Wegen Mordversuchs vor Gericht

„Wir wollten Helden sein“ - Ex-Feuerwehrmänner legen Kellerbrand

Offenbach: Dicke Rauchwolken stiegen am 31. Oktober 2019 aus dem Keller des Mehrfamilienhauses. Foto: Feuerwehr
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Offenbach: Dicke Rauchwolken stiegen am 31. Oktober 2019 aus dem Keller des Mehrfamilienhauses. Foto: Feuerwehr

Die Festnahmen sorgten für hessenweite Aufmerksamkeit: Direkt nach den mehrstündigen Löscharbeiten bei einem Kellerbrand eines Mehrfamilienhauses in der Richard-Wagner-Straße am 31. Oktober vergangenen Jahres wurden zwei Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Rumpenheim wegen des Verdachts der Brandstiftung verhaftet.

  • Offenbach: Zwei Mitglieder der Feuerwehr legten Kellerbrand
  • Wegen Mordversuchs vor Gericht: Angeklagte wollten "Helden" sein
  • Mitglieder der Feuerwehr Rumpenheim waren sich der Gefahr bewusst

Offenbach - Gestern hat vor der Zehnten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt nun der Prozess gegen die inzwischen 21 und 22 Jahre alten Angeklagten begonnen. Der Vorwurf lautet Brandstiftung und versuchter Mord – billigend hätten sie in Kauf genommen, dass Menschen in Todesgefahr gerieten, führt Staatsanwältin Xenia Schumm aus. Zum Tatzeitpunkt befanden sich 43 Menschen, darunter auch die Mutter eines der Angeklagten, im Haus, vier Personen erlitten Verletzungen durch Rauchgas. An dem Gebäude, das der Nassauischen Heimstätte gehört, entstand ein Sachschaden von mindestens 100 000 Euro.

Offenbach: Prozess gegen Brandstifter aus der Feuerwehr beginnt

Mit versteinerter Miene folgen D.M. (21) und F.D. (22) den Ausführungen der Staatsanwältin. D. ist ein sportlich wirkender junger Mann, M. wirkt im Vergleich zu ihm noch wesentlich jünger. Die Schwere des Tatvorwurfs und die ihnen drohenden Konsequenzen scheinen beiden nicht recht bewusst, zumindest ließen die Angeklagten es am ersten Verhandlungstag an tätiger Reue missen. Über ihre Anwälte räumen sie die Tat zwar ein, doch ansonsten gestaltet sich die Vernehmung zäh.

Immer wieder appelliert der Vorsitzende Richter Jens Aßling eindringlich an beide, sich zu ihrer Motivation oder der Brandserie, die von 2015 bis 2019 in Bürgel und Rumpenheim besonders Kleingärtner in Schrecken versetzte, zu äußern. „Wenn Sie selbst etwas zu ihrer Motivation sagen, ist es immer besser, als wenn wir uns über Dritte ein Bild machen müssen“, sagt er. Während D. wegen angeblich schlechter Erfahrungen bei der polizeilichen Vernehmung nichts sagen möchte, werfen die knappen Aussagen M.s mehr Fragen auf als sie Antworten bieten. „Helden“ wollten sie sein gegenüber ihren Kameraden, sagt M., doch woraus dieses Heldentum besteht, kann er nicht erklären.

Offenbach: Angeklagte waren zuvor Mitglieder der Jugend-Feuerwehr Rumpenheim

Beide waren Mitglieder der Jugendfeuerwehr Rumpenheim, bevor sie in die Einsatzabteilung wechselten, beide haben den Hauptschulabschluss mit Mühe geschafft und Ausbildungen immer wieder abgebrochen. Die Feuerwehr schien dagegen Lebensmittelpunkt zu sein. Stolz berichtet D. über seine Anwältin von seinem Atemschutzlehrgang und dass er seitdem zum Angriffstrupp gehört habe. „Wir wollten mal was Großes erleben“, heißt es von beiden, laut M. denken „alle bei der Feuerwehr so.“

Vier Brandstiftungen an Gartenhütten wurden eingeräumt, zu den weiteren wollten sie sich nicht äußern. Da M., obwohl er im Lauterborn wohnte, bei allen Bränden stets einer der ersten am Feuerwehrhaus im Mainzer Ring in Bürgel war, fiel der Verdacht rasch auf ihn – so warnte der Wehrführer D., sich weiter mit M. abzugeben.

Offenbach: Angeklagte der Feuerwehr wussten ob der Gefahr eines Kellerbrandes

Kurz vor der Brandstiftung an dem Mehrfamilienhaus, in dem M. selbst wohnte, schickte er eine Kurznachricht an D.: „Heute abend Kellerbrand bei mir“. Mit Grillanzündern legten beide gegen 1 Uhr morgens im Keller das Feuer, dann eilten sie zum Feuerwehrhaus, um zu den ersten bei der Brandbekämpfung zu gehören.

Mehrfach betont M., dass sie eine Brandschutztür am Kellereingang geschlossen hätten, damit das Feuer sich nicht ausbreite. Die Fragen des Richters, ob sich beide nicht der Gefahr durch einen Kellerbrand bewusst wären, bleiben zumeist unbeantwortet. Zeuge P. von der Freiwilligen Feuerwehr Rumpenheim betont, dass die Angeklagten durch Lehrgänge wüssten, dass Kellerbrände zu den gefährlichsten Bränden überhaupt gehörten. Ein Brandermittler der Polizei sagt aus, dass nahe der Brandherde Reifen gelagert waren, durch Gasflaschen in den Kellern kam es später zu Explosionen.

Der Prozess wird am 7. Juli fortgesetzt.

VON FRANK SOMMER

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