Mit eingeplanter Elektroladesäule

Widerstand gegen Wendeschleife im Neubauviertel An den Eichen

Eingerahmt von Wohnbebauung, Bolzplatz (im Hintergrund) und Blockheizkraftwerk (links) ist die neue Wendeschleife geplant.
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Eingerahmt von Wohnbebauung, Bolzplatz (im Hintergrund) und Blockheizkraftwerk (links) ist die neue Wendeschleife geplant.

Im Neubaugebiet An den Eichen gibt es massiven Widerstand gegen eine Wendeschleife. Anwohner haben Alternativvorschläge.

  • In Offenbach wehren sich Anwohner gegen eine Bus-Wendeschleife.
  • Die Anwohner im Neuangebiet An den Eichen fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder.
  • Warum die Bürger Widerstand leisten.

Offenbach – Im Neubauviertel An den Eichen hat sich massiver Widerstand gegen den Bau einer Buswendeschleife samt Elektroladestation mitten im Wohngebiet formiert. Es werde versucht, Elektromobilität mit der Brechstange durchzusetzen, so die Anwohner, die sich um die Sicherheit ihrer Kinder sorgen und sich in einer Initiative zusammengefunden haben. Die Stadtregierung verteidigt das Vorhaben und erläutert die Gründe für den gewählten Standort.

Der vorgesehene Platz für die Wendeschleife liegt am nordwestlichen Ende des Neubaugebietes und ist nur über die Ottilia-Carolina-Moufang-Straße zu erreichen, ein kleines Sträßchen, bei dem es viel Fantasie braucht, um sich vorzustellen, dass dort künftig Busse rollen. In der Nähe befinden sich zwei Spielplätze, eine Kita und der Schulweg. Unmittelbar angrenzend an die geplante Wendeschleife liegt ein Bolzplatz.

An den Eichen kein sicherer Weg zum Spielplatz mehr durch die Wendeschleife?

Entsprechend fallen die Reaktionen der Anwohner aus: „Unfassbar!“, meint die zweifache Mutter Irini Konstantinidou „Wie kann ich meine Jungs jemals unbesorgt allein zum Spielplatz laufen lassen, wenn dort im 15-Minuten-Takt bis zu 18 Meter lange Busse an- und abfahren?“

Empört äußert sich auch Rechtsanwalt Rafael Sartowski,: „Die geplante Wendeschleife hat in dieser Form keine Rechtsgrundlage – sie ist nicht Teil des Bebauungsplans. Dieser sieht am besagten Ort stattdessen einen verkehrsberuhigten Bereich vor. Wie passt das zusammen?“

Im Wohngebiet An den Eichen gab es Flugblätter gegen die Wendeschleife

Das gesamte Wohngebiet ist inzwischen durch Flugblätter mit dem Slogan „Kinder statt Busse!“ über die Pläne informiert worden, hunderte Anwohner haben per Unterschrift ihr Missfallen bekundet und in der Facebookgruppe „An den Eichen – Offenbach“ existiert inzwischen eine Online-Petition gegen das Vorhaben.

„Mich treibt die Frage um, wem dieser Standort nutzen soll? Die Bushaltestelle,Eibenweg’ ist doch für alle gut erreichbar“, so Anwohnerin Nina Steinhoff. „Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass diese Buswendeschleife nur zur Umstellung der Busflotte auf Elektrobusse geschaffen werden soll. Hierfür hat die Stadt reichlich Fördergelder kassiert, und jetzt wird eine externe Ladestation benötigt. Aber doch nicht mitten zwischen unseren spielenden Kindern!“

Anwohner des Wohngebiets An den Eichen machen Vorschläge für alternative Wendeschleife

Weil sie nicht nur Kritik üben wollen, haben die Anwohner auch Vorschläge für Alternativstandorte: „Sowohl der Kreisel am südlichen Ende des Wohngebietes in Richtung Bieber, der Parkplatz am Neuen Friedhof oder auch ein Abschnitt des alten MAN-Parkplatzes stellen gute, nahe und deutlich ungefährlichere Alternativen dar“, heißt es. Es bleibe abzuwarten, wie beweglich sich der Magistrat zeige in der Bewertung der Kernfrage: Kinder oder Busse?

