Trennungsschmerz garantiert

Schwimmbad in Offenbach: Nach über 70 Jahren endet eine Ära

Der Betrieb des Waldschwimmbads soll künftig von einer GmbH gemanagt werden, Grundstück und bauliche Anlagen gehen an die Stadtwerke-Tochter SFO über. Der EOSC erhält dafür Nutzungsrechte.
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Der Betrieb des Waldschwimmbads soll künftig von einer GmbH gemanagt werden, Grundstück und bauliche Anlagen gehen an die Stadtwerke-Tochter SFO über. Der EOSC erhält dafür Nutzungsrechte.

In Offenbach geht eine Ära zu Ende: Das beliebte Wald-Bad wird abgegeben. Nur so können die notwendigen Investitionen getätigt werden.

Offenbach – Es ist nichts Geringeres als das Ende einer Ära: Um für die Zukunft gerüstet zu sein, wird der Erste Offenbacher Schwimmclub (EOSC), einer der größten Vereine in der Stadt, nach mehr als 70 Jahren das Schwimmbad auf der Rosenhöhe abgeben.

Geplant ist eine Aufsplittung in Betrieb und Besitz: Der Betrieb des Bades wird in die Hände einer EOSC-Betreiber GmbH gelegt, die künftig das Personal inklusive eines Geschäftsführers stellt. Die dafür nötigen 25. 000 Euro Stammkapital werden aus dem Vereinsvermögen entnommen. Gelände und Bauten, die der Verein in Pacht und Erbpacht hält, werden zur Sicherung künftiger Investitionen an die Stadtwerke-Tochter Sport und Freizeit GmbH Offenbach (SFO) übertragen, in deren Auftrag die Betreiber GmbH handeln wird.

Dafür, dass der EOSC sein Tafelsilber abgibt, erhält er vertraglich fixierte und im Grundbuch abgesicherte Nutzungsrechte. Für die mehr als 2400 Vereinsmitglieder soll sich in Sachen Schwimmbad-Besuch möglichst wenig ändern. Die neue Organisationsstruktur wird voraussichtlich in der ersten Hälfte des nächsten Jahres unter Dach und Fach gebracht.

Verein in Offenbach überfordert: Das Schwimmbad im Wald benötigt enorme Investitionen

Geschuldet ist der Umbruch vor allem dem Umstand, dass die anstehenden, millionenschweren Investitionen in die Erneuerung des Bades nicht mehr in den Strukturen eines Vereins zu stemmen sind. Zwar hat der EOSC schon seit Jahren das Bad im Auftrag der Stadt betrieben, die dafür die finanziellen Mittel bereitstellte. Doch zahlreiche Aufgaben wurden rein ehrenamtlich erledigt.

Ein Knackpunkt war dabei immer schon die persönliche Haftung des Vereinsvorstands, die angesichts der kommende Sanierungs- und Umbaumaßnahmen nicht mehr verantwortbar wäre. Lediglich die zur Errichtung der neuen Traglufthalle erforderlichen Aufträge werden aufgrund der zeitlichen Abläufe noch vom Vorsitzenden Wörner unterzeichnet. Operativ wird, dies ist vertraglich geregelt, alles von der Stadtwerke-Tochter OPG übernommen.

Welchen Wert hat das Bad in Offenbach noch? Das ist noch nicht abschließend geklärt

„Es sind noch einige Abstimmungsfragen zu klären, aber wir befinden uns auf einem guten Weg“, berichtet EOSC-Chef Matthias Wörner von den Gesprächen mit Stadt und SFO. Ursprünglich sollten die Vereinsmitglieder bei der Jahreshauptversammlung am 25. November über das Vorhaben informiert werden. Wegen der angespannten Corona-Lage ist der Termin vorerst aber auf Anfang Februar verschoben worden.

Klärungsbedarf besteht laut Wörner vor allem bei der Frage nach dem Wert der Bauten, die sich – im Gegensatz zur nur von der Stadt gepachteten Liegewiese – in Erbpacht des EOSC befinden. Es handelt sich dabei um die beiden Schwimmbecken und die sanitären Anlagen. Ein entsprechendes Wertgutachten liege noch nicht vor.

Schwimmbad in Offenbach: Für EOSC-Mitglieder soll sich nichts ändern

Von dieser Expertise wird abhängen, wie man das Nutzungsrecht des EOSC ausgestaltet. Die denkbare Bandbreite reicht vom Erhalt des Status quo, bei dem der Schwimmbadeintritt für Mitglieder mit ihrem jährlichen Vereinsbeitrag abgegolten ist, bis hin zu einer Schwimmbad-Umlage für die Wassersport-Abteilungen des EOSC. „Unser Ziel ist, dass sich für die Mitglieder nichts ändert. Weil die Materie aber komplexer ist als zunächst gedacht, ist das mit den Nutzungsrechten noch nicht final geklärt “, sagt Matthias Wörner.

Sportdezernent Felix Schwenke betont, mit Blick auf die Sanierung des Bades komme die Neustrukturierung zum richtigen Zeitpunkt. Dem EOSC sei für den jahrzehntelangen ehrenamtlichen Einsatz zu danken. „Der Verein hat der Stadtgesellschaft einen Riesen-Dienst erwiesen“, so Schwenke. Er hoffe, der „Trennungsschmerz“ werde nicht zu heftig sein. Auch Schwenke weist darauf hin, dass die Ausgestaltung des Nutzungsrechts für die EOSC-Mitglieder ein „spannender Punkt“ werde, der nicht einfach aufzulösen sei. Die Neuorganisation werde für die Stadt beziehungsweise für die SFO mit jährlichen Mehrkosten von rund 300 .000 Euro verbunden sein. (Matthias Dahmer)

Durch die Corona-Pandemie gibt es immer mehr Nicht-Schwimmer, auch in Offenbach. Das kann fatale Folgen mit sich bringen, in Deutschland sind im Jahr 2020 zirka 378 Menschen ertrunken.

Neben der dringenden Sanierung des Schwimmbades auf der Rosenhöhe wird es in Zukunft noch mehr Veränderung bei den Sport-Anlagen in Offenbach geben. Ganz oben auf der Liste: Eine BMX- und Skater-Anlage wie in Frankfurt.

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