„Durch – Hoch – Flach – Tief“

Workshop im Haus der Stadtgeschichte: Durch das Sieb gedruckt

Die Schablonen für den Druck werden ausgeschnitten.
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Die Schablonen für den Druck werden ausgeschnitten.

„Durch – Hoch – Flach – Tief“, das Jahr 2020 steht im Haus der Stadtgeschichte unter dem Motto Drucktechniken. Neben verschiedenen Ausstellungen rund um Radierung, Sieb- oder Linoldruck dürfen die Besucher in Workshops mit Künstlern sich auch selbst an den Techniken versuchen.

Offenbach – Die Künstlerin Kerstin Lichtblau hat sich in ihren Werken vor allem dem Siebdruck verschrieben und stellt im Haus der Stadtgeschichte zur Zeit ihre Werke aus. Doch getreu Joseph Beuys" Motto „Jeder ist ein Künstler“ konnten die Besucher nun die Bilder nicht nur betrachten, sondern gemeinsam mit der Künstlerin selbst durch Siebdruck etwas gestalten.

Bekannt ist Lichtblau vor allem für ihre Augenmädchen. Mädchen, die den Besucher aus großen Augen anschauen, egal, aus welchem Blickwinkel man sie betrachtet. Zu Beginn des Workshops führt die Künstlerin die Besucher durch ihre Ausstellung und erklärt, wie der Effekt entsteht, der schon Da Vincis Mona Lisa so berühmt gemacht hat. „Durch - den Spiegel geschaut“, lautet daher der Titel ihrer Ausstellung. Normalerweise betrachtet der Besucher die dargestellten Mädchen, hier aber wirkt es, als betrachteten die Figuren auf den Bildern den Besucher.

Beim Siebdruck entsteht in einem aufwendigen Verfahren eine Schablone. Auf einem Gitternetz wird eine Emulsion aufgebracht, die bestimmte Teile des Siebes für Farbe undurchlässig macht. Nur durch die nicht behandelten Teile kann die Farbe auf Papier oder Textilien gedruckt werden. Verschiedene Motive tauchen daher in den Bildern von Kerstin Lichtblau in unterschiedlichen Variationen immer wieder auf, dabei werden die Schablonen zu unterschiedlichen Bilder zusammenmontiert.

Unter Anleitung von Kerstin Lichtblau (Mitte) trägt Karola Schwaiger (links) Farbe auf das Drucksieb auf. FotoS: Klein

Zwei Siebvorlagen hat Kerstin Lichtblau mitgebracht. Eine mit dem Konterfei ihres Mädchens „La Luna“ und eines mit einer kreisrunden Öffnung in der Mitte, bei der selbstgestaltete Papierschablonen als Druckvorlage dienen. Gedruckt wird auf Leinentaschen und Papier. Die Kosmetikerin und Kunstsammlerin Edith Ulmer aus Frankfurt ist gekommen, weil sie die Künstlerin bereits vom Campus Riedberg kennt und ihre Augenmädchen bewundert. Sie hat gleich ihre Freundin, die 78-Jährige Karola Schweiger mitgebracht, die sich zwar für Kunst interessiert, aber gerne auch selbst etwas handwerklich gestaltet. Unter Anleitung der Künstlerin presst sie als Erste die blaue Farbe durch die Siebvorlage und lässt „La Luna“ auf einem Leinenbeutel entstehen, den sie selbstverständlich behalten darf.

Der Trend in der Kunst- und Geschichtsvermittlung gehe eindeutig weg vom statischen nur Betrachten, hin zum aktiven Teilnehmen, erklärt Rebekka Krämershof vom Haus der Stadtgeschichte. Für das Thema Siebdruck hat sie gleich zwei Workshops organisiert. Zunächst sind morgens die Kinder dran, bevor sich am Nachmittag die Erwachsenen ausprobieren dürfen. Während sich die Kinder kaum für die Vorlage „La Luna“ interessieren und vor allem selbst gebastelte Smileys drucken, versuchen sich die Erwachsenen zunächst an der mitgebrachten Vorlage. Erst als dies geklappt hat, gehen sie an selbst gebastelte Schablonen, die sie auf Papier drucken.

VON PETER KLEIN

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