den Unternehmen aus Stadt und Kreis Offenbach wegen der internationalen Krisen und der Berliner Politik umgeschlagen. Von Marc Kuhn 

Nachdem der Konjunkturklimaindex der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach fünf Mal in Folge gestiegen war, sinkt er nun um satte 18,8 auf 107,3 Punkte. „Ausschlaggebend ist die weitaus schlechtere Erwartung an die wirtschaftliche Situation der kommenden zwölf Monate“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner gestern. „Negativmeldungen und weltweite Krisen zeigen ihre Wirkung auf die Einschätzung des Exportabsatzes, die nach unten korrigiert wird. Auch die Beschäftigungs- und Investitionspläne werden zurückgeschraubt, allerdings in geringerem Ausmaß.“ Ob es sich um „eine kleine Delle im konjunkturellen Aufwärtstrend“ oder um den Beginn einer Rezession handele, lasse sich nicht mit Sicherheit sagen, so Weinbrenner. „Sicher ist: Die Unternehmen in der Region korrigieren ihre Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Lage deutlich nach unten.“ Die gesunkenen Erwartungen wirkten sich negativ auf die bereits geringe Investitionsneigung der Unternehmen aus, die sich nicht mit niedrigen Zinsen anheizen lasse. Mehr Investitionen seien aber eine notwendige Stütze für eine konjunkturelle Entwicklung.

Dies ist ein Warnsignal an die Politik, die jetzt gefordert ist, wie Weinbrenner erklärte. Nach den sozialpolitischen Umverteilungsgeschenken, wie der Rente mit 63, der Mütterrente oder dem Mindestlohn, sei es jetzt an der Zeit, etwas für die Wirtschaft zu tun, forderte der IHK-Hauptgeschäftsführer. Die Politik könne positive Signale senden und die Rahmenbedingungen für Investitionen stärken.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Der IHK-Klimaindex für die Industrie falle um 10,6 Punkte, berichtete die Kammer. Während die aktuelle Geschäftslage schwächer, aber in der Gesamtheit positiv beurteilt werde, verdunkele sich der Blick auf die nächsten Monate spürbar, sagte Weinbrenner. „Elf Prozent erwarten künftig bessere Geschäfte, 61 gleich bleibende und 28 Prozent eher ungünstigere.“ Dies dürfte vor allem an den pessimistischen Exporterwartungen des Verarbeitenden Gewerbes liegen: 23 Prozent würden angeben, in der nächsten Zeit mehr im Ausland umzusetzen, 29 Prozent befürchten Exporteinbußen. „Dementsprechend gehen auch die Investitionspläne zurück, und es kann im Jahresverlauf mit einem leichten Beschäftigungsabbau gerechnet werden“, erklärte Weinbrenner.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare