250 mehr als 2017 

Offenbach klagt über Baustellen: „Stoßen an die Grenze unserer Möglichkeiten...“

Am Spessartring wird’s wegen des Polizeipräsdiums-Baus bald noch enger. Foto: Schmidt

In Offenbach sind in 2019 900 Baustellen genehmigt worden - 250 mehr als noch vor zwei Jahren. Das zieht Klagen von Auto- und Busfahrern nach sich. 

Offenbach – Offenbach ist eine einzige Baustelle geworden. Nicht nur gefühlt, sondern statistisch nachweisbar. Laut Jan Schmidbauer, dem Leiter der Straßenverkehrsbehörde verzeichneten seine Sachbearbeiter in diesem Jahr bis jetzt bereits 900 genehmigte Baustellen. „So viele hatten wir im gesamten Jahr 2018, 2017 waren es noch 650“, weiß Schmidbauer.

Unsere Zeitung hat die Auswirkungen begleitet und die Klagen von Auto- und Busfahrern dokumentiert. Kritik gab es besonders wegen einer vermeintlich unzureichenden Koordination. Warum diese zentrale Aufgabe der Straßenverkehrsbehörde nicht immer zur Zufriedenheit aller zu erfüllen ist, erläutert Chef Schmidbauer: „Aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen, von öffentlichen Versorgern und privaten, Bauvorhaben stoßen wir an die Grenzen unserer Möglichkeiten, diese noch wirksam zu entzerren.“ In aller Regel seien die von den privaten Bauherren beantragen Sperrungen des öffentlichen Raums (Gehwege, Straßen) aufgrund beengter räumlicher Verhältnisse auf den Baugrundstücken notwendig und deshalb genehmigungspflichtig.

Offenbach: Neue Arbeitsschutzrichtlinien 

Verschärft wurde die Situation durch neue Arbeitsschutzrichtlinien, die im Winter 2018 in Kraft getreten sind. Seither müssen die Sicherheitsabstände zum fließenden Verkehr zum Schutz der Arbeiter deutlich erhöht werden. „Dies führt dazu, dass der verbleibende Raum für die Verkehrsteilnehmer noch weiter eingeschränkt werden muss“, erläutert Schmidbauer. Für die Nutzung des öffentlichen Raums werden die Bauherren selbstverständlich zur Kasse gebeten – entweder im Rahmen der Sondernutzung über das Ordnungsamt oder auf Grundlage der verkehrsrechtlichen Anordnungen der Straßenverkehrsbehörde. 

Bau- und Verkehrsdezernent Paul-Gerhard Weiß bedankt sich nach der wochenlangen abschnittsweisen Sperrung der Mainstraße für die Geduld der Verkehrsteilnehmer: „Insbesondere die Autofahrer haben während der Fahrbahnsanierung sehr starke Nerven aufbringen müssen, da sie sehr viel mehr Zeit für ihre Strecken aufbringen mussten als sonst.“ Weiß bedauerte die Einschränkungen, die vor allem Pendler im Berufsverkehr in Kauf nehmen mussten.

Offenbach: Staus auf den Ausweichstrecken 

Insbesondere auf den Ausweichstrecken in der Innenstadt war es zeitweise zu erheblichen Staus gekommen. Aber auch die Mühlheimer Straße war stark belastet. „Diese Behinderungen sind für niemanden schön und für den Ärger, den viele Menschen empfunden haben, bringe ich größtes Verständnis auf.“ Weiß machte darauf aufmerksam, dass sich die Verkehrssituation in der Innenstadt nach der Wiedereröffnung der Mainstraße auch für den Busverkehr trotz der andernorts weiterhin bestehenden Baustellen deutlich entspannt habe.

Viel Geduld aufbringen mussten und müssen Autofahrer auch weiterhin an anderen Stellen in der Stadt. Hier gibt es einen Überblick über alle Baustellen in Offenbach in 2019. 

Viele Straßen wurden und werden noch saniert. Weiß bat hierfür um Verständnis: „Verkehrsbehinderungen sind bei solchen Baustellen unvermeidlich. Letztlich ist es doch erfreulich, dass die Stadt in ihre Straßen investiert. Der Sanierungsstau ist bekanntlich enorm, und viele Menschen beklagen sich zu Recht über die vielen Schlaglöcher, die wir Schritt für Schritt abarbeiten.“

Offenbach: Zusatzbudget von 1,5 Millionen Euro 

Die Stadt stellt hierfür dem Stadtdienstleister ESO seit 2017 ein jährliches Zusatzbudget von 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Laut Weiß hat der ESO in diesem Jahr mit diesem zusätzlichen Geld und regulären Instandhaltungsmitteln so viele Maßnahmen wie seit langer Zeit nicht mehr umgesetzt. Die Abteilung Straßenunterhaltung hat in diesem Jahr von Mitte März bis November rund 54 000 Quadratmeter Straßenbelag auf 15 Bauabschnitten erneuert. Dafür hat die nach Ausschreibung beauftragte Straßenbaufirma durchgängig eine Baukolonne in Offenbach im Einsatz, die nacheinander die verschiedenen Baustellen abarbeitet. Dies ist als das wirtschaftlichste Vorgehen erkannt worden. Die zu sanierenden Abschnitte werden bestimmt nach Zustand und Nutzung der Verkehrsteilnehmer, dabei liegt besonderes Augenmerk auf Pendlern, Radfahrern und ÖPNV.

„Diese Sanierungen können nicht alle auf die verkehrsarmen Ferienzeiten beschränkt werden“, bedauert Weiß. Der Grund hierfür liegt insbesondere an den vollen Auftragsbüchern der Baufirmen. Weiterhin wird nach Möglichkeit darauf geachtet, dass während einer Straßensanierung nicht zeitgleich an einer wichtigen Ausweich- beziehungsweise Umleitungsstrecke gearbeitet wird.

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Offenbach: Stadt befindet sich im Aufbruch 

Der Baudezernent will dem Werkeln an allen Ecken aber auch Positives abgewinnen, nämlich das Zeichen, dass sich die Stadt seit einiger Zeit in einem enormen Aufbruch befinde: „In Offenbach sind in den vergangenen fünf Jahren rund 4000 neue Wohnungen entstanden. Das ist gut und wichtig, da der Druck auf dem Wohnungsmarkt ausgesprochen hoch ist.“ Neben dem Boom auf den kleineren und größeren Entwicklungsflächen habe die gute Konjunktur der vergangenen Jahre sicher ihren Teil dazu beigetragen, dass viele Menschen in ihre Immobilien investierten, so Weiß weiter: „Für Offenbach ist das eine sehr positive Entwicklung, auch wenn dies für längere Zeiträume auch zu erheblichen Behinderungen führt.“

Und es geht weiter. Beispielsweise am Spessartring. Der Neubau des Polizeipräsidiums Südosthessen wird aktuell an die Wasserversorgung angeschlossen. Danach müssen weitere Leitungen quer unter den Fahrbahnen des Spessartrings verlegt werden. Eine von der Stadt gewünschte Bündelung der einzelnen Arbeiten zu einer gemeinsamen Baumaßnahme sei aus diversen baulichen und technischen Gründen seitens der Baufirmen abgelehnt worden, heißt es.  tk

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