Energieversorgung von morgen

Offenbach wird elektrisch

Elektroautos mit Brennstoffzellen werden immer populärer. Noch mangelt es aber an Aufladestationen. Die Stadt Offenbach sucht mit Partnern nach Möglichkeiten, eine nötige Wasserstofftankstelle zu etablieren. Auch für strombetriebene Fahrzeuge fehlt es noch an genügend Ladestellen. - Foto: Georg

Offenbach - „Alternativlos“ ist ein von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Mode gebrachter, unschöner Begriff. Von Steffen Müller 

Damit dies nicht auf die Energieversorgung von morgen zutrifft, arbeiten Wissenschaftler weltweit an Möglichkeiten, künftig statt auf Öl, Gas oder Benzin auf alternative, im besten Fall sogar regenerative Energien zu setzen. Dies trifft besonders auf die Automobilindustrie zu und wird von der Politik gefördert. Eine Million Elektroautos sollen nach dem Willen der Bundesregierung bis 2020 auf Deutschlands Straßen unterwegs sein.

Ein wichtiger Schritt zum Erreichen dieses Ziels findet in Offenbach statt. Das Prüf- und Zertifizierungsinstitut des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) mit Sitz in der Merianstraße sorgt dafür, dass Batterien und Brennstoffzellen, die für den Antrieb in mit Wasserstoff betriebenen Autos benötigt werden, den höchsten Sicherheitsstandards entsprechen. Dies ist für die Zulassung der Fahrzeuge essenziell. Denn trotz aller Bemühungen, nachhaltige Elektroautos herzustellen, stehe das Motto „Safety first“ an erster Stelle, wie VDE-Geschäftsführer Michael Jungnitsch betont.

Führung durch die Labore

Von den Abläufen der Prüfverfahren beim VDE überzeugten sich gestern Mathias Samson, Staatssekretär im hessischen Wirtschaftsministerium, und Oberbürgermeister Horst Schneider. Bei der Führung durch die Labore informierten sich die beiden Politiker unter anderem über eine Schockprüfanlage, in der eine Brennstoffzelle Temperaturen von minus 80 bis plus 220 Grad Celsius ausgesetzt wird. Die Tests werden immer über die Extremwerte hinaus durchgeführt, erklärte Michael Jungnitsch die Zulassungsvoraussetzungen. Doch nicht nur die Prüfverfahren des VDE wurden von Mathias Samson begutachtet. Der Staatssekretär ließ sich auch über Offenbacher Projekte zum Thema Elektromobilität aufklären. Neben den Automarken Honda und Hyundai, die zu den weltweit führenden Herstellern von Elektroautos zählen, hat auch die regionale Leitstelle Elektromobilität der Region Rhein-Main in Offenbach ihren Sitz. Samsons Fazit: „Hier in Offenbach wird engagiert daran gearbeitet, der Elektromobilität im Alltag zum Durchbruch zu verhelfen.“

Oberbürgermeister Schneider sieht Offenbach in Sachen Klimafreundlichkeit, auch in Verbindung mit dem vom Energieversorger EVO angebotenen Ökostrom, auf einem guten Weg. Auch die Entwicklung bei angemeldeten Elektroautos ist positiv. Über acht Zulassungen 2009 stieg die Zahl auf 40 im Jahr 2013. Aktuell sind 64 Fahrzeuge mit Elektro-Antrieb in Offenbach zugelassen. Allerdings gibt es auch noch Nachholbedarf. So arbeitet die Stadt zusammen mit Hyundai, Honda und weiteren Partnern an der Installation einer Wasserstofftankstelle, damit Brennstoffzellen aufgeladen werden können. Elektroautos mit einem Brennstoffzellenantrieb werden immer populärer, bestätigt Bernhard Voß von Hyundai. In Ausstattung und Größe ähneln sie bereits den herkömmlichen Benzinautos. Mit einer Reichweite von 600 Kilometern kann mit Brennstoffzellenfahrzeugen eine ähnliche Distanz zurückgelegt werden, eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 160 km/h kann erreicht werden. Nur das „Tanken“ bleibt aufgrund fehlender Aufladestationen ein Hindernis.

Zukunft mit Strom: Diese E-Autos gibt's schon

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Mit ähnlichen Problemen sieht sich die regionale Leitstelle Elektromobilität konfrontiert. Die eMobil-Station am Marktplatz, an der Elektroautos und -fahrräder von Offenbacher Unternehmen und Bürgern geliehen werden können, stößt auf viel Zuspruch, der aber noch höher ausfallen könnte, wenn es mehr Rückgabestationen mit der Gelegenheit zum Aufladen geben würde. Bisher können die zwei Elektroautos, die mit Strom betrieben werden, nur am Marktplatz abgegeben werden. Anja Georgi von der Projektleistelle ist überzeugt, dass die eMobil-Station noch erfolgreicher sein könnte, wenn es mehrere Möglichkeiten geben würde, an denen die Fahrzeuge abgestellt werden könnten. Dies ist momentan noch alternativlos.

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