Einfach ein besseres Flair

Wilhelmsplatz in Offenbach autofrei: Marktbesucher finden das gut

Das übliche Bild am Wilhelmsplatz: Wochenmarktbesucher, das zeigt unsere Umfrage, sehnen sich die Sperrung der seitlichen Straßen herbei.
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Das übliche Bild am Wilhelmsplatz: Wochenmarktbesucher, das zeigt unsere Umfrage, sehnen sich die Sperrung der seitlichen Straßen herbei.

In Offenbach sollen die Straßen zum Wilhelmsplatz an Markttagen gesperrt werden. Das Vorhaben stößt auf Zustimmung – aber auch auf Kritik.

Offenbach – Noch stehen nicht alle Details fest, aber die Stadtverordneten haben im Juni entschieden: An Markttagen sollen die Zufahrten in die beiden Straßen, die den Wilhelmsplatz in Offenbach längs einschließen, für den Autoverkehr gesperrt werden. Voraussichtlich noch im Sommer soll die Testphase starten.

Nachdem Marktbeschicker und Ladenbesitzer bereits im Vorfeld große Bedenken hinsichtlich der Sperrung geäußert hatten, haben wir am vergangenen Samstag (11.07.2020) auf dem Wochenmarkt jene gefragt, um die sich alle Sorgen machen: die Kunden. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: In den zwei Stunden, in denen wir uns auf dem Wilhelmsplatz umgehört haben, ist von Kundenseite nicht eine einzige negative Stimme zu der geplanten Sperrung zu hören. Obwohl nicht so repräsentativ wie eine breit angelegte Erhebung, könnte die Meinung, die die Besucher des Wochenmarkts und der umliegenden Gaststätten äußern, Zweifel an der Sperrung zum Bröckeln bringen.

Offenbach: Parkplätze am Wilhelmsplatz überfüllt

Wie an einem Markttag üblich, ist der südliche Parkplatz an diesem Samstagvormittag überlaufen – Autofahrer drehen ihre Runde, um nicht selten festzustellen, dass die Möglichkeit zum Parken aussichtslos ist – und suchen eine Ausweichmöglichkeit. Es gibt aber auch Besucher, die mit ihrem Wagen stehen bleiben und auf die nächste Gelegenheit warten, eine Parklücke zu ergattern. Doch selbst für sie wäre die Einschränkung von Zufahrt und Parkmöglichkeiten kein Beinbruch: „Wir warten hier immer ein paar Minuten und wenn sich nichts ergibt, fahren wir ins Parkhaus“, erklärt das Paar aus Dieburg, das sich gerade einen Parkplatz erhofft, um auf dem Wochenmarkt einzukaufen. Von den städtischen Plänen zur Sperrung haben sie bisher noch nichts gehört, sind aber nicht negativ überrascht. Das Schleppen von schweren Einkäufen erschreckt sie nicht: „Wir sind ja zu zweit und ein bisschen Bewegung ist ja auch nicht schlecht.“ Die Preise der Parkhäuser empfinden sie als moderat.

Dass das Vergnügen am Marktbesuch getrübt werden könnte, kann ein Offenbacher Bürger, der den etwa drei Kilometer langen Weg zum Wilhelmsplatz mit dem Auto zurücklegt, nicht nachvollziehen. „Ich finde es sogar besser, wenn die Autos verschwinden“, erklärt er. Sowieso parke er grundsätzlich „ein bisschen weiter weg“ und überlege, seine Einkäufe zukünftig „auch mal mit dem Fahrrad“ zu erledigen. Für ihn darf die Sperrung gerne auch „permanent“ sein, denn „der Marktplatz ist so was Schönes, und seitdem die Gaststätten ausbauen, ist es noch schöner.“

Wilhelmsplatz in Offenbach für Autos sperren: Kein Problem für die Kundinnen und Kunden

„Mich tangiert das nicht, weil ich immer mit dem Fahrrad fahre“, erzählt eine Dame. Was sie bemängelt, sind die fehlenden Möglichkeiten, ihr Fahrrad während des Marktbesuches sicher abzustellen. Oft seien alle Fahrradstellplätze eng belegt: „Ich kriege es nachher meistens nicht mehr raus, weil alles zugestellt ist.“

Zwar kommen sie mit dem Auto aus Rodgau, würden den Wilhelmsplatz in Offenbach aber auch gerne als autofreie Zone sehen, da „sich die Autos ja schon ganz schön hier rumschlängeln“: Das Paar bezeichnet sich als „regelmäßige Marktgänger“, für gewöhnlich fahren sie direkt ins Parkhaus. „Ich fände es autofrei schöner, weil ich einfach das Flair besser fände“, erklärt die Frau. Schwere Taschen sind für die beiden kein Problem, ebenso wenig wie für die Offenbacherin, die gerade einen üppigen Beutel mit Gemüse auf ihren Einkaufstrolley hievt. Mit dem sei sie so mobil, dass ihr auch ein paar Schritte nichts ausmachten: „Außerdem kaufe ich frische Sachen ohnehin nicht auf Vorrat.“

Ähnlich sieht es in den umliegenden Lokalen aus, wo die Gäste draußen den Verkehr buchstäblich vor der Nase haben: „Es wäre schon schöner, wenn beim Essen nicht in einem Meter Entfernung ein SUV vorbeifährt“, erzählt eine Besucherin. Sie habe auch schon erlebt, dass ein Wagen direkt vor ihrem Tisch gehalten und gehupt habe: „Da ist uns fast das Essen von der Gabel gefallen.“ (JAN SCHUBA)

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