Wer vertritt besser?

Offenbach (tk) - Im Offenbacher Rathaus herrscht Wahlkampf. Für den unbeteiligten Besucher dank diverser Schautafeln unübersehbar dokumentieren zwei Gruppierungen, dass sie sich jeweils für die besseren Vertreter der städtischen Beschäftigten halten.

Zu wählen sind ab heute die Personalräte für die eigentliche Verwaltung und der Gesamtpersonalrat, der zudem den Eigenbetrieb Kindertagesstätten, das Jobcenter Mainarbeit und die Feuerwehr abdeckt. Letzteren dürfen zirka 1900 Angestellte und Beamte wählen, ersteren etwa 1000. Die Amtsperiode dauert vier Jahre.

Gegenwärtig ist der zum Teil vom normalen Dienst freigestellte Gesamtpersonalrat von Mitgliedern der auch für den öffentlichen Dienst zuständigen Gewerkschaft dominiert, die wieder mit ihren Verdi-Listen (einmal für Angestellte, einmal für Beamte) antreten. Die neue Konkurrenz kürzt sich „TOP“ ab: „Transparente und offensive Personalvertretung“.

„Du kommst hier nicht rein"

Die Amtierenden mögen nichts zu Wahlkampfsituation oder inhaltlichen Unterschieden sagen: „Das ist eine interne Angelegenheit, die in erster Linie die Beschäftigten zu interessieren hat und nicht die Öffentlichkeit“, bescheidet Claudia Schell, die stellvertretende Vorsitzende des Gesamtpersonalrats, Anfragen. Dazu passt, was im Rathaus erzählt wird. Bei einer kürzlichen Personalversammlung im Büsingpalais habe es, rechtlich völlig zulässig, für einen interessierten ehrenamtlichen Stadtrat geheißen: „Du kommst hier nicht rein.“ Eher amüsierte Beobachter im Haus an der Berliner Straße 100 registrieren eine „Materialschlacht“ mit papierenen und elektronischen Medien, man fühle sich bisweilen im E-MailKreuzfeuer, heißt’s.

„Wählen Sie die Kandidatinnen und Kandidaten, die sich für die Interessen aller Beschäftigten einsetzen“, wirbt Verdi auf Flugblättern um Stimmen. Bei einer Veranstaltung im Foyer stellten sich Anfang Mai „Personalräte mit Biss“ vor.

Beschäftigten sind nicht gefragt

Die Mitbewerber, zum Großteil Beschäftigte von Jugendamt und städtischer Kindergarten-Firma verbreiten ihre Positionen und Beweggründe massiver und detaillierter.

Zur Kritik an der bisherigen Personalratsmehrheit gehört der Vorwurf, sich gegenüber der Rathausspitze – Dezernenten, Personalamt – zu willfährig gezeigt zu haben, wenn es darum ging, von oben angeordnete Entscheidungen oder Prozesse durchzusetzen: „Ob Stellenbewertung, Chancengleichheit oder Vorschlagswesen – wiederholt konnte man erleben, dass die Beschäftigten nicht gefragt sind.“ Die „interne Angelegenheit“ lässt sich somit auch als Abstimmung über die Personalführung im Rathaus verstehen.

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare