Küken-Killer vom Weiher

Westend-Wels war 2017 schon einmal gefangen

+
Einmal gefangen, wird der Wels vom Dreieichweiher keinesfalls im Main eine neue Heimat finden. Er und seine Artgenossen sind im Fluss nicht willkommen. 2010 zogen Offenbacher Polizisten ein totes Zwei-Meter-Exemplar aus dem Wasser.

Offenbach - Karl-Heinz Halle, Vorsitzender des Offenbacher Naturschutzbeirats und Mitglied des von der Stadt mit der Wels-Jagd beauftragten Angelsportvereins Neptun, hegt gar keine Zweifel: „Den Kerl haben wir schnell.“ Von Thomas Kirstein  

In den nächsten Tagen wollen der ehemalige Leiter des Stadtverordnetenbüros und seine Angelfreunde am Dreieichweiher die Ruten auswerfen. Sie ködern den Waller, der es nach Beobachtung von Parkbesuchern neuerdings auf die Küken geschützter Wasservögel abgesehen hat. „Ein großer Haken mit Wurmbündel – da beißt er, der hat noch Hunger“, sagt der versierte Freizeitfischer.

Wie berichtet, soll sich der Westend-Wels schon Stockenten-Nachwuchs geschnappt haben; in Gefahr, auf seinen Speiseplan zu geraten, sind auch junge Blässhühner. Das Umweltamt schlägt Alarm, weil die Vögel auf der Vorwarnliste gefährdeter Arten in Hessen stehen, gibt Order, den Fisch aus dem Gewässer zu entfernen.

Man hätte es einfacher und kükenfreundlicher haben können. Bei einer Elektrobefischung im vergangenen Jahr, die den Fischbestand im Weiher ermitteln sollte, betäubte die beauftragte Fachfirma auch den nun berüchtigten Waller mit Strom.

Karl-Heinz Halle war dabei: „Ein Mitarbeiter hat ihn auf dem Arm gehabt, ich hab’ gesagt, lasst den draußen. Aber das dürfen die nicht, die Entnahme von Fischen ist ihnen verboten.“ Immerhin weiß man jetzt, dass er vor einem Jahr 1,30 Meter lang war; mittlerweile dürfte der Brocken mehr als einen Dezimeter zugelegt haben.

Ein Problemwels war er 2017 allerdings noch nicht. Wie Halle erläutert, ist das ironischerweise den örtlichen Problemwasservögeln zu verdanken gewesen: Nilgänse siedelten am Dreieichweiher und vertrieben die Blässhühner in einen Tümpelteil, in den ihnen der Wels nicht folgen konnte. Der Gänsenachwuchs wird dem Killerfisch, der seine Beute praktisch zu schlürfen pflegt, nicht mundgerecht gewesen sein. In diesem Jahr haben sich die Nilgänse – wie üblich – von Stockenten verscheuchen lassen, deren kleine Küken für den Fisch ideale Portionshappen darstellen.

Dass der Waller sich überhaupt ans Federvieh heranmacht, deutet für Angler Halle darauf hin, dass er im Dreieichweiher nicht mehr ausreichend Beutefische findet. Halles Theorie, wie er überhaupt in den Dreieichweiher geraten ist, birgt erneut Ironie: Ausgerechnet Stockenten, denen er nun nachstellt, könnten vor etwa sechs Jahren Wels-Laich eingeschleppt haben. Dass Menschen ihn im Tümpel zwischen Leibnizgymnasium und Erasmusschule ausgesetzt haben, ist eher unwahrscheinlich.

Bilder: Diese sieben Tierarten sind in Hessen unerwünscht

Und was passiert mit dem Burschen, wenn ihn ein Neptun-Angler an den Haken gekriegt hat? In den Main, wo noch viel kapitalere Exemplare seiner Familie leben, kommt er nicht. Der auch auf Landesverbandsebene aktive Karl-Heinz Halle weiß, dass das Land eher darauf abzielt, die Wels-Population im Fluss deutlich zu verkleinern.

Da der sehr fette und bestimmt auch modrige Fisch kulinarisch bestimmt keine Offenbarung ist, wird er vermutlich das Schicksal von Artgenossen und Graskarpfen teilen, die aus dem Schultheisweiher abgefischt wurden. Die endeten als Wildschweinfutter in Klein-Auheims Fasanerie.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare