Investor wandelt Kriegsbau in Wohnraum um

Wohnen im einstigen Bunker

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In dieser Visualisierung – sie zeigt die Südseite des Gebäudes – erinnert kaum noch etwas an einen Bunker. Fürs Tageslicht müssen große Teile der zwei Meter dicken Wände herausgesägt werden.

Offenbach - Wo einst Offenbacher vor Fliegerbomben Schutz suchten, entsteht bald Wohnraum. Ein privater Investor baut einen der beiden Bunker am Brunnenweg in Tempelsee aufwändig um. Bis Ende des Jahres sollen die acht Wohneinheiten fertig sein. Von Matthias Dahmer 

Etwa 1,2 Millionen Euro steckt Bauherr Ludger Mentrup in das Vorhaben. Bereits in der nächsten Woche starten die Arbeiten zum Umbau des 1942 errichteten und mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden Hochbunkers mit der Adresse Brunnenweg 73. Mit einem normalen Umbau hat das Projekt nur noch wenig zu tun: Um etwa Tageslicht in die künftigen Wohnungen zu bringen, sägt ein darauf spezialisiertes Abbruchunternehmen vor allem an der Südseite der Immobilie die zwei Meter dicken Betonwände großflächig auf. „Ein Kubikmeter Wand wiegt zweieinhalb Tonnen“, gibt Investor Mentrup eine Vorstellung davon, was zu bewegen ist. Die seinen Angaben zufolge lärmarmen Sägearbeiten werden voraussichtlich acht Wochen dauern.

Anschließend ist geplant, die vorhandene Bausubstanz durch den Ausbau des Dachs zu erweitern. Innen werden charakteristische Elemente des alten Hochbunkers, wie die zwei Treppenhäuser, verbunden mit großzügig geschnittenen Räumen von mehr als 40 Quadratmetern. Insgesamt entstehen so acht Wohneinheiten mit zwei bis fünf Zimmern, die als Eigentum erworben werden können. Als einer von drei denkmalgeschützten Bunkern in Offenbach weise das Objekt zwischen Elsawa- und Erfaweg eine besondere architektonische Form auf, sagt Mentrup. Diese Form – ursprünglich als Tarnung gedacht – erinnere mehr an ein landwirtschaftliches Gut denn an einen Hochbunker. Mentrup: „Unser Grundgedanke dabei war, so viel wie möglich vom ursprünglichen baulichen Konzept zu erhalten.“

Die Idee zur Umnutzung des Bunkers ist nicht neu. Bereits vor zwei Jahren gab es konkrete Pläne eines anderen Investors für die Errichtung von Eigentumswohnungen. Als sich diese zerschlugen, griff Mentrups Unternehmen Immocity24 zu und kaufte den einstigen Schutzbau dem Offenbacher Eigentümer ab. Immocity war bereits an anderer Stelle auf dem städtischen Wohnungsmarkt aktiv: Die Firma zeichnet für das gerade vollendete Bauprojekt „Green Parc“ am Alten Friedhof verantwortlich, wo in fünf Häusern insgesamt 89 Wohnungen entstanden sind.

Für ambitionierte Bauherren: Wohnen in historischer Fabrik

Der Bunker am Brunnenweg ist der zweite in der Stadt, der für Wohnzwecke genutzt wird. 2014 baute der Rumpenheimer Dachdeckermeister Boris Hof auf und am Bunker in der Bürgeler Jahnstraße sechs Mietwohnungen. Im Gegensatz zum aktuellen Vorhaben am Brunnenweg blieb der eigentliche Schutzraum dort aber so gut wie unangetastet, entstanden im Inneren nur Gemeinschafts- und Lagerräume.

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