Vier junge Männer haben mit der Agentur Artwerkstadt Sprung in Selbstständigkeit gewagt

Von Offenbach in die Welt

Moritz Nyncke, Michael Petri, Tobias Röben und Mike Zeiler (von links) haben sich gleich nach dem Studium mit ihrer Werbeagentur Artwerkstadt in Offenbach selbstständig gemacht. Foto: Skalli

Offenbach - Vergeblich wartet man auf die Stimme aus dem Off, die sagt: „Die wollen doch nur spielen. Von Katharina Skalli

“ Denn dieser Eindruck könnte entstehen, wenn man das erste Mal auf die vier jungen Gründer der Agentur Artwerkstadt trifft. Aber „nur spielen“ wollen die vier Jungs ganz und gar nicht. Sie wollen hart arbeiten und die Werbebranche auf den Kopf stellen - oder zumindest mit ihren Ideen bereichern. Dass Besucher im ersten Moment an eine Netzwerkparty junger, unbeschwerter Studenten denken, wenn sie den großzügigen Raum im Haus der Kommunikation in Offenbach-Waldhof betreten, liegt alleine am Alter der kreativen Agenturgründer. Tobias Röben, Moritz Nyncke, Mike Zeiler und Michael Petri haben den Unis und Hochschulen vor kurzem noch die Gebühren überwiesen, jetzt sind die Mittzwanziger im richtigen Leben angekommen, ohne langen Umweg über die oftmals unendliche Autobahn von Nebenjobs und unbezahlten Praktika. Dafür sind sie einfach zu gut.

Schon ein Jahr nach der Gründung kann das Quartett, das optisch eine typische Boyband abgibt, von ihrer Arbeit leben. Auch wenn die vier zugeben, dass sich keiner von ihnen bereits den ersten BMW gekauft hat. „Wir kommen frisch von der Uni und haben noch nicht so große Ansprüche“, sagt Michael Petri. Aber sie wissen auch, dass man als junge Agentur nicht mal so eben die Großen der Branche zum Nachsitzen schickt. Die Konkurrenz ist groß. Doch der Nachwuchs ist gewappnet: „Wir betreiben hier kein Studentenhobby“, sagt Tobias Röben. „Wir sind eine seriöse Agentur.“ Ihre Aufträge geben ihnen recht. Zurzeit arbeiten sie für den Betreiber eines Internetportals für Surf-Trips sowie an einer Imagebroschüre für einen Schuhgroßhandel.

Gerade sind sie in ein größeres Büro gezogen. Mehr Platz, mehr Licht, mehr Raum für Ideen - mehr Werkstatt im Dienste innovativer Kommunikation.

Ihre Kreativzentrale, das Haus der Kommunikation, liegt ein Stück außerhalb des Offenbacher Zentrums. Im Industriegebiet des Stadtteils Waldhof. Auch wenn die Nähe zum Fluss und der Trubel der Innenstadt fehlen, fühlt sich das Team hier wohl. Von ihren Wohnorten Offenbach, Frankfurt, Rödermark und Rodgau ist die Agentur gut zu erreichen. „Wir treffen uns ziemlich genau in der Mitte“, sagen die Jungs.

Über Aufträge, die ihnen viele Freiheiten lassen, aber auch Verantwortung übertragen, freuen sie sich besonders. Aber die Wünsche ihrer Kunden stehen für sie immer über dem eigenen Wunsch nach kreativer Verwirklichung. „Wir freuen uns, wenn der Kunde uns viel zutraut“, sagt Texter und Planer Tobias Röben. Der 24-jährige Moritz Nyncke pflichtet ihm bei: „Wir sind in der Lage, eigenständig gute Konzepte zu entwickeln.“ Der Kommunikationsdesigner weiß genau, was in seinem Team steckt. „Wir können noch viel mehr“, sagt er selbstbewusst.

Eine enge Beziehung zu ihren Kunden ist den vier Kreativen wichtig. „Wir hören immer erst mal zu“, erklärt Moritz Nyncke. Dass die Kunden mit der Handynummer der Jungs nachhause gehen, ist keine Seltenheit. Sie sollen das Gefühl haben, dass ihr Projekt in den besten Händen ist. Und in jungen Händen ohnehin. „Wir sind noch ganz frisch“, sagt Kommunikationsdesigner Mike Zeiler. „Wir haben ein Gespür für aktuelle Trends, die aber nicht allzu vergänglich sind.“

Die Artwerkstadt will alles aus einer Hand liefern. „Wir sind eine kleine Agentur, die aber alles bieten kann“, sagt Moritz Nyncke. Vom Flyer bis zum Werbespot. Und was sie nicht selbst können, bringen sie sich bei oder delegieren es an Menschen, die wissen, wie es geht. „Wir haben den Mut gehabt, uns Dinge beizubringen, die fernab von dem liegen, was wir tatsächlich können“, sagt Tobias Röben. Der 28-Jährige hat in Frankfurt und in San Diego Politikwissenschaften studiert. Heute ist er froh, sich für die Werbung entschieden zu haben. Kreatives Schreiben und Texten liegt ihm mehr als wissenschaftliches Arbeiten. Souverän sitzt er im bunten T-Shirt an seinem großen Schreibtisch und überblickt von dort das ganze Büro. Alle vier wissen immer genau, woran die anderen gerade arbeiten. Jeder guckt dem anderen über die Schulter und profitiert von dessen konstruktiver Kritik. „In einer großen Agentur bekommt man nur einen Bruchteil vom ganzen Projekt mit“, sagt der Planer. Bei der Artwerkstadt sind alle bis ins kleinste Detail informiert.

Die vier jungen Gründer sind mitten in der Wirtschaftskrise gestartet. Hatten Mut als andere die Segel strichen und haben nie an ihrem Können gezweifelt. Auch das ist ihre Stärke und macht sie zu einem Teil des Gründergeistes der Stadt. Der Plan: Von Offenbach-Waldhof über das neue Hafenviertel in die ganze Welt.

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