Wohnungen an Ludwigstraße 187-197

Politisch ausgeschlachtet

Offenbach - Die geplante Sanierung der Wohnungen an der Ludwigstraße 187-197, der eine alteingesessene Pizzeria zum Opfer fallen soll, erhält zunehmend politische Dimensionen. Von Matthias Dahmer 

Geschuldet ist das dem bundesweit agierenden, aber dezentral organisierten Bündnis „Wem gehört die Stadt“, welchem das drohenden Aus für den Gastronomiebetrieb offenbar willkommener Anlass ist, auch in Offenbach seine kapitalismuskritischen Parolen zu verbreiten. Bislang publikumswirksamste Aktion war eine Demonstration am vergangenen Samstag im Nordend und in der Innenstadt, bei der sich zirka 50 Teilnehmer vor den Karren der Bewegung spannen ließen und gegen die angebliche Verdrängung von Bewohnern durch Investoren demonstrierten.

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Wie der Internetseite des Offenbacher Bündnisses zu entnehmen ist, versteht es sich als „Teil einer bundesweiten Bewegung von Initiativen und Bündnissen, die kritisch hinterfragen, wer über die Entwicklung von Wohnraum und Lebensbereichen bestimmt und wie Stadtentwicklung betrieben wird“. Das Bündnis sei ein freier Zusammenschluss von Menschen, die sich gegen „Kommerzialisierung und Verdrängungsprozesse“ in Städten wehrten. Der Zusammenschluss diene als Plattform für Betroffene, um eine „bedürfnisgerechte und basisdemokratische Stadtentwicklung“ zu fordern und umzusetzen. Dabei versuche „Wem gehört die Stadt Offenbach”, die Interessen der hier lebenden Menschen gegen diejenigen profitorientierter Investoren zu verteidigen.

Ausweichen aufs Grundsätzliche

Benjamin Ville, Sprecher des Offenbacher Bündnisses, betont, man habe nichts gegen eine Aufwertung des Nordends. Doch das dürfe nicht mittels Verdrängung passieren. Bei der Frage nach der Finanzierung des nötigen Strukturwandels im finanziell darniederliegenden Offenbach weicht Ville aufs Grundsätzliche aus: Man verstehe sich als antikapitalistisches Bündnis, welches einen Umbau der gesamten Produktionsverhältnisse und eine andere Verteilung von Reichtum fordere.

Was weitere, über die Ludwigstraße hinaus gehende Beispiele für Verdrängung angeht, bleibt der Bündnissprecher eher vage: Es gebe Gespräche mit Betroffenen, die mit ihren Problemen aber noch nicht an die Öffentlichkeit gehen wollten. Im Übrigen könne man eine solche Verdrängung nicht unbedingt geografisch festmachen.

Unterdessen treten der Hauseigentümer der betroffenen Liegenschaft, die Aveo Real Estate GmbH, sowie die Hausverwaltung Männche Immobilien GbR in einer umfangreichen gemeinsamen Stellungnahme unter anderem dem Vorwurf der Luxussanierung entgegen: Man orientiere sich bei den Mietpreisen in den Objekten am Offenbacher Mietspiegel. Sobald eine Wohnung leer stehe, werde diese saniert und ohne Maklercourtage auf dem Wohnungsmarkt angeboten.

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Im Übrigen hätten sich mittlerweile Mieter der Ludwigstraße 187-197 zu Wort gemeldet und eine Unterschrifteninitiative ins Leben gerufen. „Bereits mehr als 100 Bewohner der 160 Wohneinheiten zählenden Gebäude haben sich geäußert und mit ihrer Unterschrift bekräftigt, dass sie sich über die Veränderungen in der Liegenschaft freuen“, heißt es.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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