Offenbach

Wohltätig in der Tempelküche - doch jetzt braucht es Unterstützung

Mitglieder der Sikh-Gemeinde kochen für Bedürftige.
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Mitglieder der Sikh-Gemeinde kochen für Bedürftige. 

Der soziale Dienst ist für die religiöse Gemeinschaft der Sikhs ein wichtiger Grundsatz. Die Mitglieder der Gemeinde in Offenbach haben daher an Christi Himmelfahrt Essen an Bedürftige verteilt. Damit ihnen das weiterhin möglich ist, benötigen sie eine größere Küche und finanzielle Unterstützung.

Offenbach – Für Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, ist die Corona-Krise eine besondere Herausforderung. Die Gemeinde der Sikhs, in deren Religion das Teilen mit den Armen der wichtigste Glaubensgrundsatz ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Bedürftige in diesen schweren Zeiten mit Essensspenden zu unterstützen. Gemeindemitglied Rupsy Grover erklärt: „Alle in der Gemeinschaft wollen ihre Zeit in etwas Gutes investieren.“

Da die Kontaktbeschränkungen auch für den Tempel an der Bieberer Straße gelten, verlegten die Sikhs am vergangenen Donnerstag das gemeinsame Mahl namens „Langar“ an dem alle Mitbürger, unabhängig von Konfession, sozialem Stand oder Herkunft teilnehmen dürfen, nach draußen.

In der Tempelküche kochen die Mitglieder der Gemeinde das vegetarisch gehaltene Essen servierfertig. Während sie es für den Transport verpacken, wird es durch den Pfarrer gesegnet.

Danach geht es mit dem Auto zum Schillerplatz, wo die Sikh-Mitglieder die Gerichte zusammen mit Pfarrer Pascal Schiller von der dort ansässigen Frei-religiösen Gemeinde und seiner Mitarbeiterin Mahsa Nangeli austeilen. „Wir werden die Speisen, die aus Reis und Kichererbsen bestehen vornehmlich an Obdachlose und andere Bedürftige geben“, erzählt Rupsy Grover.

Pascal Schilling ist begeistert von so viel Nächstenliebe: „Es ist ganz toll, was die Sikhs tun.“ Und auch die Bedürftigen freuten sich auf das Essen. So habe bereits am Vortag ein Mann bei ihm nachgefragt, ob die Essensausgabe wie geplant erfolgt, erzählt Schiller.

Für Rupsy Grover und ihre Gemeinschaft soll diese Aktion nicht nur auf Feiertage beschränkt bleiben. Die Sikhs würden gerne wöchentlich Mahlzeiten ausgeben. Dazu benötigt die Gemeinschaft allerdings eine besser ausgestattete Küche: In der Kochstube ihres Tempel bereiten die Gemeindemitglieder das Essen mühsam auf einzelnen Gaskochern zu. Sie müssen sich deshalb auf einfache Speisen und eine überschaubare Anzahl an Spenden beschränken.

Der Einbau einer größeren Küche würde ein effizienteres Kochen ermöglichen, sodass sie Sikhs ihrer wichtigsten Aufgabe, dem Teilen mit den Bedürftigen, regelmäßig nachkommen könnten. Dazu benötigt der Verein aber auch finanzielle Hilfe, allein kann er die kosten für einen Umbau nicht stemmen.

Pfarrer Pascal Schilling wäre bereit zu helfen: „Wir würden das finanziell unterstützen.“ Auch die Küche seiner Gemeinde stelle er den Sikhs gerne zur Verfügung. Außerdem bietet Schilling der Sikh-Gemeinde an, nach der Corona-Pandemie das Langar auch in seinen Räumlichkeiten zu veranstalten.

Wichtig sei für ihn dabei nur, dass die Kooperation der beiden religiösen Gemeinschaften klar zu erkennen ist. „Es geht darum aufzuzeigen, dass es ein interreligiöses Projekt ist. Es geht um das Essen und den sozialen Charakter“, betont Schilling. 

VON JOSHUA BÄR

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