Offenbach als Vorreiter

Wohnungsbau auf Supermärkten ist teilweise schon umgesetzt

Verschenkter Raum bei den Parkplätzen der Märkte in der Löwenstraße (oben) und der Arthur-Zitscher-Straße (links). An der Berliner Straße entstehen dagegen Wohnungen.

Über mehreren Supermärkten sollen Wohnungen entstehen. Offenbach kann bereits besondere Erfolge vorweisen. 

Offenbach – Eher ruhig ist es um den groß angekündigte „Supermarktgipfel“ von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) geworden. Zum Thema Wohnungsbau über Supermärkten hatte der Minister jüngst Vertreter von Kommunen, Handel und Bauherren eingeladen. Al-Wazirs Heimatstadt Offenbach war dabei natürlich auch vertreten – und wurde sogar als Vorreiter genannt.

„Wir waren eingeladen, da wir in Offenbach bereits viel Erfahrung mit dem Thema Wohnbau über Supermärkten haben“, sagt Planungsdezernent Paul-Gerhardt Weiß (FDP). Mit dem „Karree 17“ im Mathildenviertel, dem Hafenzentrum oder den im Bau befindlichen Objekten an der Berliner Straße Ecke Luisenstraße und dem Goethequartier sei Offenbach im Vergleich mit anderen hessischen Kommunen schon gut ausgestattet. Auch der Städtetag habe schon angefragt, da Offenbach laut Weiß besondere Erfolge in diesem Bereich nachweisen könne.

Neu ist die Idee, dass der Raum über Einkaufsmärkten für Wohnungen genutzt wird, freilich nicht: Bei älteren Objekten, etwa am Starkenburgring, der Schäferstraße oder der Aschaffenburger Straße, war und ist Wohnen über einem Markt Normalität.

Offenbach: Neue Bauten verlagern Kundenparkplätze 

Beim Gang durch die Stadt fallen jedoch einige Objekte auf, bei denen die vorhandene Fläche alles andere als optimal ausgenutzt wird. Etwa in der Löwenstraße. Der dortige Rewe-Supermarkt liegt umgeben von deutlich höherer Wohnbebauung, ein Parkplatz ist dem Supermarkt vorgelagert. Oder in der Arthur-Zitscher-Straße: der dortige Penny-Supermarkt hält Stellplätze für das ganze Quartier bereit. Für Kunden der Märkte sicherlich sinnvoll und praktisch, aber letztlich verschenkter Platz in einer immer dichter besiedelten Stadt. Neue Bauten wie das Hafenzentrum verlagern die nötigen Kundenparkplätze in eine Tiefgarage.

„Als der Supermarkt in der Arthur-Zitscher-Straße vor zehn Jahren neu gebaute wurde, war die Entwicklung zum Wohnungsbau über Märkten noch nicht so absehbar“, sagt Weiß. Allerdings würde dort der Bebauungsplan eine Aufstockung erlauben. Bis zu 19 Metern und fünf Geschosse wären ohne Planänderung gestattet, sagt Weiß. Nur: Die Bauweise erlaubt keine Aufstockung, für den Wohnungsbau müsste der Markt abgerissen werden. „Ob das wirtschaftlich wäre, muss der Eigentümer entscheiden“, sagt Weiß.

Discounter in Offenbach eignen sich nicht fürs Wohnen darüber 

Auch der Rewe-Supermarkt in der Buchhügelallee nimmt als eingeschossiges Gebäude mit großem Parkplatz viel Fläche ein. „Die Stadt hat angeregt, dort über eine Wohnbebauung über dem Markt nachzudenken, auch Rewe wäre dafür aufgeschlossen“, sagt Weiß. Die Entscheidung aber liege beim Eigentümer.

Generell gebe es in der Stadt nur noch wenige als Solitär errichtete Märkte, die sich für eine Aufstockung eignen würden. Gleichzeitig eignen sich besonders flächenintensive Objekte wie Discounter gerade nicht fürs Wohnen darüber: Einerseits erlaubt deren Bauweise keine Aufstockung, andererseits liegen diese Immobilien größtenteils in Gewerbegebieten, in denen Wohnbebauung ausgeschlossen ist. „Auch wenn Wohnungsbau momentan sehr lukrativ ist, müssen wir darauf achten, dass Gewerbegebiete erhalten bleiben“, sagt Weiß, „wir brauchen schließlich Gewerbeansiedlung in Offenbach.“

Offenbach: Aufstockung nicht unkompliziert 

Die Aufstockung selbst ist nicht unkompliziert, weiß Mohamed Younis, Geschäftsführer von Schoofs Immobilien aus Neu-Isenburg. Younis, der in Offenbach 2015 das Karree 17 gebaut hat, war ebenfalls zum Supermarkt-Gipfel geladen. Teils müssten bestehende Bebauungspläne geändert werden, außerdem müsse die Nachbarschaft der in Frage kommenden Objekte intensiv informiert werden. Für Planung, Abriss des Bestandsgebäudes und Neubau müssten mindestens zwei Jahre eingeplant werden, bis der neue Markt samt Wohnungen eröffnen könne. Während es in Großstädten Einkaufsalternativen für die Bewohner des betroffenen Viertels gibt, kann sich das auf dem Land problematischer gestalten. So baut Schoofs etwa in Alsbach-Hähnlein einen Rewe-Markt samt Wohnungen neu, doch für die Bauzeit entfällt dieser Versorger für die Gemeinde an der Bergstraße.

Jeder Bau sei aber auch ein Spagat zwischen Mieter- und Supermarktinteressen. „Da ab 22 Uhr Nachtruhe herrschen muss, schließen die Märkte meist schon etwas früher, auch die Anlieferung kann erst ab 7 Uhr statt 6 Uhr beginnen.“ Durch den Bau von Tiefgaragen würden die Baukosten deutlich steigen. In Großstädten würden zudem Tiefgaragen von den Kunden deutlich besser angenommen als in Kommunen auf dem Land, weiß Younis aus Erfahrung zu berichten.

„Andererseits kann ein Einkaufs-/Wohnprojekt auch zur Belebung des Viertels beitragen, wie es in Frankfurt-Rödelheim geschehen ist“, sagt Younis. In dicht besiedelten Gebieten sei jeder Quadratmeter Fläche wertvoll und müsse optimal genutzt werden. „Für die Bebauung müssen aber die Eigentümer und die Marktbetreiber überzeugt werden, ohne die geht gar nichts“, sagt Younis.

In Offenbach stehe die Stadt beratend zur Seite, sagt Stadtrat Weiß, das Allheilmittel gegen Wohnungsnot sei der Minister-Vorschlag aber nicht. „Es ist eher ein Mosaikstein, aber nicht der große Punkt, der die Wohnungsnot lindert.“

VON FRANK SOMMER

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