Für die Stadtregierung stellt sich diese Frage nicht. In einer Stellungnahme erläuterte sie gestern die Entscheidung. Zugleich ging ein von den Anwohnern angemahntes Antwortschreiben des Magistrats an die Betroffenen raus.

Standort der Wendeschleife schon im Bebauungsplan für An den Eichen festgelegt

Tief ins Wohngebiet müssten die Busse fahren, um zu Wendeschleife und Ladestation zu gelangen. Die derzeitige Haltestelle befindet sich am Kreisel.

Der Standort sei 2014 im entsprechenden Bebauungsplan festgelegt worden. Im Zuge der öffentlichen Auslegung seien Buswendeschleife und E-Lademöglichkeit beschrieben worden. „Spätestens ab diesem Zeitpunkt konnten alle Grundstückseigentümer beziehungsweise künftigen Bewohner wissen, was vorgesehen ist“, so Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß. Die Auswahl des Standorts basiere auf folgenden Überlegungen: An den Eichen werden ab dem Fahrplanwechsel 2021 zwei Linien ihren Endpunkt haben (103 und 108). Die Wendeschleife seit notwendig, weil der Platz an der derzeitigen Endhaltestelle am Kreisel nicht ausreiche. Die vorgeschlagenen Alternativstandorte am Parkplatz des Neuen Friedhofs oder am MAN-Gelände würden aufgrund der Entfernungen zu den Wohnhäusern keine adäquate Anbindung darstellen.

S-Bahn-Anschluss für An den Eichen bei Wendeschleife im Blick

Durch dieses Sträßchen müssten sich die Busse zwängen.

Zudem, so Weiß weiter, habe man einen möglichen S-Bahn-Anschluss des Wohngebiets im Blick: So verfolge die Stadt das Ziel, einen S-Bahn-Halt mit Umsteigepunkt auf die OVB-Busse zwischen Offenbach-Ost und Mühlheim zu verwirklichen.  Was die Sicherheit spielender Kinder angeht, wird betont, der Bereich der Wendeschleife sei als verkehrsberuhigt festgeschrieben. Busverkehr sei in solchen Zonen aber sowohl zulässig als auch seit Jahrzehnten in vielen Städten üblich: Schrittgeschwindigkeit gelte ja auch für Busse. Um trotz zugelassenen Verkehrs die Sicherheit für Kinder zu gewährleisten, sei die angrenzende Multifunktionsfläche so gestaltet, dass sie den größtmöglichen Schutz gewährleiste. Der Bolzplatz sei zur Wendeschleife hin geschlossen.

E-Ladesäule für Wendeschleife im Wohngebiet An den Eichen nur Option

Die Elektromobilität, so Weiß, sei nicht der Ausgangspunkt der Planungen, sondern lediglich immer als Option mitgedacht worden. Mit der Erarbeitung der schon öffentlich vorgestellten Machbarkeitsstudie zur Elektrifizierung der Busflotte habe sich das Baugebiet als sinnvoller Standort für eine E-Ladestation herausgestellt. Beide dort geplanten Linien hätten einen relativ langen Linienverlauf und könnten durch die Verteilung der Lademöglichkeiten auf Elektromobilität umgestellt werden.

Die Lademöglichkeit bestehe aus einem Lademast, ähnlich einer Straßenlampe, an dem die Busse über eine Art Storchschnabel geladen würden. Um die Anwohner möglichst wenig zu beeinträchtigen, werde der Mast möglichst weit von den Balkonen des nächstliegenden Hauses errichtet.

VON MATTHIAS DAHMER

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