Experte: Regionale Wirtschaft wird massiv behindert

IHK will bessere Berufsorientierung an Schulen

+
Symbolbild

Offenbach - Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach hat eine bessere Berufs- und Studienorientierung an Schulen gefordert. Das Thema solle auch in der Lehrerausbildung verankert werden. Von Marc Kuhn 

„Zu viele Jugendliche können keine begründete Entscheidung für den weiteren Werdegang nach der Schule treffen“, erklärte Edwin E. Heinecke, Vorsitzender des IHK-Expertenrats Bildungspolitik und Fachkräfte. „Damit wird die regionale Wirtschaft massiv behindert, die dringend benötigten Fachkräfte mit beruflicher Qualifizierung selbst zu entwickeln.“ Eine Befragung der Stadt Offenbach habe ergeben, dass nur 15 Prozent der Haupt- und Realschüler nach der Schule eine betriebliche Berufsausbildung anstrebten, teilte die Kammer mit. Der Trend zu weiterführenden Schulen halte an. Die Folge sei, dass die Schülerzahlen in der Sekundarstufe II konstant hoch seien. Die Abbruchquoten in diesen Schulformen zeigten gleichzeitig, dass längst nicht alle Schüler hier richtig aufgehoben seien. Gleichzeitig blieben jährlich mehr als 100 Ausbildungsplätze in den Unternehmen aus Stadt und Kreis Offenbach mangels geeigneter Bewerber unbesetzt.

„Um dies zu ändern, ist es wichtig, dass den Schülern alle beruflichen Möglichkeiten bekannt sind“, sagte Heinecke. „Die fächerübergreifende Berufsorientierung muss in allen Schulformen und für alle Abschlussarten realisiert werden. Auch an Gymnasien. Dazu ist es unabdingbar, eine Arbeitsplatzbeschreibung von Lehrern auch unter dem Aspekt der Berufs- und Studienorientierung zu erstellen. Die Zuständigkeiten müssen klar formuliert und nachgehalten werden.“ Nur so könne verhindern werden, dass die Qualität von Berufs- und Studienorientierung höchst unterschiedlich ist. „Darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass in der Lehreraus- und -weiterbildung das Thema Berufs- und Studienorientierung verpflichtend verankert wird“, so Heinecke.

Die Köpfe der Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach

Bislang sei es nahezu unmöglich nachzuvollziehen, zu welchen konkreten Ergebnissen die Aktivitäten an welcher Schule führten. Zwar enthielten viele Schulprogramme Aussagen zur Berufsorientierung, jedoch sei nicht erkennbar, wie diese mit welchen Resultaten umgesetzt werden, erklärte Heinecke. Wichtig sei deshalb die Verpflichtung jeder Schule, zum jeweiligen Schuljahresende zu veröffentlichen, wie erfolgreich gearbeitet wurde. „Hierzu zählen neben den schulischen Abschlüssen auch Angaben zum Übergang in Ausbildung oder Studium sowie die Dokumentation und Evaluation der Aktivitäten zur Berufsorientierung.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare