Offenbach will Nordwestbahn ausbremsen

Offenbach (psh) ‐ Offenbach will Fraport stoppen: Im Streit über den Lärm beim Ausbau des Frankfurter Flughafens fordert die Stadt jetzt vom Flughafenbetreiber eine Verschiebung der Eröffnung der neuen Nordwestbahn.

Stadtrat Paul-Gerhard Weiß sagte zu unserer Zeitung: „Fraport sollte die Inbetriebnahme verschieben.“ Seiner Meinung bestehen berechtigte Zweifel daran, „ob die neue Bahn derzeit überhaupt gebraucht wird. Der aktuelle Flugverkehr bleibt hinter den Prognosen zurück und macht eine Inbetriebnahme im Oktober nicht erforderlich. Fraport könnte die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts (BVG) zur Zulassung von Nachtflügen und zum gesamten Planfeststellungsbeschluss ohne weiteres abwarten“, fordert der Offenbacher Flughafendezernent. Mit einer Gerichtsentscheidung sei Ende des Jahres oder Anfang 2012 zu rechnen.

Weiß unterstützt auch den Vorstoß einiger Rhein-Main-Kommunen, ein vorläufiges Nachtflugverbot für den gesamten Flughafen zu erlassen, falls Fraport dennoch die Nordwestbahn wie angekündigt in Betrieb nehme. Bis zur BVG-Entscheidung über die Zulassung von Nachtflügen sollten „auch keine Slots für Flugbewegungen festgelegt werden“. Einen entsprechenden Antrag haben die in der Initiative „Zukunft Rhein-Main“ (ZRM) zusammengeschlossenen Kommunen jetzt beim Verkehrsministerium in Wiesbaden eingereicht. Die Anliegerkommunen begründen ihre Forderung damit, dass die Landebahn nach Fraport-Planungen bereits Ende Oktober in Betrieb gehen soll; bis zum BVG-Entscheid einige Monaten später sollte aber das vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof ausgesprochene Verbot von Nachtflügen beachtet werden. Zu den Mitgliedern der Initiative gehören in der Region unter anderem die Städte Mühlheim, Dreieich, Neu-Isenburg und Egelsbach.

Fraport-Sprecher Thomas Uber versuchte die Wogen zu glätten und wies darauf hin, dass mit Start der Nordwestbahn die Zahl der nächtlichen Flüge in der Mediationsnacht von 23 Uhr bis 5 Uhr für den gesamten Flughafen von 40 bis 50 Flüge auf 17 Ausnahmen reduziert wird. „Und die neue Bahn wird für diese Flüge erst gar nicht benutzt“, stellte Uber klar.

Rubriklistenbild: © dpa

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