Fassungslosigkeit

Zwei gespendete Kirschlorbeer am Bürgeler Flurkreuz geklaut

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Das Flurkreuz an der Kettelerstraße / Geleitsweg: Die beiden frisch gepflanzten Kirschlorbeer waren nach nur zwei Tagen entwendet.

Fred Stephan und Stefan Schmidt sind fassungslos. Die beiden Bürgeler, die als Nachtwächter und Gemeindediener recht kurzweilige Führungen durch den Ort anbieten, hatten gespendete Gelder genutzt, um ein Bürgeler Flurkreuz wieder etwas ansehnlicher zu machen.

Offenbach – Daran hatten sie und andere Spaziergänger lediglich vier Tage Freude. Strauchdiebe im wahrsten Wortsinn haben die zwei Kirschlorbeer ausgegraben.

Ganz profan: Wer macht so etwas? Stephan und Schmidt können diese Frage natürlich nicht beantworten. Sie drehen vielmehr den Spieß um und kontern provokant: „In welchen Garten stehen denn jetzt zwei neue Sträucher?“ Und ja: Sie wollen dem Täter oder den Tätern ein schlechtes Gewissen machen. Letztlich hat er oder haben sie eine frevelhafte Tat begangen: Der kleine eingefasste Grund an der Gabelung von Kettelerstraße und Geleitsweg, aus dem sie die beiden immergrünen Gewächse entwendet haben, ist zumindest gesegnet: Er ist Eigentum der katholischen Gemeinde St. Pankratius.

Man darf’s mit einem leichten Schmunzeln so vermerken: Nachtwächter und Gemeindediener haben ihre historischen Aufgaben wahrgenommen und kriminalistische Laienarbeit geleistet. Gepflanzt wurden die Kirschlorbeer Ende Januar, den Diebstahl haben sie am 3. Februar registriert und dokumentiert. Auf Bildern sind breite, frische Reifenspuren zu sehen, die sich in ein Gemisch aus Erdreich und Rindenmulch gedrückt hat.

Das Flurkreuz an der Kettelerstraße / Geleitsweg.

„Das alles muss sich irgendwann ab Sonntagmittag ereignet haben. Bis dahin hat es stark geregnet, was die Spuren verwischt hätte“, sagt Stefan Schmidt. „Und weggetragen hat die Pflanzen ganz sicher niemand“, fügt Fred Stephan kopfschüttelnd hinzu. Beiden geht es weniger um den materiellen Verlust, sondern der Umgang mit einem kleinen Stück Kultur und Heimat. Denn die Spenden, die bei den Ortsrundgängen zusammenkommen, geben sie ungekürzt weiter. So ließen Stephan und der zu früh verstorbene Rudolf Meyer (Dorfpolizist) vor drei Jahren bereits den Bildstock in der Falltorstraße restaurieren. Auch die beiden kirchlichen Kindertagesstätten in Bürgel erhielten jeweils einen 600-Euro-Scheck.

Aktuell hoffen sie jedoch weniger auf Geldgaben als auf sachdienliche Hinweise. Mal abwarten, ob der öffentliche Appell über die Heimatzeitung etwas bewirkt. Es wäre sicher eine Geschichte für den nächsten Rundgang...

VON MARTIN KUHN

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