Wochenmarkt-Streit

Ärger auf Wilhelmsplatz in Offenbach: Autofahrer ignorieren Schilder, jetzt greift Stadt durch

Auto fährt durch gesperrte Wilhelmsplatz-Seitenstraße
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Die stoppende Wirkung von Schildern ist zu Marktzeiten eher gering.

Der Testlauf, den Wilhelmsplatz in Offenbach für den Wochenmarkt mit Schildern abzuriegeln, ist gescheitert. Jetzt soll ein Wachdienst für Ordnung sorgen.

  • Zum Wochenmarkt sollten Schilder die Seitenstraßen zum Wilhelmsplatz für die Durchfahrt sperren.
  • Autofahrer ignorierten die Beschränkungen allerdings regelmäßig.
  • Ein privates Wachunternehmen soll jetzt die Sperrung der Zufahrt zum Wilhelmsplatz durchsetzen.

Offenbach - Der gut gemeinte Versuch, die seitlichen Wilhelmsplatz-Straßen nur mittels Beschilderung testweise vom Autoverkehr zu befreien, ist als gescheitert zu betrachten. Die Stadt zieht nun aus den bisherigen Erfahrungen neue Konsequenzen: Von diesem Freitag an werden vier Mitarbeiter eines privaten Bewachungsunternehmens in den kommenden zweieinhalb Monaten die beiden Zufahrten zu den Wochenmarktzeiten abriegeln.

Offenbachs Ordnungsdezernent, Bürgermeister Peter Freier, begründet das Engagieren eines privaten Dienstleisters (Kosten: 400 Euro pro Einsatztag) mit der bereits bestehenden Belastung der Stadtpolizei. Zu deren originären Aufgaben sind diverse Corona-Kontrollen hinzugekommen – laut Freier sind inzwischen 1500 laufende Verfahren zu bearbeiten.

„Zufahrt verboten“-Schilder beim Wochenmarkt ignoriert - Offenbach zieht Konsequenzen

Trotz dieser Ballung von Aufgaben hält der Bürgermeister den Zeitpunkt für die Probephase der Sperrung nicht für falsch gewählt: „Das sollte schon in der warmen Jahreszeit stattfinden, wenn sich vieles wieder drin abspielt, hat das keinen Sinn.“

So konnten regelmäßige Besucher von Markt und angrenzender Gastronomie miterleben, dass sich – mit Ausnahme an den Auftakt-Tagen, als freundliche Stadtpolizisten die Umfahrung unterbanden – eigentlich gar nichts geändert hat. Die Schilder „Zufahrt verboten“ werden als nicht bindende Empfehlung begriffen.

Wochenmarkt: Für Offenbach-Post Leserin hat sich die Stadt „bisher lächerlich gemacht“

Für Leserin Jutta Czuma macht die bisherige Phase „uns über die Stadtgrenzen hinweg lächerlich. Wenn schon ein Testlauf gestartet wird, sollte doch, nach dem ganzen Theater im Vorfeld, Interesse daran bestehen eine Erkenntnis zu erzielen.“

Sie ist der Meinung, dass eine Sperrung wie das ebenfalls umstrittene Rauchverbot in Lokalen und die Parkplatz-Reduzierung zu einer Aufenthaltsqualität am Wilhelmsplatz beigetragen werde, „um die uns Offenbacher viele beneiden.“ Leser Dieter Faulenbach da Costa hat am vergangenen Freitag innerhalb einer Stunde 50 bis 60 Autos allein auf der westlichen Straße gezählt.

Er macht auf eine weitere Ursache für fortgesetzt regen Verkehr aufmerksam: „Vom Durchfahrtsverbot ausgenommen sind die Inhaber mit dem Anwohnerparkausweis der Zone A, die sich westlich von der Waldstraße bis östlich zur Bieberer Straße und südlich von der Bismarckstraße bis nördlich zur Berliner Straße erstreckt.“ Seine Schätzung geht von bis zu 1500 A-Ausweisen aus.

„Wenn wir nicht da sind, fährt jeder einfach durch“

Peter Weigand, Offenbacher Ordnungsamtsleiter

Das ist etwas zu hoch gegriffen. Es sind nicht ganz 950, korrigiert Ordnungsamtsleiter Peter Weigand, der die Lage kennt: „Wenn wir nicht da sind, fährt jeder einfach durch.“

Ein Blitzgerät aufzustellen und anschließend die jeweilige Berechtigung zu überprüfen, würde einen viel zu hohen technischen und personellen Aufwand bedeuten, sagt Weigand.

Anlieferung für Wochenmarkt gewährleistet - Stadt Offenbach stellt Ausnahmen in Aussicht

Sein Chef Freier erwartet, dass die Sicherheitsleute die Passage unterbinden, wenn trotz Ausweises keine Adresse Am Wilhelmsplatz oder im entsprechenden Wilhelmstraßen-Abschnitt nachgewiesen werden kann. Der Bürgermeister weist aber auch darauf hin, dass sich die Stadt bei berechtigtem Interesse nicht hartnäckig sträube, Ausnahmegenehmigungen zu erteilen; die Anlieferung oder die Abholung größerer Warenmengen etwa werde immer gewährleistet. (Von Thomas Kirstein)

Schon seit Beginn des Jahres wird darüber diskutiert, die Zufahrt zum Wochenmarkt zu sperren. Das Thema ist schon ein längerer Streitpunkt.

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