ESO will detaillierte Zustandsbeschreibung für eine Priorisierung

Die Vermessung der Straßen

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Aktuell lässt der Stadtdienstleister ESO in der Kettelerstraße die Fahrbahndecke erneuern. Gestern wurde bereits großflächig abgesperrt, ab heute werden etwa zehn Zentimeter Belag abgefräst. Bis Freitag folgt die neue Straßendecke.

Offenbach - Sie sind der Preis für eine mobile Gesellschaft: kaputte Straßen und marode Brücken. Und das trifft nicht allein Offenbach. Mit einem milliardenschweren Programm will der Bund ausbessern helfen. Von Martin Kuhn 

Da heißt es: Ring frei für den Kampf um Bundesmittel! Gut, dass der Dienstleister ESO rechtzeitig den lokalen Unterbau vermessen lässt. Die Vermessung des nahezu 220 Kilometer langen Straßennetzes erfolgt mit moderner Technik, auch wenn das Fahrzeug mit seinen ausladenden Teilen zunächst an einen (orangefarbenen) Minenräumer erinnert. Ausgestattet mit Lasermesstechnik, satellitengestützter Navigation und Videoaufzeichnung erfasst der Wagen den Straßenzustand. Zusätzliche Präzisionskameras erkennen Fahrbahnrisse. Selbst die Fahrbahngriffigkeit kann gemessen werden. Dazu bringt das Messfahrzeug kontrolliert einen schmalen Wasserstreifen auf und misst den Reibungswert zwischen Reifen und Asphalt.

Allerdings verlässt sich der Stadtdienstleister nicht allein auf die Technik, zumal einige innerstädtische Verkehrsflächen dem ruhenden Verkehr vorbehalten sind. „Unsere Mitarbeiter nehmen das alles in Augenschein –  und zwar wortwörtlich“, betont Sprecherin Regina Preis. Das beinhaltet etwa die Seitenstreifen am Spessartring, die das Spezialfahrzeug nicht erfassen kann, ebenso wie Parkplätze und Gehwege. Ende des Monats soll das alles abgeschlossen und ausgewertet sein.

Von einer grundhaften Erneuerung kann nicht überall die Rede sein im Stadtgebiet.

Am Ende hält der ESO, im Auftrag der Stadt für die sogenannte Straßenunterhaltung zuständig, endlich „eine belastbare Grundlage jenseits der bisherigen Schätzungen“ in der Hand. Daraus resultiert eine Priorisierung anhand der entscheidenden Fragen: „Lohnt sich noch eine Teilsanierung oder ist eine grundhafte Erneuerung notwendig?“ Letztere kann für die Anlieger teuer werden. Nach einer groben Kostenschätzung wird der Bericht der Verwaltung und den politischen Gremien zugehen. Angesichts des Milliarden-Defizits und der ausstehenden Schulbau-Sanierung bedarf es wohl einiger pfiffiger Ideen und praller Fördertöpfe, um noch etwas mehr Bitumen auf die Straße zu bringen. Mit den bisherigen Mitteln jedenfalls kann der ESO allenfalls den Mangel verwalten. Für die Asphaltdeckenerneuerung stehen pro Jahr gut 620.000 Euro zur Verfügung. Hinzu kommen etwa zwei Millionen Euro für Erneuerung von Dauermarkierungen und Verkehrszeichen, Fahrbahnkontrolle, Ausbessern von Schlaglöchern, Instandsetzung von Gehwegen. Der Sanierungsbedarf der Offenbacher Straßen wurde vor Jahren mit etwa 20 Millionen Euro veranschlagt.

Der ESO kann nur an wenigen Stellen etwas großflächiger sanieren: an der Kreuzung Waldstraße/Ecke Hessenring etwa, am Starkenburgring oder aktuell in der Kettelerstraße. Gar nicht erst auf der Agenda 2015 stehen beispielsweise Main-, Kaiser- oder Bismarckstraße. Und ginge es nach den Verkehrsteilnehmern, würde noch viel mehr gemacht. Auf der digitalen Mängelplattform, die seit 1. Januar 497 Meldungen zählt, listen sie weitere marode Pisten auf. Ein Auszug: „Fahrbahnschäden am rechten Straßenrand. Zustand ist insofern gefährlich, als dass Radfahrer die Schlaglochstrecke gerne umfahren und dann mitten auf der Fahrbahn unterwegs sind.“ „Größeres Loch in der Fahrbahn kurz vor der Ampel, direkt vor Burger King.“ „Mehrere zum Teil tiefe Schlaglöcher in der Brinkstraße.“

Skurrile Aktion: Schlaglochgärten in London

Mitunter kommt auch Unverständnis über die Mängelbeseitigung durch. „Die vorherige Meldung als gelöst zu deklarieren, ist ja ein Witz“, heißt es da. Und dann geht der Nutzer ans Eingemachte. Die Krafftstraße sehe gerade an der Kreuzung aus, „als wären einige ausgewählte Schlaglöcher notdürftig mit zu wenig Füllmasse bearbeitet wurden. Andere Schlaglöcher, die vielleicht nur 20 und nicht 30 Zentimeter groß sind, wurden unbearbeitet gelassen.“ An der Kreuzung mit der Bismarckstraße liege ein regelrechter Flickenteppich vor, „den man eher auf einem Feldweg und nicht auf einer viel benutzten Innenstadtstraße erwartet“. Bleibt abzuwarten, ob das milliardenschwere Straßensanierungs-Programm aus Berlin bis an die Krafftstraße reicht.

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