Weihnachten kann kommen

+
Zirka 200 Bieberer nahmen an der Waldweihnacht von DJK, IGBiF und St. Nikolaus mit einem Fackelzug teil.

Offenbach - Eine besondere Einstimmung aufs Fest feierten zahlreiche Bieberer Familien. Bei der Waldweihnacht wurde gesungen, spaziert und angestoßen. In diesem Jahr bereits zum fünften Mal. Von David Heisig 

Letzte Geschenke besorgen, den Baum aufstellen und die Wohnung auf Vordermann bringen. Je näher Heiligabend kommt, desto größer der Stress. Gegenmittel sind die vielen Adventskonzerte, besinnlichen Treffen und der gute Vorsatz, alles piano auf sich zukommen zu lassen. Auch in Bieber werden diese Kontrapunkte gesetzt. So am vergangenen Sonntag bei der Waldweihnacht. Schon zum fünften Mal gestalten die DJK-Wanderabteilung, der Familienkreis der Pfarrgemeinde St. Nikolaus und die Interessengemeinschaft Bieber Fastnacht (IGBiF) den Nachmittag. Die Idee mitgebracht hat Organisator Norbert Faller aus dem Allgäu. „Viele Kinder, die nicht mehr religiös beziehungsweise kirchlich gebunden sind, erleben hier Weihnachten“, erklärt er.

Bei Einbruch der Dunkelheit werden die Kinder eingepackt, die Fackeln entzündet, und leise wird ein Lied angestimmt. Los geht es traditionell an der Kleingartenanlage Erlensteg bei der Lokomotive. Passend zur Besinnlichkeit der nächsten guten Stunde trifft man sich außerhalb des Orts. Im Feld. Dort würde man am ehesten den Stall aus der Bibel erwarten. Der Wind pustet, es nieselt. Vielleicht ist es ja bei Christi Geburt auch so gewesen, sagt Faller schmunzelnd. So genau kann das keiner wissen. Ein Kinderwagen macht sich selbstständig. Die Fackeln kämpfen gegen die Böen an. Windsichere Exemplare werden an Ort und Stelle verkauft. Nur diese sollen benutzt werden. Zwei Jungs zweckentfremden ihre nicht entzündeten Fackeln und fechten damit.

Viele Familien mit Kindern aller Altersstufen sind dabei. „Ein bisschen wie an St. Martin“, ist aus der Runde zu hören. Gut 200 Menschen haben sich eingefunden, um den Spazierweg hin zu einer Wiese hinter der Obermühle zu machen. Als Biebers Pfarrer Jozef Madloch ankommt, ist erst einmal Händeschütteln angesagt. Die Anwesenheit geistlicher Obrigkeit deutet darauf hin: Es geht weihnachtlich zu.

Wie ein leuchtender Lindwurm zieht der Tross durch das Feld. In den Wald darf es nicht mehr gehen: Brandgefahr. Auch wenn das bei der feuchten Witterung unwahrscheinlich ist. Ein bisschen wie zur Mahnung trägt aber der Wind viele Funken ins Dunkel hinaus. An der Endstation ist die Krippe unter einem symbolischen Stall aufgebaut. Noch ist sie leer. Da scheiden sich ein wenig die Geister. Faller hat gegen eine Figur eigentlich nichts einzuwenden. Da aber erst in zwei Tagen Heiligabend ist, habe man sich um der Tradition willen dagegen entschieden. Die Geschichte von Maria, Josef und dem Kind wird erzählt, „die erfolgreichste Geschichte der Welt“, so Faller. Auch wenn sie Skeptikern heute wie „frei erfunden“ erscheine.

Bieberer Markt: Bilder

Bieberer Markt

„Alle Jahre wieder“ wird angestimmt. Der Musikverein Eintracht spielt auf. Dann wird der Text „Die gute Nacht“ von Bertolt Brecht verlesen. „Hart und wüst und ohne Vernunft“ sei die Welt gewesen, in die Jesus hinein geboren wurde. Und trotz der widrigen Umstände sei alles gut gegangen. „Mehr konnte die Welt für den Christ nicht tun“, endet das Gedicht. Danach wird „Ihr Kinderlein kommet“ gesungen, bevor der kleine Stern von Bethlehem von seiner großen Aufgabe erzählt. Mit dem klassischen Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ und dem „O du fröhliche“ endet die Andacht. Ein wenig früher als geplant, denn der Wind fordert doch seinen Tribut: Die Fackeln brennen zu schnell ab. Aber es gibt ja noch Glühwein und Leckereien in der Tennisgaststätte der DJK. Weihnachten in Bieber kann kommen...

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare