Verteilerfunktion für Radwege

Mehr Platz für Radler: Offenbach plant neue Fahrradstraßen

Offenbach bekommt die vierte Fahrradstraße. Und wird zum Dreh- und Angelpunkt für Radpendler im Rhein-Main-Gebiet. Neue Routen sind geplant.

  • In Offenbach sind im Projekt Bike Offenbach weitere Radwege geplant.
  • Auch Verbindungen zu Nachbarstädten wie Neu-Isenburg sollen kommen.
  • Offenbach nimmt eine wichtige Rolle im Radweg-Netz in der Region ein.

Offenbach – Liebe auf den ersten Blick war es definitiv nicht: Als die Stadt 2018 die Senefelderstraße zur ersten Offenbacher Fahrradstraße ausrief, gab es viel Gegenwind. Vor allem an der eigenwilligen Markierung schieden sich die Geister. Inzwischen hat die Stadt nachgebessert und die Unkenrufe ob der Markierung sind verstummt. „Es gab da einen Lernprozess, inzwischen wird das Problem besser gelöst“, räumt Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß ein.

Mit der von-Behring- und der Taunusstraße sind inzwischen zwei weitere Radstraßen im Stadtgebiet hinzugekommen. 2021 soll mit der Luisenstraße die nächste folgen. „Eigentlich sollte der Umbau der Luisenstraße bereits in diesem Jahr erfolgen, aber das ist momentan wegen der regen Bautätigkeit nicht sinnvoll“, sagt Weiß.

Auf Erkundungstour per Drahtesel: Radverkehrsbeauftragte Ivonne Gerdts, Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel, Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß, Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel und Ulrich Lemke von Bike Offenbach.

Fahrradstraßen: Offenbach bekommt Anbindungen an Nachbarstädte

Weitere Radstraßen sollen folgen, so dass künftig der Radverkehr in sämtliche Richtungen deutlich sicherer ausfällt. Dazu gehört auch die Anbindung an die Nachbarstädte: Offenbach kommt dabei eine Verteilerfunktion zu: Wer etwa von Hanau nach Neu-Isenburg per Rad möchte, wird auch über Offenbachs Fahrradstraßennetz geleitet. Dieses auszubauen, ist die Voraussetzung für alle weiteren Anbindungen.

Bei einer gemeinsamen Radtour hat Planungsdezernent Weiß den Bürgermeistern von Neu-Isenburg und Kelsterbach, Herbert Hunkel und Manfred Ockel, das Radstraßennetz vorgestellt. „Wir haben täglich 4 000 Pendler aus Offenbach – ich kann mir gut vorstellen, dass viele vom Auto aufs Rad umsteigen, wenn die Wege gut angelegt sind“, sagt Hunkel. „Wir brauchen ein funktionierendes Netz aus Haupt- und Nebenstraßen für Fahrräder durch die Region“, sagt Ockel, „dafür müssen wir eng zusammenarbeiten.“

Fahrradstraßen in und um Offenbach: Gravenbruch bekommt asphaltierten Weg

Nötig ist dies, denn noch gibt es bei den bestehenden Verbindungen, etwa Richtung Dreieich oder Gravenbruch, durchaus Luft nach oben für Verbesserungen. Aber die Radverkehrsbeauftragte Ivonne Gerdts und Manfred Ockel, der auch Geschäftsführer der Regionalpark-Gesellschaft Rhein-Main-Südwest ist, haben gute Nachrichten: So gibt es nun unter anderem konkrete Pläne für eine Radanbindung in Richtung Dreieich oder Neu-Isenburg. So sollen Radfahrer über die Schumannstraße Richtung Süden geführt werden, an der Stadtgrenze geht es dann auf einen noch zu bauenden, parallel zur Sprendlinger Landstraße geführten Radweg. Um den Geisfeld-Kreisel zu umgehen, wird in westlicher Richtung eine eigene Radstrecke angelegt, die dann von Neu-Isenburg aus ergänzt wird.

Auch in Richtung Gravenbruch soll es einfacher werden: Bisher führt ein Radweg parallel zur Dietzenbacher Straße Richtung Müllheizkraftwerk, doch wer nach Gravenbruch will, muss auf geschotterte Waldwege abbiegen. „Es wird ein asphaltierter Weg angelegt, der problemloses Vorankommen garantiert“, sagt Hunkel. Die Ausschreibung dafür soll noch in diesem Jahr erfolgen, 2021 soll Baubeginn sein.

Noch ist keine Beleuchtung für diesen Waldweg vorgesehen, doch Ockel weiß von einem Pilotprojekt zu berichten, das auch für die Strecke Offenbach-Gravenbruch Hoffnungen macht. „Auf dem Waldradweg zwischen Frankfurt und Neu-Isenburg wurden testweise zehn Photovoltaikleuchten installiert - die werden per Radar für jeweils 30 Sekunden eingeschaltet, wenn ein Rad vorbeifährt“, sagt Ockel.

Offenbach: Fahrradstraßen sollen ohne Strom beleuchtet werden

Es habe sich gezeigt, dass trotz dichten Blätterdachs keine zusätzliche Stromversorgung für die Leuchten nötig sei. „Nun warten wir noch ein Fledermaus-Gutachten ab“, sagt er. Fällt auch dieses positiv aus, so wäre die Beleuchtung auch für die Offenbacher Strecke eine Möglichkeit zur Steigerung der Attraktivität.

Auch für den geplanten südmainischen Radschnellweg von Hanau nach Frankfurt fällt Offenbach eine Verteilerrolle zu: Noch in diesem Jahr soll eine vom Land finanzierte Machbarkeitsstudie ausgeschrieben werden. „Eine geeignete Trassenführung durch Offenbach zu finden, wird eine anspruchsvolle Aufgabe“, sagt Weiß. Denn der bestehende Radweg entlang des Mainufers eigne sich nicht als Schnellverbindung. „Das wird ein Freizeit-Radweg bleiben“, sagt Ockel, „der Weg ist heute schon gut mit Radfahrern und Fußgängern ausgelastet.“ (Von Frank Sommer)

Rubriklistenbild: © Sommer

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