Bürgerinitiative

Widerstand gegen Bebauung in Waldhof-West wächst

Daniel Wiljotti demonstriert, weshalb er die Pflanzenwelt des geplanten Baugebiets für bewahrenswert hält. 
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Daniel Wiljotti demonstriert, weshalb er die Pflanzenwelt des geplanten Baugebiets für bewahrenswert hält. 

Die unlängst gegründete Bürgerinitiative gegen die geplante Bebauung im Gebiet Waldhof-West hat sich die Unterstützung von zwei Naturschutzverbänden geholt. Jetzt wollen die Mitglieder einen Verein gründen, um juristisch gegen das städtische Vorhaben vorgehen zu können. 

Offenbach – In Bieber-Waldhof brodelt es. Knapp 100 Mitglieder zählt die Bürgerinitiative „NATÜR(lich) Bieber-Waldhof“ mittlerweile, gut die Hälfte von ihnen hat sich am Donnerstagabend in der katholischen Kirche St. Hildegard versammelt, um über das gemeinsame Vorgehen gegen das geplante Neubaugebiet in ihrem Stadtteil zu diskutieren. Moderiert hat das Gespräch der BI-Sprecher und ehemalige SPD-Stadtverordnete Peter Janat. Am Ende des Abends fasst er zusammen: „Wir sind nicht kompromissbereit. Wir sind uns einig: Wir wollen keine Bebauung, sondern eine Aufwertung des Gebiets.“

Wie bereits mehrfach berichtet, hat die Stadt einen städtebaulichen Wettbewerb zur Entwicklung des Baugebietes Waldhof-West ausgerufen. Auf einer Fläche von zehn Hektar sollen rund 600 neue Wohneinheiten entstehen – sehr zum Unmut zahlreicher Anwohner.

Um effektiver gegen eine Bebauung vorgehen zu können, beabsichtigt die BI nun, einen Verein zu gründen. Als solcher, so Janat, könne sie von der Stadt nicht nur Akteneinsicht fordern, sondern auch juristisch wirksam klagen. Bei der nächsten Sitzung der Initiative soll der Verein, der den gleichen Namen wie die BI tragen wird, gegründet werden.

Unterstützung von außen haben die Anwohner sich bereits geholt. „Wir hatten letzten Samstag eine mehrstündige Begehung mit Vertretern vom BUND und dem NABU“, berichtet BI-Mitglied Dr. Raimund Reichhardt. „Danach haben sie uns ihre hundertprozentige Unterstützung zugesagt.“ Wie viele andere Bebauungsgegner an diesem Abend spricht auch Reichhardt sich dafür aus, das geplante Bebauungsgebiet aus Gründen des Naturschutzes unangetastet zu lassen. „Wir haben hier zahlreiche Pflanzen, zum Beispiel Orchideen, und zahlreiche Vögel, die schon auf der Roten Liste des Bundesamtes

für Naturschutz sind. Zum Beispiel Nachtigallen und Grünspechte.“ Höchstwahrscheinlich befänden sich auch Bilche – konkret: Siebenschläfer und Haselmäuse – im betroffenen Gebiet. Tiere, die vom Aussterben bedroht seien.

Raimund Reichhardt sieht die Stadt daher in der Verantwortung, sie zu schützen. „Ich habe beim Bund für Umwelt und Naturschutz angeregt, dass die Stadt darauf hingewiesen wird, dass derzeit durch das Bilch-Institut in Schlüchtern eine Dauerbeobachtung von Bilchen in ganz Hessen stattfindet. Denn eine der wenigen Städte, die daran nicht teilnehmen, ist Offenbach.“

Aber nicht nur die Fauna, auch die Flora Bieber-Waldhofs hat in der BI ihre Fürsprecher. Garten- und Landschaftsbaumeister Daniel Wiljotti hat zur Mitgliederversammlung am Donnerstagabend Proben von Pflanzen mitgebracht, die im geplanten Baugebiet wachsen. „Viele der Gehölze dort stehen auf der Roten Liste“, weiß er.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich in Waldhof eine Bürgerinitiative bildet, um Grünflächen im Stadtteil zu erhalten. 1997 legte die Stadtverordnetenversammlung nach Protesten der BI „Rettet den Wald am Waldhof“ ihre zu diesem Zeitpunkt eineinhalb Jahre alte Absicht zu den Akten, im Bereich der sogenannten „Waldkulisse“ Baumfällungen zu gestatten, sollte sich dort Gewerbe ansiedeln wollen.

Am Montag, 28. Oktober, will die Stadt in einer Ausstellung die Ideen der Wettbewerbsteilnehmer zur Bebauung des zehn Hektar großen Areals präsentieren. BI-Sprecher Peter Janat weiß schon jetzt: „Die können dort vorstellen, was sie wollen – ich bin dagegen.“ Besuchen will er die Veranstaltung dennoch. „Um Munition für meine Argumentation zu sammeln“, so Janat.

VON MARIAN MEIDEL

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