Förderung

Offenbacher Bürgerstiftung millionenschwer: Kommt das Geld dem Wohnungsbau zugute?

Die Offenbacher Bürgerstiftung verfügt über Millionenbeträge. Ihr Vorsitzender möchte Kredite an die Baugesellschaft vergeben. Kann so der Wohnungsbau gefördert werden? 

  • Die Bürgerstiftung Offenbach verfügt derzeit über etwa 2,5 Millionen Euro.
  • Der Vorsitzende der Bürgerstiftung Offenbach möchte, dass das Geld dem Wohnungsbau zugute kommt.
  • Das Geld soll als Darlehen an die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO) gehen.

Offenbach - Die Bürgerstiftung Offenbach ist jetzt richtig reich. 2008 mit einem Kapital von 250 000 Euro von der Stadtwerke Holding gegründet, spielt sie als zweieinhalbfache Millionärin nun in der Bundesliga der Bürgerstiftungen: Die Stadtverordneten haben ihr, wie berichtet, das Vermögen übertragen, das Offenbacher ihrer Stadt hinterließen. Dieses Erbe beläuft sich auf 2,2 Millionen Euro, direkt eingesetzt werden aber nur die Anlageerträge.

Bürgerstiftungs-Vorsitzender Winfried Männche hat sich überlegt, wie das Geld in Zeiten niedriger Zinsen so anzulegen wäre, dass es den möglichst besten Nutzen für die guten Stiftungszwecke erbringt. Der langjährige Geschäftsführer der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO) musste nicht lange in der Ferne suchen.

Vertragsunterzeichnung: (von rechts) Stiftungs-Vize Elisabeth Fritz, Stadtkämmerer Peter Freier, Vorsitzender Winfried Männche und OB Felix Schwenke besiegelten die Übertragung der städtischen Erbschaften.

Wohnungsbau in Offenbach: Bürgerstiftung will Darlehen vergeben

Männches Idee: Die Bürgerstiftung gewährt der GBO Darlehen für die Förderung des Wohnungsbaus; die Zinsen orientieren sich an den marktüblichen, allerdings wären sie nicht an eine Bank zu zahlen. „Dann bleibt das Geld in der Stadt und kommt den Bürgern zugute, so wie es den Zielen der Stiftung entspricht“, sagt Winfried Männche. Auch für die anderen rund 80 Stiftungen in Offenbach wäre das nach seiner Meinung ein Beispiel, um einerseits Teile des Vermögens gut anzulegen und andererseits der örtlichen Baugesellschaft Mittel zur Verfügung zu stellen. Er hat sein Modell auch entsprechend verbreitet, allerdings noch keine einzige Reaktion darauf erhalten.

Annette Schroeder-Rupp, seine Nachfolgerin an der Spitze der GBO, kann sich einen solchen Kreislauf von Bürgergeld gut vorstellen. allerdings müsse noch geprüft werden, ob sich das rechtlich und wirtschaftlich so darstellen lasse.

„Geld, das der Stadt vererbt wurde, ist traditionell in Sparzertifikate und Sparbücher angelegt, allerdings fielen die Zinserträge besonders in jüngster Zeit äußerst gering aus“, weiß auch Stadtkämmerer Peter Freier.

Wohnungsbau in Offenbach: Bürgerstiftung will die Stadt weiter fördern

Unter anderem ermöglicht die Übertragung der Bürgerstiftung, die weitere Finanzierung des „Diesterweg-Stipendiums“ zu sichern. Das 2008 von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt entwickelte Programm fördert seit Herbst 2015 Offenbacher Kinder und ihre Eltern. Es unterstützt begabte und motivierte Kinder aus sozial schwachen Familien beim Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule und integriert zudem die ganze Familie mit einem umfassenden Bildungsprogramm. Wie Männche betont, hat der heutige Oberbürgermeister Felix Schwenke als Bildungsdezernent dieses Stipendium „mit Hartnäckigkeit“ nach Offenbach geholt.

Darüber hinaus gibt es aber auch noch Ideen für den Stiftungszweck Kunst und Kultur. Eine solche wäre die Reaktivierung des Literaturpreises „Schriftsteller im Bücherturm“, der 2008 letztmalig vergeben wurde. Von Thomas Kirstein

Rubriklistenbild: © Stadt Offenbach

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