Gegen die Wehwehchen

Wie sich Ältere in Offenbacher Fitnessstudios in Form halten

Fitness-Park-Chef Harry Kakas kontrolliert am Mittwochmorgen, ob Helmut Baus die Übung richtig ausführt und ist zufrieden.
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Fitness-Park-Chef Harry Kakas kontrolliert am Mittwochmorgen, ob Helmut Baus die Übung richtig ausführt und ist zufrieden.

Morgens früh im Fitness-Park in der Rowentastraße: Die Geräte sind gut besetzt, die Atmosphäre ist locker und entspannt. Von ständiger Angst vor dem Corona-Virus ist nichts zu spüren – obwohl zu dieser Stunde die meisten Besucher zur Risikogruppe gehören.

Offenbach – An die 40 Männer und Frauen im Alter von 70 bis 90 Jahren sind es, die regelmäßig zwei bis drei Mal in der Woche für jeweils eine Stunde kommen. Geschäftsführer Harry Kakas kann sich auf seine Senioren verlassen: Es gebe kaum jemanden mit Risiko, der erst wiederkommen wolle, wenn es einen Impfstoff gegen das Corona-Virus gebe. „Weg bleiben eher die 40- bis 60-Jährigen“, berichtet Kakas schmunzelnd.

Warum es für viele Menschen im Alter wichtig ist, sich regelmäßig zu bewegen, zeigt das Beispiel von Helmut Baus. Der Rentner wird im Oktober 72 Jahre alt. Wenn er nicht schon seit zehn Jahren zum Sport ginge, hätte er diesen Geburtstag vermutlich nicht mehr erlebt: „Für mich ist das Training wichtig, denn ich war zweimal schwer krank“, sagt Helmut Baus. Beide Male haben ihm sein Arzt bestätigt, dass es der Sport war, der ihn die Krankheit überstehen ließ. Zum Glück fällt es Baus nicht schwer, am Ball zu bleiben: „Mir macht es einfach Spaß!“

Das glaubt man Helmut Baus, wenn man ihn sieht. Er fühlt sich sichtlich wohl in seiner Umgebung. Er vertraut auf den Hygieneplan des Studios: Jeder desinfiziert sich beim Betreten die Hände, dazwischen bleiben immer wieder Geräte frei, es wird regelmäßig gelüftet. Masken mussten bis gestern nicht getragen werden. Zusammen mit einem Partner trainiert der Rentner nach einem Plan aus dem Internet. Aber auch die anderen Gäste in seinem Alter kennt er alle. Mal kämen neue Fitnessliebhaber dazu, mal müsse ein anderer aufhören. Aber es sei immer jemand da, mit dem er „auch mal was babbeln und einen Kaffee trinken kann.“

Es wird aber nicht nur an der Bar geplaudert. Erst steht eine Stunde Training an: Brust-, Rücken- und Beinübungen. Für jeden seiner drei Trainingstage steht ein Übungsbereich auf dem Plan. Und wenn es mal zu warm sein sollte, erlaubt er sich auch, das Trainings-Gewicht etwas zu reduzieren. Zum Beispiel an der sogenannten Beinpresse können die Steckgewichte variiert werden, die zusätzlich zum Eigengewicht von den Beinen gestemmt werden müssen. Bei dem Gerät befindet sich das Abdruckbrett senkrecht zum Boden. Der bewegliche Sitz muss aus angewinkelter Beinposition nach hinten weggedrückt werden. Je weniger Gewicht dazukommt, desto leichter die Übung.

Denn es geht nicht darum, Rekorde aufzustellen. Es sei wichtig, im moderaten Bereich zu bleiben, erklärt Experte Harry Kakas. „Nach meiner Erfahrung aus 30 Jahren als Fitness-Park-Chef ist es immer ratsam, ein bisschen Sport zu machen, solange man gesund ist. Dabei ist es egal, um welche Krankheit es geht – ob Virus, Bakterie oder etwas anderes. Zwei- bis dreimal die Woche für eine Stunde, so wird das Immunsystem trainiert“, rät er.

Fast alle älteren Gäste erzählen dem Fitness-Trainer, dass sie nach einiger Zeit einen körperlichen und dann auch seelischen Unterschied bemerken: Die meisten hatten schon eine schwerere Krankheit, Schlaganfall oder Herzinfarkt, hinter sich.

Wegen der Krankheit oder Verpflichtungen im Beruf oder in der Familie haben sie jahrelang keinen Sport treiben können. Nach ein paar Monaten regelmäßigen Trainings merken sie aber, wie gut ihnen die Bewegung tut. Die Wehwehchen vergehen, der Kreislauf und die Skelettmuskulatur werden gestärkt. „Das ist ihre Motivation: Sie merken am eigenen Körper, dass es ihnen gut tut“, ist Harry Kakas überzeugt. Deshalb sei der Lockdown für viele seiner Kunden schwer zu verkraften gewesen.

Auch für Rentner Helmut Baus: „Ich war froh, als es hieß, dass wieder geöffnet ist. Ich war gleich ersten Tag nach der Wiedereröffnung wieder da. Das war wie Weihnachten für mich.“ (Von Theresa Ricke)

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