Ungeziefer

Entsetzliche Zustände in Offenbacher Mietshaus: „Wir wollen nur noch raus“ 

In einem Wohnhaus in Offenbach plagt Ungeziefer wie Kakerlaken die Bewohner. (Symbolbild)
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In einem Wohnhaus in Offenbach plagt Ungeziefer wie Kakerlaken die Bewohner. (Symbolbild)

Überbelegung, Verwahrlosung: In manchen Häusern in Offenbach liegt einiges im Argen. Zwei Mieter eines Hauses in der Wilhelmstraße haben sich an unsere Zeitung gewandt.

  • Ein Haus in der Wilhemstraße in Offenbach ist in einem verwahrlosten Zustand.
  • Zwei Mieter erzählen von ihren Erfahrungen in dem Problem-Haus.
  • Der Vermieter feindet die Bewohner in der Wilhemstraße an.

Offenbach - Das Haus macht schon beim Betreten einen heruntergekommenen Eindruck: Die Eingangstür ist defekt und kann nicht geschlossen werden, die Klingeln funktionieren nicht. Im Treppenhaus sieht man Insekten vorbeihuschen. Eine Wohnungstür ist verrammelt, durch eine andere offene Eingangstür sieht man einen Herd im Flur einer Wohnung stehen, daneben liegen Decken auf dem Boden.

Patrick Kehren und Steven Lorenz wohnen seit drei Jahren in dem Haus in Offenbach, in einer 55 Quadratmeter großen Zwei-Zimmer-Wohnung unter dem Dach. „Anfangs war es hier nicht so – ja, es gab ein paar Mängel, aber der Vermieter versprach Abhilfe. Außerdem hieß es, das Haus sollte nach und nach saniert werden“, sagt Kehren. Doch aus den paar Mängeln wurden mit der Zeit immer mehr, sagt Lorenz. Steckdosen, die nicht funktionieren, defekte Lichtschalter, die Toilette leckt, die Dachfenster marode und undicht. „Dann zog unten ein Mieter aus und dessen Nachfolger vermietete die Wohnung unter – bettweise“, sagt Kehren. Bis zu 17 Männer, hauptsächlich Bulgaren, sollen sich laut dem 44-Jährigen in der Wohnung befinden.

Möchte nur noch raus: Patrick Kehren vor dem undichten Badezimmerfenster.

Problem-Haus in Offenbach: Ungeziefer bleibt trotz Kammerjäger

Ein Problem sei auch das Ungeziefer: In den Mülltonnen würden Ratten leben, in der Wohnung gibt es Kakerlaken und Bettwanzen – tatsächlich zeigen sich nur wenige Minuten nach Betreten die ersten Tiere. „Vor zwei Jahren wurde vom Vermieter eine Kammerjägerin beauftragt“, sagt Lorenz, doch da die übrigen Bewohner deren Fallen entsorgten, habe sich das Problem nicht gebessert.

Das Gebäude gehöre drei Personen, zwei in Berlin, einer in Frankfurt. Der Frankfurter Eigentümer war bisher der Ansprechpartner von Kehren und Lorenz, doch nach deren Aussage gibt es seit fast zwei Jahren keinen Kontakt mehr. Auch Schreiben des Mieterschutzvereins seien unbeantwortet zurückgekommen. „Zu Jahresbeginn haben wir die Miete gekürzt, um zehn Prozent – keine Reaktion. Seit April zahlen wir nur noch die Nebenkosten – wieder keine Reaktion“, sagt Kehren, „auf unsere Nachrichten wird einfach nicht geantwortet.“

Offenbach: Vermieter des Problem-Hauses bezeichnet Mieter als Messis

Auf Nachfrage der Offenbach-Post teilt einer der Vermieter mit, dass Kehren und Lorenz „Messis und Mietnomaden“ seien, die sich nur beklagen und seit Jahresbeginn keine Miete mehr zahlen würden. Eine Räumungsklage werde angestrebt. Er sei froh, schreibt er, andere Vermieter vor ihnen warnen zu können.

Das Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter ist demnach völlig zerrüttet. Allerdings, die Zustände, die Kehren und Lorenz beklagen, sind kein Geheimnis: Schon mehrfach wurde, wie die Stadt schreibt, das Haus vom Ordnungsamt wegen Hinweisen auf Ratten kontrolliert, Bekämpfungsmaßnahmen seien den Eigentümern angeordnet worden. Am Donnerstag war die jüngste Kontrolle, dabei seien zwar keine Ratten gesichtet worden, aber Löcher an der Fassade, die von Ratten als Versteck genutzt werden könnten. Der Vermieter werde aufgefordert, diese zu verschließen.

Problem-Haus in Offenbach: Wohnungssuche gestaltet sich schwierig

Mit Blick auf die Vorwürfe der Überbelegung sagt Ordnungsamtsleiter Peter Weigand, dass die AG Leistungsmissbrauch der Stadt Offenbach die Liegenschaft genau beobachte, das Objekt stehe auf der Tagesordnung der kommenden Sitzung. Bereits im November vergangenen Jahres habe es eine entsprechende Kontrolle gegeben.

„Wir wollen einfach nur noch raus“, sagen Kehren und Lorenz. Seit Monaten suchen beide eine neue Wohnung. „Aber das ist gar nicht so leicht, außerdem gibt es leider viele unseriöse Angebote am Markt – und die brauchen wir wirklich nicht.“

Von Frank Sommer

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