Hilfe beim Weg zum Impfzentrum

Offenbach will Senioren unterstützen

Die Stadthalle in Offenbach ist schon von außen als künftiges Impfzentrum erkennbar.
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Ab 9. Februar soll das Impfzentrum Offenbach öffnen.

Seit gestern ist das Impfzentrum in Frankfurt geöffnet, und bis zur Öffnung der lokalen Zentren ist jenes Anlaufstelle für Menschen aus Stadt und Kreis Offenbach. Doch für so manche Über-Achtzigjährige stellt sich die Frage, wie sie dorthin gelangen sollen, wenn sie einen Termin haben. Ein eigenes Auto oder das Geld für die Taxifahrt haben nicht alle, der öffentliche Nahverkehr birgt Ansteckungsgefahr und so manche Widrigkeit, etwa beim Umsteigen.

Offenbach - Das Land hatte zunächst keine Regelung getroffen, wie Senioren zu den Impfzentren kommen sollten, und wegen einer internen Kommunikationspanne hatte die Stadt Offenbach zunächst auf Nachfrage erklärt, es gebe keinen Fahrdienst, wie andere Kommunen ihn beschlossen haben (wir berichteten). Inzwischen versichert die Stadt, es sei schon immer geplant gewesen, dass sich Offenbacher in Härtefällen ans Bürgertelefon (069 840004375) wenden könnten – also wenn sie einen Impftermin hätten und keine Möglichkeit sähen, anderweitig nach Frankfurt zu kommen.

„Wir lassen niemanden, der hart gearbeitet hat, keine Hilfe hat und keine sonstigen Ansprüche hat, alleine. Das war auch zu keinem Zeitpunkt geplant. Wir sind nicht kaltherzig“, sagt Oberbürgermeister Felix Schwenke. Dennoch haben sich viele Leser bei unserer Zeitung gemeldet und ihrem Unmut über die fehlende Planung, ob von Bund, Land oder Stadt, Luft gemacht. „Sind wir Senioren denn allen egal und hat wirklich keiner daran gedacht, wie wir zum Impfen kommen sollen?“, fragt etwa Leserin Margot H., die über 80 Jahre alt ist. Auch die 95-jährige Gisela J. wundert sich, weshalb das Thema Anreise nicht schon im vergangenen Jahr, als die Impfzentren eingerichtet wurden, geplant wurde. Man habe das „schlicht vergessen“, sagt sie.

„Monatelang haben wir die hochgradig Gefährdeten vor dem Infektionsrisiko mit allen nur möglichen Maßnahmen geschützt. Aber auf dem letzten Abschnitt – dem Weg zum Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle – da ist plötzlich alles vergessen und diesen Mitbürgern sind nun alle Risiken zumutbar“, ärgert sich Klaus-Dieter Busche in einem Leserbrief. Das war allerdings noch, bevor die Stadt am Sonntag erklärte, dass man durchaus Bedürftigen helfen wolle, zum Impfzentrum zu gelangen. Diese Info gelangte durch die Kommunikationspanne im Rathaus erst zu diesem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit.

Andere fragen, weshalb ausgerechnet nun bei besonders gefährdeten Senioren auf das Geld geachtet werde und finanzielle Bedenken vor den Gesundheitsaspekt gestellt würden. „Für den Marktplatz-Umbau ist Geld da, für Senioren aber nicht“, sagt Leserin Hanne M., die in der Redaktion angerufen hat.

Oberbürgermeister Felix Schwenke erklärt, dass Offenbach im Gegensatz zu Hanau oder Neu-Isenburg eine arme Stadt sei, die sich eben keinen Fahrdienst für alle Bürger leisten könne. „Wir haben rund 7800 Senioren über 80 Jahren in der Stadt, bei zwei Fahrten hin und zurück – der Impfstoff wird ja zweimal gespritzt – mit dem Taxi mit etwa 40 Euro für die einfache Fahrt wären das fast 1,2 Millionen Euro, die wir bereitstellen müssten“, sagt er, „das haben wir nicht.“ Schwenke sieht das Land Hessen in der Verantwortung: „Es wäre sinnvoll gewesen, das Land hätte für die regionalen Impfzentren vorab alles bedacht und geregelt.“

Inzwischen haben auch das Land und der hessische Städtetag reagiert – allerdings ist deren Unterstützung recht vage. Keine Kommune sei verpflichtet, einen Fahrservice anzubieten, heißt es in einem Schreiben des Städtetags, allerdings könnte ein solcher freiwillig angeboten werden. Von einer vollständigen oder zumindest großzügigen Kostenübernahme durch das Land ist darin jedoch keine Rede.

Im „Einzelfall“ könnten Taxifahrten übernommen werden, heißt es. Aber: Es „muss gegenüber der Krankenkasse ein Erstattungsanspruch für Krankenfahrten z.B. zum Arzttermin bestehen. Sollte die Krankenkasse die Taxifahrten zum Impfzentrum und zurück nach Hause nicht übernehmen, wird das Land die Kosten tragen.“ Da nur ein geringer Teil der Senioren überhaupt einen Erstattungsanspruch hat, dürfte die Zahl der Fälle, in denen das Land einspringt, gering sein. Zumal die Senioren erst einmal in Vorleistung treten müssten – was Menschen mit Mini- Rente überfordern dürfte.

Immerhin ein kleiner Lichtblick: Das Offenbacher Impfzentrum soll, wie die anderen lokalen Zentren, voraussichtlich am 9. Februar öffnen. Dann wäre die Fahrt nach Frankfurt obsolet.

Von Frank Sommer

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