Liste für 6. März 2016 beschlossen 

SPD: Wahlkampf mit Marx und ohne Erich

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Vorn Platz 1, hinten Platz 51: Gertrud Marx führt die Kommunalwahlliste der Offenbacher SPD an, die der AWO-Vorsitzende Kurt Herrmann auf dem traditionellen Ehrenplatz beschließt.

Offenbach - Die Offenbacher Sozialdemokraten treten mit einer 51-köpfigen Kandidatenliste zur Kommunalwahl 2016 an. Im Waldcafé der Arbeiterwohlfahrt akzeptierten die 62 Delegierten den Vorschlag von Parteispitze und zuständiger Kommission. Erstmals ist die Spitzenposition mit einer Frau besetzt: Gertrud Marx führt die Riege an. Von Thomas Kirstein 

Einen derart widerspruchsfreien SPD-Parteitag dürften im Offenbacher Unterbezirk weder Genossen noch Beobachter je erlebt haben. Nicht dass es keine Konflikte gäbe. Aber die Veranstaltung im Hainbachtal muss hinter den Kulissen intensivst vorbereitet worden sein – auf dass die Harmonie des Abends die Geschlossenheit im Wahlkampf vorwegnehme.

Aufmerksamkeit im Vorfeld hat der Parteitag denn auch nur wegen eines Mannes erregt, der sich zunächst dagegen sträubte, von der Liste gekegelt zu werden, dann aber den Kampf um eine Nominierung freiwillig aufgab. Am Donnerstag findet Veteran Erich Strüb nur ein einziges Mal Erwähnung: hinter Enno Knobel, Bruno Persichilli, Andrea Rupp und Athanassios Sotiriou, als Parteivorsitzender Felix Schwenke die Namen der Stadtverordneten aufzählt, die im nächsten Parlament nicht mehr vertreten sein werden. Ansonsten herrscht Schweigen, sieht man von der Anspielung des Versammlungsleiters Enno Knobel auf notwendige Teamfähigkeit ab.

Erstaunliche Einmütigkeit

Neben der erstaunlichen Einmütigkeit bietet der Genossen-Treff Außenstehenden nur zwei kleine Überraschungen. So erfährt der im Parlament oft als markiger Polterer auffallende Fraktionsvize Harald Habermann mit 57 Ja-Voten für seinen Platz 16 die Top-Zustimmung (52 bis 56 mal Ja bekommen die anderen 50).

Nicht unbedingt zu erwarten war die Spitzenkandidatur: Die stellvertretende Fraktionschefin Gertrud Marx ist Mitarbeiterin in der Fraktionsgeschäftsstelle sowie Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Tempelsee und des Fördervereins der dortigen Waldschule. Sie freut sich über die Nominierung: „Ich bin eine Sozialfrau, will etwas bewegen, ich sehe das als ein Signal, dass bei uns das Soziale vorn dran steht.“

Zum ersten Mal geht bei der Offenbacher SPD eine Frau voran, erstmals beträgt die Frauenquote 50 Prozent. Das betont der als Stadtkämmerer, Sozial- und Ordnungsdezernent tätige Parteichef Felix Schwenke. Er selbst besetzt Platz 2, vor Landtagsvizepräsidentin Heike Habermann, die damit den Weg zurück in die Kommunalpolitik gefunden hat.

Die lustigsten Wahlkampf-Pannen der Politiker

Das „Personaltableau“ beschreibt er als „gut ausbalancierten Mix“, um „für sozialdemokratische Verhältnisse relativ geschlossen“ in den Kampf um ein gutes Ergebnis gehen zu können. Kriterien gewesen seien Ortsvereinszugehörigkeit, Vorrang für amtierende Stadtverordnete, die Einbindung von Migrationshintergrund und Parteilosigkeit sowie die Mischung der Generationen. Der Altersdurchschnitt der Liste beträgt 50 Jahre; die Verjüngung ist laut Schwenke also nicht so dramatisch. 21 ist der Benjamin am 6. März 2016, die Älteste wird 80, Spitzenkandidatin Marx 60 sein.

Der Unterbezirkschef sagt auch, wer nicht so unter den aussichtsreichen ersten 20 Plätzen berücksichtigt wurde wie gewünscht: Jusos, die Arbeitsgemeinschaften Migration und 60 plus, altgediente Genossen wie Grete Steiner und Lutz Plaueln. Inhaltlich schwört der Fraktionsvorsitzende die Delegierten auf den bevorstehenden Wahlkampf ein, beleuchtet die wesentlichen Punkte des am 17. Oktober – erstmals – von einer Mitgliederversammlung beschlossenen Programms (wir berichteten).

Der Vorturner der Stadtverordneten-Riege appelliert an Geschlossenheit – „Hakt euch ein und unterstützt euch gegenseitig!“ –, gibt ein Ziel vor – „Kein Zweier-Bündnis soll ohne uns möglich sein!“ und spielt unter Applaus seiner Genossen auf heimliche Flirts nach Landesvorbild an: „Diese Stadt ist nicht schwarz-grün!“

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