Nur noch für Frühaufsteher offen

Wilhelmsplatz in Offenbach: Geschäftsinhaber sehen Seitenstraßen-Sperrung kritisch

Durchfahrverbot: Von Mitte August bis Mitte November 2020 waren testweise die Seitenstraßen des Wilhelmsplatzes an Marktagen dicht gemacht worden. Eine begleitende Umfrage kam jetzt zu dem Ergebnis: Eine Verkehrsberuhigung wird mehrheitlich befürwortet. Wie diese im Detail aussieht, muss noch entschieden werden.
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Durchfahrverbot: Von Mitte August bis Mitte November 2020 waren testweise die Seitenstraßen des Wilhelmsplatzes an Marktagen dicht gemacht worden. Eine begleitende Umfrage kam jetzt zu dem Ergebnis: Eine Verkehrsberuhigung wird mehrheitlich befürwortet. Wie diese im Detail aussieht, muss noch entschieden werden.

Kaum ein Thema ist für die Bürger in Offenbach mit mehr Emotionen besetzt als die Situation auf ihrem Wilhelmsplatz.

Offenbach – Folglich schlugen die Wellen hoch, als sich im vergangenen Jahr die Politik nach Jahren des Zauderns und Zögerns endlich dazu durchrang, die Seitenstraßen an Markttagen in Offenbach testweise zu sperren, um auszuloten, ob dadurch die Aufenthaltsqualität gesteigert werden kann. Begleitet wurde das Ganze von einer umfangreichen Befragung durch ein Marktforschungsinstitut.

Am Donnerstag (4.2.2021) stellten Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke und Verkehrsdezernent Paul-Gerhard Weiß das Ergebnis der rund 300 Seiten umfassenden und 39 .000 Euro teuren Studie vor. Die Erkenntnisse sollen als Basis für konkrete Umsetzungsmaßnahmen dienen.

Wilhelmsplatz in Offenbach: Allein ein Schild aufhängen wird nicht reichen

Wie die aussehen könnten, deuten Schwenke und Weiß nur an: So ist für sie denkbar, das Befahren der Seitenstraßen nur noch in der Zeit zwischen 7 und 11 Uhr zu erlauben. Ansonsten griffe eine dauerhafte Beruhigung mittels versenkbarer Poller, wobei etwa Offenbacher Anwohner und Marktbeschicker Zugangsberechtigungen bekämen.

Details sollen an einem Runden Tisch mit allen Beteiligten geklärt werden. „Eine politische Entscheidung wird aber vor der Kommunalwahl nicht mehr fallen“, macht Schwenke keine Hoffnung auf eine schnelle Entscheidung. Mit Weiß ist er sich einig: Es muss eine praktikable, einfache und für alle nachvollziehbare Lösung her. Der Test habe deutlich gemacht: Allein ein Schild aufzuhängen, werde nicht reichen. In den nächsten Monaten sei es Aufgabe der Politik in Offenbach, die Details der Veränderung herauszuarbeiten und einen guten Kompromiss zu finden.

Der Vorschlag einer Öffnung der Seitenstraßen nur zwischen 7 und 11 Uhr beruht auf Detailergebnissen der Studie: So fiel in Sachen Verkehrsberuhigung die Zustimmung der Befragten, die am Morgen zwischen 7.30 Uhr und 11 Uhr den Wilhelmsplatz besuchten, signifikant geringer aus als bei den Besuchern, die sich zu einem späteren Zeitpunkt dort aufhielten.

Offenbach: Geschäftsinhaber sehen Sperrung der Seitenstraßen des Wilhelmsplatzes kritisch

Die Umfrage zeigte auch: Die Frühaufsteher-Gruppe gibt pro Kunde durchschnittlich mehr Geld aus als diejenigen Befragten, die später kamen. Am frühen Vormittag (7.30 bis 10.30 Uhr) ließen 48 Prozent der Besucher zwischen 20 und 50 Euro auf dem Platz, 21 Prozent gar zwischen 50 und 100. Von 10.30 bis 14 Uhr waren nur noch 42 Prozent mit bis zu 50 Euro dabei, und nur noch 14 Prozent mit bis zu 100 Euro.

Die morgendlichen Besucher benutzen zugleich häufiger das Auto zum Einkauf. Mit 34 Prozent waren es doppelt so viele wie die späteren Wilhelmsplatz-Besucher. Erfreulich: Die Mehrheit der Befragten kam sowohl morgens als auch später mit dem Rad oder zu Fuß. Wenig verwunderlich angesichts des vehementen Protests im vergangenen Sommer: Grundsätzliche Ablehnung fand die Sperrung der Seitenstraßen bei der Hälfte der Marktbeschicker und einem großen Teil der umliegenden Geschäftsinhaber. Auch in dieser Gruppe gibt es zwar einen Anteil, der sich für eine teilweise Sperrung ausspricht, diese sollte ihrer Meinung nach aber eher abends außerhalb der Marktzeiten stattfinden.

Ute Kerber, Chefin des beauftragten Markforschungsinstituts L-Q-M aus Mainz, bilanziert: „Besucher, Anwohner und Bürger bewerteten die Testphase überwiegend positiv und sehen dadurch die Attraktivität des Wochenmarkts gesteigert. Geschäftsinhaber, Gastronomen und Marktbeschicker sehen die Maßnahmen kritisch, insbesondere für letztere büßt der Markt an Attraktivität ein.“

Wilhelmsplatz in Offenbach: OB Schwenke spricht von „großer Sympathie für eine Verkehrsberuhigung“

Mit Blick auf die Ergebnisse spricht Offenbachs Oberbürgermeister Schwenke von einer „großen Sympathie für eine Verkehrsberuhigung“. Spannend seien am Ende die Details. Zu denen zählt für Schwenke auch der bislang noch wenig beachtete Vorschlag, jeweils in der Mitte der nur wenige hundert Meter langen Seitenstraßen zwecks Durchfahrtssperre große Blumenkübel zu platzieren und die Straßen so von allen Seiten, aber nur zu Hälfte befahren zu lassen.

Dass eine Verkehrsberuhigung nun näher rücke, folge den Bedürfnissen vieler Menschen nach mehr Raum, mehr Sicherheit und mehr Lebensgefühl, sagt Paul-Gerhard Weiß. Die Ergebnisse zeigten zudem, dass Fahrrad und eigene Füße beliebte Fortbewegungsmittel seien, um auf den Wochenmarkt zu gelangen. Die Debatte um eine Erreichbarkeit des Wilhelmsplatzes mit dem Auto hält er angesichts der wenigen zur Verfügung stehenden Parkplätze ohnehin für nicht sachgerecht. (Matthias Dahmer)

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